gemuese

Schweizer Gemüse ist „Adoptivgemüse“

  • Corinna von Kürthy
  • 1

Wo Schweizer Gemüse drauf steht, ist nicht immer Schweizer Gemüse drin!

Wie der SonntagsBlick kürzlich berichtete, stammen die meisten Schweizer Gemüsepflänzchen ursprünglich meist aus marokkanischen Gewächshäusern. Nahe der Stadt Agadir zieht die holländische Firma Grow Group Lauch- und Tomatensetzlinge für Schweizer Gemüseproduzenten, die dann nach einigen Wochen in die Schweiz gekarrt werden.

Schweizer Gemüsebauern im Seeland, der Ostschweiz oder im Tessin legen diese dann in „echte Schweizer Erde“. Heimisch werden Kohl, Gurken, Tomaten und Broccoli erst durch lokale Hege und Pflege und verkauft wird das ganze dann letztendlich mit dem Werbespruch: „Aus der Region. Für die Region“.

24 Tonnen Setzlinge importierten Schweizer Gemüseproduzenten und Bio-Bauern letztes Jahr aus dem nordafrikanischen Königreich, berichtet der SonntagsBlick. „Ohne ausländische Jungpflanzen würde in der Schweiz kein Gemüse wachsen“, sagt Franz Krifter, Geschäftsführer der Firma Hawalo Swiss. Er handelt mit Setzlingen aus Holland, Portugal, Frankreich und Marokko. 500 Millionen konventionell gezogene Jungpflanzen gelangten jedes Jahr in die Schweiz, schätzt er. 90 Millionen werden hierzulande gezogen. „Doch selbst diese sind nicht einfach schweizerisch“, so Krifter. „Die Keimlinge spriessen aus ausländischem Saatgut und wachsen in ausländischer Erde.“

Wirklich neu oder illegal ist das alles jedoch nicht. Seit den Siebzigerjahren gelangen ausländische Gemüsesetzlinge in die Schweiz. Es weiss einfach keiner! Es gebe in der Schweiz „praktisch keine Setzlingsproduktion“, erklärt der Präsident von Agro-Marketing Suisse Urs Schneider. „Sie ist nicht wirtschaftlich, und sie wird nicht staatlich gefördert.“

„Gemüseesser sollten erfahren, wo die Jungpflanzen herkommen“, verlangt Konsumentenschützerin Sara Stalder. „Die Gesetzgebung muss strenger werden und die Konsumenten müssen wissen, wenn das Gemüse nicht vollständig in der Schweiz gewachsen ist.“ Sara Stalder findet es absurd, dass Lebensmittel durch ganz Europa zu transportiert werden.

Bei Bio-Gemüse ist das Bild ähnlich. Nur rund die Hälfte der Setzlinge stammen aus heimischer Produktion. Viele Bio-Setzlinge stammen auch von der Insel Reichenau. Bei Warmpflanzen wie Tomaten, Peperoni oder Aubergine sind jedoch alle Setzlinge importiert. „Ausländische Setzlinge werden nach Vorschriften von Bio ­Suisse gezogen, den strengsten der Welt“, sagt Stefan Müller vom Bio-Betrieb Müller Steinmauer. Tatsächlich ist etwa die holländische Grow Group zertifiziert, Bio-Suisse-Setzlinge zu ziehen.

Schweizer Grossverteiler werden vermutlich auch in Zukunft die Herkunft der Jungpflanzen ersteinmal nicht deklarieren, weder bei konventioneller noch bei Bio-Ware. „Eine Deklaration ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen“, so die Migros. „Eine Deklarationspflicht für Jungpflanzen wird seitens Gesetzgeber nicht verlangt“, heisst es bei Coop.

Möchtet ihr mehr über die Herkunft von eurem Gemüse erfahren? Weitere Informationen findet ihr hier!

Bild: Xocolatl [Public domain], via Wikimedia Commons

Weitere Informationen

1 Kommentar

  • Reto Vincenz

    Interessanter Artikel

    Antworten

Beitrag kommentieren