Schweizer KKW besser als EU-Anlagen

  • Nora Kieselbach
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Die EU-Kommission verlangt in einem Bericht von allen! Kernkraftwerken in der Europäischen Union Verbesserungsmassnahmen- zu den Schweizer KKW nimmt sie keine Stellung. Ein Vergleich der EU-Stresstestdaten zeigt jedoch: Die Schweizer Kernkraftwerke schneiden sehr gut ab. Mühleberg, Beznau und Gösgen erfüllen sämtliche von der Kommission als kritisch hervorgehobenen Punkte. Einzig das Kernkraftwerk Leibstadt müsste in einem Punkt nachbessern, teilt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI mit.

In ihrem Stresstest-Bericht ortet die EU-Kommission bei allen! 132 Kernkraftwerken in der Europäischen Union Bedarf für Nachbesserungen, welche bis 2015 umgesetzt werden sollten: insbesondere beim Schutz vor Naturkatastrophen und bei den Vorkehrungen für schwere Unfälle. Weil die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, verzichtet die EU-Kommission auf eine Beurteilung der Schweizer Kernkraftwerke. Die Schweiz hatte freiwillig am EU-Stresstest teilgenommen. – Medienmitteilung der Europäischen Kommission weiter lesen

Eine Beurteilung der Schweizer Kernkraftwerken nach denselben EU-Kriterien zeigt jedoch einen guten Zustand der Schweizer Anlagen: Die Kernkraftwerke Mühleberg, Beznau und Gösgen hätten keine Empfehlung zur Nachbesserung der EU-Kommission erhalten, erklärt das ENSI. Einzig das Kernkraftwerk Leibstadt müsste im Bereich Wasserstoffmanagement nachbessern. Dieser Punkt ist laut ENSI jedoch bereits im Schweizer Aktionsplan aufgenommen; Ende Juni 2012 hatte das KKW Leibstadt den Nachweis hierzu eingereicht. Zurzeit läuft die Überprüfung. Eine Stellungnahme des ENSI wird voraussichtlich Mitte 2013 erfolgen.

Der EU-Bericht führt ausserdem fünf so genannte Good Practices, d.h. positiv hervorgehobene Designmerkmale europäischer Kernkraftwerke an. Hier sind die Schweizer Anlagen Spitzenreiter. Good Practices wie gebunkerte Notstandsysteme und Notstandsdieselgeneratoren, zusätzliche mobile Dieselgeneratoren und Pumpen, sowie zusätzliche gebunkerte Notstandsleitstände sind in der Schweiz bereits Standard.

Im Auslegungsbereich der Kernkraftwerke haben die internationalen Experten für die Schweiz keine Empfehlungen formuliert, lediglich im Bereich von auslegungsüberschreitenden, extremen Wetterbedingungen und dem Wasserstoffmanagement bei schweren Unfällen empfehlen sie eine weitere Überprüfung. Diese Empfehlungen werden laut ENSI im Rahmen von Aktionsplänen bis 2015 behandelt.

Thomas Angeli, Journalist und Betreiber des Energie- und Umweltblogs „Angelis Ansichten“, kommentiert die Medienmitteilung des ENSI via Infosperber.ch trocken: „Wenn man sich mit dem schlechten Beispiel vergleicht, steht man immer gut da.“ – Artikel von Thomas Angeli weiter lesen

Weitere Informationen

Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI

Bild: Ch-info.ch [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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