Ein immer dichteres Strassennetz bedeutet auch mehr Zerstückelung der Landschaft und damit eine Bedrohung der Biodiversität. © Nicolas17 [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Ein immer dichteres Strassennetz bedeutet auch mehr Zerstückelung der Landschaft und damit eine Bedrohung der Biodiversität. © Nicolas17 [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Schweizer Landschaft wird zerstückelt: Bauten statt Biodiversität

  • Redaktion Naturschutz
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Der WWF Schweiz schlägt Alarm, denn wegen willkürlicher und lascher Raumplanung verschwinden in der Schweiz immer mehr Pflanzen und Tiere. Unsere Landschaften werden durch Bauten ausserhalb der Bauzone und intensiven Strassenbau zerschnitten, Lebensräume werden so unterbrochen oder verkleinert. Der Artenvielfalt geht’s ans Eingemachte, jetzt muss die Politik handeln, schreibt der WWF in einem aktuellen Bericht.

Wo früher Hecken wuchsen, spriessen nun Ställe. Und Strassen werden dort gebaut, wo vor kurzem noch Obstbäume standen. Landwirtschaftliche Gebäude werden umgenutzt zu Wohn- und Gewerbezwecken oder es werden neue Häuser gebaut – alles ausserhalb der Bauzone. Hinter diesen Entwicklungen stehen als Treiber die Landwirtschaft und die Siedlungspolitik. Die Folge: eine zerstückelte Landschaft mit einem hohen Verlust der Artenvielfalt. Wertvolle natürliche Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten werden zerschnitten und zerstört.

Allein die Verkehrsflächen verursachten 2010 Schäden an der Natur in der Höhe von rund 900 Millionen Franken, wie der WWF in einer Mitteilung berichtet. Der Ausbau der Strassen ging seither ungebremst weiter, 2015 erreichte die Schadensumme 1’174 Millionen Franken. In diesen Berechnungen noch nicht enthalten sind die Schäden, die durch den wachsenden Gebäudebau ausserhalb der Bauzone entstehen. Eine Trendwende ist nicht absehbar.

Teufelskreis Pflanzenschutzmittel

«Immer mehr Tiere und Pflanzen verschwinden, weil die Raumplanung ungenügend ist und die Kantone diese auch noch lasch umsetzen», warnt Thomas Wirth, Experte für Biodiversität des WWF Schweiz. Mit den zerstörten Lebensräumen verschwinden unzählige einheimische Arten wie die Wildbiene, das Mauswiesel oder das Braune Langohr. Dies sind zudem Arten, die Schädlingsbekämpfer sind, Bestäuber oder eine andere wichtige Funktion im Ökosystem übernehmen. Fehlen die natürlichen Schädlingsbekämpfer, so ist insbesondere im Pflanzenschutz ein höherer Einsatz von Pestiziden nötig. Dieser wiederum gefährdet die Artenvielfalt und die Qualität der Gewässer und des Trinkwassers. Die natürlichen Schädlingsbekämpfer sind für eine nachhaltige und umweltschonende Nahrungsmittelproduktion extrem wichtig.

Appell an die Politik – Lösungsansätze des WWF Schweiz

Auf der politischen Ebene stehen in nächster Zeit wichtige Entscheide an, welche diese negativen Entwicklungen stoppen und umdrehen können: die Revision des Raumplanungsgesetzes im Bereich des Bauens ausserhalb der Bauzone und die Weiterentwicklung der Agrarpolitik zur AP 22+. Auch der Aktionsplan Biodiversität muss jetzt mit aller Kraft umgesetzt werden. Dabei geht es insbesondere um genügend Geld für Schutzgebiete, die Streichung schädlicher Fehlanreize und die Schaffung eines funktionierenden Netzwerks aus natürlichen und naturnahen Lebensräumen und Verbindungsgebieten für die Biodiversität (einer sogenannten ökologischen Infrastruktur).

«Das Parlament muss nun zwingend gute Rahmenbedingungen schaffen, damit die Zersiedelung und Zerstörung der Landschaft gestoppt wird. Nur so kann die Landschaft ihre wichtigen Aufgaben als Erholungsgebiete, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und als Produktionsgebiet für die Landwirtschaft dauerhaft erfüllen», unterstreicht Thomas Wirth.

Der WWF Schweiz nennt konkrete Massnahmen: 

  • Grössere, qualitativ wertvollere und gut vernetzte Flächen für die Biodiversität schaffen
  • Abbruch statt Umnutzung nicht mehr benötigter landwirtschaftlicher Gebäude als Regelfall
  • Eine regionale Planung für die Weiterentwicklung der Landwirtschaftsbetriebe
  • Im Rahmen der Revision des Raumplanungsgesetzes mit dem neuen Planungs- und Kompensationsansatzes müssen sämtliche bestehenden Ausnahmebestimmungen gestrichen werden und eine strenge Kompensation bei neuen Bauten und Anlagen sichergestellt werden. Bessere regionale Erschliessungsplanung von Wald und Landwirtschaftsgebiet und mehr Zurückhaltung beim Strassenausbau

Die Resultate können Sie auch in dieser Studie nachlesen.

1 Kommentar

  • Christine

    Man fühlt sich irgendwie betrogen: sagen wir zu gutgläubig ja zur Verdichtung in den Städten – was ja auch nicht ganz unproblematisch ist für die bestehenden Grünräume? Die natürlich in der Hoffnung, dass die Zersiedelung auf dem Land gestoppt werden kann….Jetzt passiert einfach beides: mehr Verbauungen in den Städten und auf dem Land!Ob und wie denn dieses naturfressende „Geschwür“ noch aufgehalten werden kann?man wsste längst, was zu tun wäre und dass wir am eigenen Ast sägen, auf dem wir hocken. Diese Ignoranz der Entscheidungsträger ist unerträglich!

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