© BA123 [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia commons
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Schmutziger Strom von Schweizer Produzenten

  • Kathrin Ruprecht
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Der Strom von Axpo, Alpiq, BKW und Repower stammt zum Grossteil aus Atom-, Gas- und Kohlekraftwerken. Die vier grössten Schweizer Energiekonzerne produzieren zum Beispiel vier Mal mehr Strom aus Gas als mit Wind. Die Wasserkraft und neue erneuerbare Energien kommen auf einen Anteil von weniger als einen Drittel.

Die Energiewende ist in der Schweiz bereits Realität. Der Zubau von Solarstrom beispielsweise übertrifft alle Erwartungen des Bundesrates, schreibt die Schweizerische Energie-Stiftung (SES). Doch die vier grössten Schweizer Stromproduzenten setzen weiterhin auf schmutzige Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke. Die SES hat die Stromproduktion aus dem Jahr 2014 analysiert und zeigt den Dreckstrommix von Axpo, Alpiq, BKW und Repower auf.

Viel dreckiger als der Schweizer Mix

Der Produktionsmix der Schweizer Grosskonzerne ist deutlich dreckiger als der Landesmix (55% Wasserkraft und knapp 40% Atomkraft). Im vergangenen Jahr haben die vier Stromkonzerne mehr als die Hälfte (54%) ihres Stroms mit Atomkraft produziert und über einen Zehntel mit Gas- oder Kohlekraftwerken im Ausland. Die Wasserkraft machte einen Anteil von knapp einem Drittel (30%) aus. Total haben die vier Betreiber zusammen nur gerade einen Anteil von 2.4% Windstrom produziert. Zum Vergleich: Die Alpiq alleine hat im selben Jahr mehr Strom aus Kohle erzeugt.

«Die grossen Schweizer Stromproduzenten sind nicht nur die Bremsen der Energiewende, sondern schaffen auch eine Menge Dreck in Form von Atommüll und CO2», fasst Projektleiterin Sabine von Stockar zusammen.

© Schweizerische Energie-Stiftung SES
© Schweizerische Energie-Stiftung SES

Klimawandel anstatt Energiewende

Kohle- und Gaskraftwerke in Europa treiben nicht nur den Klimawandel an, sie sind auch für die Stromschwemme und dadurch verursachten tiefen Strompreise mitverantwortlich. Auch Schweizer Firmen sind Schuld an diesem Debakel. Im Jahr 2014 produzierte die Axpo einen Zehntel ihres Stroms mit Gaskraftwerken in Italien, während die Alpiq einen Anteil von rund 14% ihrer Produktion in europäischen Gaskraftwerken herstellte. Mit einem Anteil von 20% Gasstrom (117 g CO2- Äquivalente pro Kilowattstunde) belegt Repower den zweiten Platz im Sündenregister der CO2- Äquivalente.

Noch klimaschädlicher produziert die Alpiq: 2014 hat sie ihr Kohlekraftwerk in Tschechien ausgebaut und deckt nun damit ungefähr 12% ihrer Stromproduktion. Somit setzt sie sich an die einsame Spitze beim CO2-Ausstoss (251 g CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde). Die Axpo schneidet im Anteil pro Kilowattstunde besser ab. Sie produziert jedoch mengenmässig am meisten Strom aus Gas.

«Alpiq, Axpo und Repower treiben nicht die Energiewende sondern in erster Linie den Klimawandel voran», bilanziert Sabine von Stockar.

Jedes Jahr mehr Atommüll ohne Lösung

Obwohl die alten Schweizer AKW wegen den tiefen europäischen Strompreisen kaum mehr Profit abwerfen, klammern sich die Konzerne verbissen an ihre ehemaligen Goldesel. Anstatt in neue erneuerbare Energien und damit in die Zukunft zu investieren, werden die maroden AKW weiter bewirtschaftet. So fällt tagtäglich mehr gefährlich strahlender Müll an, ohne dass eine Lösung für dessen Entsorgung in Sicht ist. Die Axpo hat 2014 pro Kilowattstunde 36 Gramm radioaktiven Abfall in die Welt gesetzt. Auch die BKW produzierte im vergangenen Jahr 30 Gramm pro Kilowattstunde.

Axpo belastet die Umwelt am meisten

Eine etwas umfassendere Bewertung der Umweltschädlichkeit bietet eine Berechnung der Umweltbelastungspunkte (UBP), die neben Klimagasen und dem radioaktiven Abfall auch Punkte wie zum Beispiel den Ressourcenverbrauch oder die Landnutzung betrachten. Gemäss diesem Bewertungssystem belastet die Axpo mit Ihrem Strommix die Umwelt am meisten. Sie erzielt 345 UPB pro Kilowattstunde, dicht gefolgt von der Alpiq mit 337 UBP. Umweltfreundlicher ist im Vergleich der Strommix von BWK (286 UBP) und Repower (161 UBP), da sie anteilmässig mehr Strom aus Wasserkraft und neuen Erneuerbaren produziert.

© Schweizerische Energie-Stiftung SES
© Schweizerische Energie-Stiftung SES

In erneuerbaren anstatt dreckigen Strom investieren

Obwohl das Wort Energiewende in aller Munde ist, setzen die Schweizer Energiekonzerne sie kaum um. Anstatt im Ausland die guten Bedingungen für Wind- und Sonnenstrom auszunutzen, wird noch immer in die maroden Schweizer AKW sowie dreckige Gas- und Kohlekraftwerke investiert.

Die Energiewende ist in vollem Gange, doch die grossen Schweizer Firmen agieren als Bremsklötze. Die SES fordert die Axpo, Alpiq, Repower und die BKW dazu auf, mehr Verantwortung zu übernehmen. Auch die Stromproduktion mit fossilen Energien im Ausland ist sukzessive abzubauen und durch erneuerbare Quellen zu ersetzen.

1 Kommentar

  • Gerhard Hunziker

    Deutschland macht’s vor und hat heute etwa 75GW installierte Wind und PV Leistung, was ca. 75 AKWs entspricht. Wieviel Kohlekraftwerke konnten ausser Betrieb genommen werden? Wieviele sind im Bau oder in Planung? Liebe Frau Ruprecht, Wind und PV im grossen Stil brauchen zwangsläufig Back-up Kraftwerke.
    Für uns heisst das: der Weg weg von der Kernkraft führt schnurstraks ins Fossile!
    Als kleine Nachhilfe empfehle ich „Der Grüne Blackout, warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ von Alexander Went

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