AKW Beznau | © Roland Zumbühl [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
AKW Beznau | © Roland Zumbühl [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Schweiz ohne Plan beim Atomausstieg

  • Judith Schärer
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Die Tage der Atomkraft sind gezählt. Da kaum mehr neue Anlagen ans Netz gehen und altersbedingt viele Werke stillgelegt werden, nimmt ihr Anteil an der weltweiten Stromproduktion ab. Dies zeigt der heute publizierte World Nuclear Industry Status Report 2015.

Der Bericht analysiert unter anderem, wie die Länder mit der Überalterung ihrer AKW umgehen. Der Schweizerischen Energie-Stiftung SES fällt auf: Im Vergleich zu anderen Atomstaaten steht die Schweiz ohne Plan da – und das obwohl sie den ältesten Reaktor der Welt betreibt.

Weltweit sind unzählige Atomkraftwerke überaltert und müssen in den nächsten Jahren vom Netz. Doch Neubauten werden kaum mehr in Angriff genommen, da die sich aktuell im Bau befindlichen Reaktoren mit Kostenexplosionen und jahrelangen Verzögerungen kämpfen. Ehemals führende Atomkonzerne wie etwa die französische AREVA sind deshalb wirtschaftlich am Ende. Der von unabhängigen Fachexperten erstellte World Nuclear Industry Status Report 2015 zeigt ein deutliches Bild: AKW sind Auslaufmodelle.

Abb. 1: Alter der Atomreaktoren in der EU und der Schweiz © Schweizerische Energie-Stiftung SES

Gefährliche AKW-Überalterung

Seit den 1990er Jahren gab es in Europa keine signifikante AKW-Bauphase mehr (Vgl. Abb. 1). Europa- wie auch weltweit zeigt sich ein eklatantes Üüberalterungsbild. Erschreckende Tatsache: Die Schweiz betreibt mit Beznau I den weltweit ältesten Reaktor. Um das Ende hinauszuzögern, lobbyieren Betreiber in der Schweiz für längere AKW-Laufzeiten. Dies ist jedoch heikel, wie SES- Projektleiterin Sabine von Stockar erklärt:

«Die Anlagen wurden für eine Lebensdauer von 40 Jahren gebaut. Wird die Laufzeit darüber hinaus verlängert, steigt die Gefahr für Unfälle beträchtlich an».

Nachbarländer schalten ab

Der Statusreport zeigt unter anderem auf, wie in verschiedenen Ländern das Ende der Atomkraft-Ära naht. In Schweden etwa hat man aufgrund tiefer Strompreise und steigender Produktions- und Nachrüstungskosten entschieden, ältere AKW früher als geplant herunterzufahren. Frankreich, weltweit führend in der Atomkraft, hat beschlossen, den Anteil Atomstrom von heute 77% bis 2050 auf 50% zu senken. Das ist für die Atomnation ein Novum, war doch bis anhin das Credo «tout électrique – tout nucléaire». Deutschland und Belgien haben einen genauen Plan mit einem echten Atomausstieg bis 2022 bzw. 2025.

Schweiz hat keinen Ausstiegs-Plan

Trotz Energiestrategie 2050 gibt es in der Schweiz keinen verbindlichen Atomausstiegs-Plan. Die Vorlage verbietet zwar den Bau neuer AKW, wie lange die bestehenden am Netz bleiben können, ist jedoch nicht klar. Das AKW Beznau, notabene das betriebsälteste AKW der Welt, wird zur Zeit für 700 Millionen Franken nachgerüstet – ohne zu wissen, wie lange zentrale, nicht nachrüstbare Teile noch funktionsfähig sind. Diese Strategie ist nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht fraglich. «Die Gefahr ist gross,» warnt Sabine von Stockar, «dass sich die Betreiber in ein finanzielles Fiasko stürzen und der Staat bzw. die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler dies dann ausbaden müssen.»

Gerade die Schweiz mit ihren alten Reaktoren ist gefordert, politisch und aus Unternehmer-sicht eine proaktive Strategie zu verfolgen. Die SES fordert klare Abschaltdaten kombiniert mit einem Zubauplan für erneuerbare Energien.

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