© Graylight [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
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Schweizer Banken verteidigen Geschäft mit Agrarrohstoffen

  • Nora Kieselbach
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Die Dürre in den USA führt zu Ernteausfällen und lässt die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel auf Rekordhöhen steigen: Weizen, Mais und Soja werden immer teurer (naturschutz.ch berichtete). Angesichts der höheren Preise fordern zivilgesellschaftliche Organisationen ein Ende der Spekulationen mit Agrarrohstoffen (wie aktuell die JUSO mit ihrer Spekulationsstopp-Initiative). In Deutschland haben bereits mehrere Banken auf die öffentliche Kritik reagiert und sich aus dem Handel mit Agrarrohstoffen zurückgezogen: so auch das zweitgrösste deutsche Geldinstitut, die Commerzbank. Die Schweizer Banken verteidigen jedoch weiterhin ihre Geschäfte mit Agrarrohstoffen, schrieb der Tagesanzeiger Anfang September.

Die Credit Suisse bietet demnach nach eigenen Angaben im Rahmen von Rohstofffonds auch Investitionen in Agrarrohstoffe an. Sie sei in diesem Bereich aber „ein sehr kleiner Marktteilnehmer“, und die Frage nach einem Ausstieg stelle sich daher nicht.

Die Privatbank Sarasin hat ebenfalls Rohstofffonds, bei denen die Kunden unter anderem in Agrarrohstoffe investieren. Das Gesamtvolumen dieser Rohstofffonds beträgt laut Sarasin-Sprecher 1,3 Milliarden Franken, wovon rund 35 Prozent in Agrarrohstoffe investiert sind. Allerdings verfolge die Bank eine antizyklische Anlagestrategie und trete deshalb bei steigenden Preisen als Verkäufer auf.

Auch die UBS bietet ihren Kunden einen spezifischen Agrarrohstofffond an, dessen Volumen „unter 50 Millionen Franken“ liegt. Die Grossbank will ihr Angebot auch in Zukunft aufrechterhalten. Gemäss Banken-Sprecher wolle man jedoch „mit Bedacht vorgehen, um sicherzustellen, dass unsere Aktivitäten die entsprechenden Märkte nicht destabilisieren“.

Ähnlich tönt es bei der Zürcher Kantonalbank. Sie hat strukturierte Produkte mit längerfristigen Zeithorizonten im Angebot, bei denen sie im Auftrag von Kunden Termingeschäfte eingeht.

Wie gross der Einfluss von Finanzgeschäften auf die Preise von Agrarrohstoffen tatsächlich ist, ist umstritten. Weitgehende Einigkeit besteht in der Fachwelt darüber, dass solche Spekulationen die Preise nicht nachhaltig erhöhen. Schon eher sei die stetig steigende Nachfrage der Schwellenländer, hohe Energiepreise, widrige klimatische Bedingungen sowie die Forcierung der Bio-Treibstoffproduktion als wichtigste Ursachen für die gegenwärtige Preissteigerungen zu nennen. Die Aktivitäten von Investoren könnten aber kurzfristig zu einer höheren Volatilität, d.h. Schwankung der Preise führen.

Die ZKB weist darauf hin, dass es letztlich die Entscheidung des Kunden sei, ob er in Agrarrohstoffe investiert. Den Kunden Rohstoffe als Anlagemöglichkeit von vornherein vorzuenthalten, sei „keine vernünftige Basis“.

Die Bankkunden seien jedoch beim Thema Agrarrohstoffe „in jüngster Zeit sensibler geworden“, sagt eine Sprecherin der Bank Vontobel. Die Bank wolle daher den Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Investoren und den Preisveränderungen bei Nahrungsmitteln genauer unter die Lupe nehmen.

Wie ernst die Lage wegen der steigenden Nahrungsmittelpreise unterdessen ist, unterstrich Weltbankpräsident Jim Yong Kim. Die akute Verteuerung „bedroht die Gesundheit und das Wohlergehen von Millionen von Menschen“, sagte Kim in Washington. In besonderem Masse seien Afrika und der Nahe Osten betroffen. So erlebt die Region südlich der Sahara dieses Jahr die höchsten Anstiege bei Mais, zum Beispiel +113 Prozent in Mosambik. Für die Hirse stiegen die Preise im Südsudan um 220 und im Sudan um 180 Prozent.

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1 Kommentar

  • Stefan Friemer

    Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
    Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt! Die Initiative handle-fair.de protestiert dagegen!

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