© ponte1112 [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Schweizer Landwirtschaft produziert ein Umweltproblem

  • Roman Vonwil
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Jedes Jahr werden rund 6‘000 Tonnen zu viel Phosphor von der Schweizer Landwirtschaft in die Umwelt gestreut. Das ist eine der erschütternden Erkenntnisse am 17. November 2014 veröffentlichten Agrarberichts 2014 des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW). Phosphor-Überschüsse belasten die Böden mit giftigem Cadmium und entziehen den Gewässern lebensnotwendigen Sauerstoff.

Die intensive Schweizer Landwirtschaft gefährdet unsere Böden, Bäche und Seen, warnt Pro Natura. Besonders augenfällig wird die Misere beim Stoff Phosphor. Insgesamt werden 10’000 Tonnen des Nährstoffs auf unsere Böden ausgebracht. Das sind 6’000 Tonnen mehr als nötig, wie der am 17. November 2014 publizierte Agrarbericht 2014 des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW aufzeigt.

Die Phosphor-Misere währt allerdings schon lange. Seit mehr als dreissig Jahren müssen deswegen der Baldegger- und der Sempachersee für Millionen Franken künstlich beatmet werden. Grund für den drohenden Erstickungstod: Zu viele Schweine im Einzugsgebiet produzieren zu viel Gülle. Dieser Nährstoffüberschuss gelangt in die Böden, in die Bäche und schliesslich in die Seen.

Pestizide sind ein weiteres Übel in der Schweizer Landwirtschaft. Die eawag, das Wasserforschungsinstitut der ETH, hat im Frühjahr 2014 herausgefunden, dass in über 70% der Schweizer Bäche und Flüsse Rückstände von landwirtschaftlichen Pflanzengiften schwimmen. Im Agrarbericht 2014 ist nun nachzulesen, dass der Pestizid-Einsatz der Schweizer Landwirtschaft auch im letzten Jahr über 2‘000 Tonnen betrug. Der Pestizid-Verbrauch der Schweizer Landwirtschaft stagniert somit auf anhaltend hohem Niveau.

Der Agrarbericht weist explizit darauf hin, dass landwirtschaftlich genutzte Böden in der Schweiz in ihrer langfristigen Fruchtbarkeit bedroht sind. Die Erosion, die Verdichtung aber auch die Schwermetallbelastung haben einen grossen Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit. Die Schwermetallbelastung der Böden lässt sich auf den Einsatz von Pestiziden und von Futterzusatzstoffen, deren Abbauprodukte über den Hofdünger in den Boden gelangen, zurückführen.

Pro Natura fordert deshalb: Weg von der zu intensiven Produktion, hin zu einer Landwirtschaft mit gesunder und naturverträglicher Produktion. Ein Schritt in diese Richtung wären weniger Schweine, weniger Gülle, weniger Kraftfutter, weniger Pestizide. Dafür mehr gesunde Nahrungsmittel, saubere Bäche und Flüsse und unverseuchte Böden.

4 Kommentare

  • Lilo Schmid

    Ich wäre dafür, dass nur noch Bio- und Bergbauern Subventionen erhalten, dann ginge es der Umwelt und auch den armen Nutztieren viel besser! Auch sollten die Gemeinden wegen dem Unterhalt der Strassen und Wege besser kontrolliert werden. Das Bienensterben kommt nicht von ungefähr.

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  • Susanne Rösli

    Bei uns wird auch gespritzt. Ich habe beim Bundesamt für Umwelt nachgefragt, ob das wirklich erlaubt ist, die Antwort war klar und ein entsprechender Link mit dabei:
    „Der Einsatz von Unkrautvertilger an Wegen, Strassen und Plätzen ist seit Jahrzehnt verboten!“ (Anhang 2.5 ChemRRV: http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20021520/201306010000/814.81.pdf)
    Im Mai dieses Jahres wurde erneut an Wegrändern, auf Plätzen, rund um Brunnen gespritzt, ich habe nachgefragt, welches Mittel sie gespritzt haben. Klar wurde auch mir versichert, dass dies erlaubt sei… Ich habe dies „Pro Natura“ weitergeleitet, mit entsprechenden Fotos dazu. Pro Natura hat nun der Gemeinde einen Brief geschrieben und sie darauf hingewiesen, dass das Spritzen von Herbiziden nicht erlaubt ist. Falls trotzdem wieder gespritzt wird, kommt es zu einer Anzeige.
    Es lohnt sich hinzuschauen, nachzufragen und entsprechende Stellen zu informieren (Pro Natura, WWF, Amt für Natur und Umwelt…).
    Das Bienensterben kommt nicht von ungefähr auch wenn es die meisten Leute immer noch nicht wahrhaben wollen und die „Chemielobby“ weiterhin dementiert.
    Bleiben sie dran!
    Herzliche Grüsse
    Susanne Rösli

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  • Leuenberger

    Was soll ich machen ? Unsere Gemeinde weiss nichts gescheiteres, als unnötig Herbizid zu spritzen. Für den Wegunterhalt ist es nicht nötig.
    Ich hatte tote Bienen auf dem Flugbrett. Ca 2 Tage später sah ich, dass in der Nähe gespritzt wurde. Ich schrieb an den Gemeinderat,
    und erhielt den Bericht, dass dieses Mittel erlaubt sei. Und es werde weiter so gehandhabt.
    Freundliche Grüsse
    E.Leuenberger

    Antworten
    • Susanne Rösli

      Bei uns in der Gemeinde wird das auch so gehandhabt. Ich habe darauf hin dem Bundesamt für Umwelt geschrieben. Die Antwort war klar: „Der Einsatz von Unkrautvertilger an Wegen, Strassen und Plätzen seit Jahrzehnt verboten! (Anhang 2.5 ChemRRV:“ http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20021520/201306010000/814.81.pdf)
      Dieses Jahr wurden wieder alle Wegränder, Plätze, rund um Brunnen etc. gespritzt. Auf meine Anfrage hiess es, das Mittel sei erlaubt, was eben nicht stimmt. Darauf hin habe ich der Pro Natura geschrieben und Fotos dazu geschickt. Pro Natura hat nun der Gemeinde einen Brief geschrieben und sie darauf hin gewiesen, dass der Einsatz von Herbiziden verboten ist. Wenn’s trotzdem wieder gemacht wird, kommt es zu einer Anzeige.
      Das Bienensterben kommt nicht von ungefähr auch wenn es die meisten immer noch nicht wahrhaben wollen!
      Es lohnt sich, hinzuschauen und zu handeln, wenden sie sich an eine entsprechende Stelle (Pro Natura, WWF…).
      Herzliche Grüsse aus dem Bündnerland
      Susanne Rösli


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