Glassfassade

Schmutzfink rettet Kohlmeise

  • Nora Kieselbach
  • -

Einfache Schutzmassnahmen im Haus können Vögeln das Leben retten, erklärt Vogelexperten Reinhard Vohwinkel gegenüber der Naturschutzorganisation SAVE Wildlife Conservation Fund. Viele Menschen möchten etwas für Vögel tun, stellen Vogelhäuschen auf oder bringen Nistkästen an. Umso grösser ist dann der Schock, wenn das eigene Haus zur Todesfalle wird: oft endet die Kollision mit einer Glasscheibe für den Vogel mit einem Genickbruch tödlich.

Doch warum fliegen Vögel überhaupt gegen Fenster, Terrassentüren oder Wintergärten? Vor allem in frisch geputzten Glasscheiben spiegeln sich Bäume und Sträucher, welche die Vögel als „normale“ Landschaft wahrnehmen und nicht als festes Hindernis. Und je mehr Glas in der modernen Architektur verwendet wird, desto grösser ist die Gefahr für Vögel.

Greifvogelkleber auf den Glasflächen helfen da auch nur bedingt, wie unterdessen festgestellt wurde: nämlich nur dann, wenn die Kleber sehr eng, d.h. in einem 10cm-Abstand aufgeklebt werden. Eine wirksamere (und praktikablere) Alternative wären da für das menschliche Auge kaum sichtbare, transparente Birdsticker – so behielte auch der Mensch hinter der Scheibe trotz der Aufkleber noch den Durchblick. Ebenfalls einen wirksamen Schutz bieten gerippte, geriffelte, mattierte oder eingefärbte Glasscheiben. Wer neu plant, sollte sich daher möglichst dafür entscheiden. Ausserdem wurde für Neubauten und zur Modernisierung ein spezielles Vogelschutzglas BIRDprotect entwickelt, dessen Markierungen für das menschliche Auge unsichtbar sind, vom Vogel hingegen erkannt werden.

Wem das Spezialglas jedoch zu teuer ist, dem bietet sich als billigere Alternative der Birdpen: ein Stift, mit dem man alle 10 Zentimeter senkrechte Streifen auf die Scheibe zeichnet. Diese Markierung ist dann für den Menschen nahezu unsichtbar. Die Streifen sind etwa ein halbes Jahr haltbar, müssen aber nach jedem Fensterputzen neu aufgetragen werden. Oder man erzielt den gleichen Effekt, in dem man einfach normale Klebestreifen aufbringt.

Was laut Vogelexperte Vohwinkel auch noch hilft:

– Keine Bäume und Sträucher in Fensternähe pflanzen, lieber an die Ecke des Hauses
– Keine Wasserspiele oder Teiche im Garten, denn all das zieht Vögel magisch an
– Je kleiner das Fenster, desto geringer die Gefahr – so helfen beispielsweise Sprossenfenster
– In nicht genutzten Räumen Vorhänge zu ziehen
– Und zu guter Letzt: Schmutzige Scheiben sind vogelfreundlicher als blankgeputzte!
– Interview weiter lesen

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und SVS/BirdLife Schweiz informierten bereits 2009, dass nach Schätzungen allein in der Schweiz im Jahr Millionen! von Vögeln durch Kollisionen mit Fenstern oder anderen Glasflächen sterben, die momentan in der Architektur sehr im Trend liegen – Weitere Informationen

Bild: rdsmith4 [CC-BY-SA-2.5] via Wikimedia Commons

Beitrag kommentieren