Amseln fressen gerne reife Beeren und Obst. Neben Wildobst, wie dem Weissdorn auf dem Bild, naschen sie gerne Kirschen oder bedienen sich in Beerenkulturen. © Michael Gerber
Amseln fressen gerne reife Beeren und Obst. Neben Wildobst, wie dem Weissdorn auf dem Bild, naschen sie gerne Kirschen oder bedienen sich in Beerenkulturen. © Michael Gerber

Schutznetze können zur Gefahr für Vögel werden

  • Selina Fehr
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Nicht gut Kirschen essen! Auch Vögel naschen gerne reife Früchte: Richtige Netzwahl und korrekte Montage lassen den Schutz nicht zur Falle werden.

Frische Kirschen sind ein Genuss – auch für Vögel! Deshalb werden die Obstbäume landauf landab mit Netzen gegen die Kirschennascher geschützt. Mancherorts werden die Netze zu tödlichen Fallen für Vögel, Igel und andere Tiere. Das muss nicht sein: Professionelle Obstanlagen machens vor, dass ein Schutz ohne Verlust möglich ist!

Diese Tage häufen sich Meldungen von Tieren, die sich in Netzen an Obstbäumen verfangen, berichtet BirdLife Luzern in einer Mitteilung. Besondere Gefahr sind weitmaschige, locker über die Bäume gelegte, löcherige und am Boden nicht fixierte Netze. Vor allem die beerenfressenden Amseln, Stare, Spatzen und Drosseln verfangen sich darin, verletzen sich und sterben nicht selten. Für Kleinsäuger wie Igel können die Netze auf ihren nächtlichen Ausflügen ebenso zur Falle werden.

Das muss nicht sein! Ein Grünspecht verendete erbärmlich in einem Obstnetz © Katharina Tränkle
Das muss nicht sein! Ein Grünspecht verendete erbärmlich in einem Obstnetz © Katharina Tränkle

Wie Sie Kirschen schützen ohne Tiere zu gefährden

Die in Kleinanlagen und Privatgärten häufig verwendeten Rebnetze müssen unbedingt korrekt montiert und regelmässig kontrolliert werden. Wichtig ist es, die farbigen Netze über dem Boden gut zu spannen und die nicht genutzten Teile aufzurollen. Lose Netzteile sind wahre Tierfallen. Die Netze dürfen keine Löcher aufweisen, denn darin verfangen sich Tiere. Dazu kommt, dass kaputte Netze keinen Schutz bieten. Helle und weiche Netze in auffälligen Farben und kleinen Maschenweiten sind für die Vögel weniger eine Gefahr als dunkle, feine Netze mit grosser Maschenweite. Empfohlen werden geknüpfte, leuchtend blaue Netze mit einer Maschenweite von höchstens 30 bis 40 mm. Ganz wichtig sind regelmässige Kontrollen: Tiere, die sich verfangen haben, können befreit werden, bevor sie sich ernsthaft verletzen oder sogar sterben. Ganz wichtig ist, dass die Netze nach der Ernte sofort abgeräumt werden.

Vorbild professioneller Obstanbau

Auf der Fahrt durchs Seetal und andere Regionen, in denen Obst, insbesondere Kirschen, angebaut werden, gehört es zum vertrauten Landschaftsbild: Niederstammanlagen, die rund um mit Netzen eingepackt sind. Dabei geht es viel weniger um den Schutz vor Vögeln, sondern vor allem vor Insekten, Hagel und Regen. Im Fokus steht die Kirschessigfliege, die sich extrem schnell und zahlreich vermehrt und ganze Ernten zerstören kann. Die engmaschigen Insektennetze, die stark gespannt und im Boden vergraben oder sonst fixiert werden, können für Vögel und andere Tiere keine Gefahr darstellen. Dasselbe gilt für die Hagelnetze.

Alle, die ihre Obstbäume mit Netzen schützen, müssen sich den Gefahren bewusst sein und verantwortungsvoll und sorgfältig handeln. Nur so kann unnötiges Leid verhindert werden, und Kirschenessen wird zum echten Genuss!

1 Kommentar

  • P. Schladt

    In rundum eingenetzten Kirschplantagen ist die Luftfeuchte dauerhaft höher. Folge: höherer Pilzdruck -> höherer Fungizid Einsatz. Wird so Kirschenessen zum echten Genuss?

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