Schweiz hat drastischen Handlungsbedarf bei klimafreundlichen Investitionen. @ nattanan23 [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Schweiz hat drastischen Handlungsbedarf bei klimafreundlichen Investitionen. @ nattanan23 [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Schweiz blendet Klimarisiken aus          

  • Julia Hatzl
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Die EU-Kommission hat ihren Abschlussbericht zu nachhaltigen Finanzen veröffentlicht. Die Ausrichtung liegt ganz klar auf einem klimafreundlichen Finanzsektor. In der Schweiz herrscht diesbezüglich noch grosser Handlungsbedarf.

Während die EU bei klimafreundlichem Investitionen zügig vorwärts macht, fällt ausgerechnet die Schweiz in dieser Hinsicht weiter zurück. Im kürzlich veröffentlichten Abschlussbericht zu nachhaltigen Finanzen, lautet die eindeutige Empfehlung den Finanzsektor klimafreundlicher auszurichten. Zieht die Schweiz nicht bald mit, wird sie im Umgang mit Klimarisiken der EU weiter hinterher hinken. Ausgerechnet die Schweiz, mit einem der grössten und wichtigsten Finanzplätze, scheint jedoch nicht anzuerkennen, wie zentral dieser Sektor für die Erreichung der Klimaziele ist.

«Die Schweiz als grosser Finanzplatz handelt fahrlässig, wenn vorhandene Klimarisiken von Entscheidungsträgern ausgeblendet werden. Durch die Konzentration von Klimarisiken steigt das Risiko, dass die Schweiz ihre Finanzinstitute nach dem Platzen einer Blase nicht retten kann», sagt Christian Lüthi, Geschäftsleiter der Klima-Allianz Schweiz.

Der Rückstand der Schweiz im Vergleich zur EU betrifft folgende Bereiche:

  • Die treuhänderische Pflicht zum verantwortungsvollen Umgang mit Klimarisiken wird voraussichtlich im Sommer 2018 für institutionelle Investoren im EU-Raum gesetzlich verankert werden. Der Bundesrat hat diesen Schritt bisher versäumt und macht keine Anstalten, dies zu ändern.
  • Die EU übernimmt voraussichtlich die in Frankreich geltende Offenlegungspflicht von Klimarisiken. Der Bundesrat meint hier ganz auf Freiwilligkeit setzen zu können. Schweizer Finanzinstitute, die im EU-Raum aktiv sein wollen, werden dadurch benachteiligt. Die Schweiz riskiert, zum Auffangbecken für nicht-nachhaltige Investitionen zu werden.
  • Im Rahmen des Europäischen Finanzaufsichtssystems entstehen Pläne, wie Klimarisiken Teil der Finanzaufsichtsmandate werden könnten. In der Schweiz wird auf institutioneller Ebene nicht einmal diskutiert, inwiefern die Mandate der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA und der Schweizerischen Nationalbank SNB Klimarisiken berücksichtigen sollen.
  • Der im Auftrag des Bundesrates eingesetzte «Beirat Zukunft Finanzplatz Schweiz» ignoriert Klimarisiken, obwohl das Bundesamt für Umwelt BAFU in einer Studie zum Schluss gekommen ist, dass die Investitionen des Schweizer Finanzplatzes ein Klimawandel-Szenario von 4 bis 6 Grad befeuern. Die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz hängt auch davon ab, ob und wie Klimarisiken reduziert werden.

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