© Dirk Ingo Franke, [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
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Schlechte Bilanz nach 20 Jahren ökologischem Leistungsnachweis

  • Cécile Villiger
  • 3

Der ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) ist seit 20 Jahren Pflicht in der Schweizer Landwirtschaft. Er ist Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen. Im Gegenzug wurde der Bevölkerung eine Verminderung der Umweltbelastung versprochen. Fazit nach 20 Jahren: Der ÖLN erfüllt die Erwartungen nicht. Die Umweltbelastungen sinken nicht merklich.

Vor 20 Jahren hat das Stimmvolk den aktuell gültigen Bundesverfassungsartikel 104 Landwirtschaft an der Urne angenommen. Darin verankert ist bis heute der ökologische Leistungsnachweis (ÖLN). Dieser ist Grundlage für den Erhalt von Direktzahlungen des Bundes. Ohne ÖLN keine Bundesgelder. Doch trotz ÖLN ist die Schweizer Landwirtschaft in entscheidenden Bereichen in den letzten 20 Jahren nicht ökologischer geworden, meldet pro Natura. Drei Schlaglichter dokumentieren die Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität:

  1. Die Landwirtschaft hat den Auftrag, die Biodiversität auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche zu sichern und zu fördern. Zum Beispiel, indem geeignete Lebensräume auf ausreichender Fläche und in der nötigen Qualität und räumlichen Verteilung zur Verfügung gestellt werden. Die Entwicklung der Brutvogelbestände im Kulturland zeigt: Dieser Auftrag wird nicht erfüllt. Die Zahl der für das Kulturland typischen Brutvögel nimmt weiter ab
  2. Sowohl die Stickstoff- als auch die Phosphoremissionen haben seit der Einführung des ÖLN nur unwesentlich abgenommen. Schuld daran sind die viel zu hohen Tierbestände, die steigenden Kraftfutterimporte und die ungenügenden Berechnungsmethoden in der Düngerbilanz. Das Problem verschärft sich aktuell sogar: Ein wahrer Bauboom für neue Geflügel- und Schweineställe (naturschutz.ch berichtet) droht die Zielerreichung in noch weitere Ferne zu rücken.
  3. Die Verkaufszahlen für Pestizide sind auf unverändert hohem Niveau: Über 2000 Tonnen werden jährlich versprüht. Nicht ohne Folgen: kaum ein untersuchtes Gewässer, in dem kein Pestizidcocktail nachgewiesen werden kann. Bis zu 40 verschiedene Pestizide, vornehmlich aus der Landwirtschaft, belasten das Wasser (naturschutz.ch berichtet). Hinzu kommt, dass die Giftstärke der neueren Stoffe wie Neonicotinoide bis zu 5000 Mal höher ist als diejenige von älteren Produkten.

Der Leistungsausweis des heutigen ÖLN-Systems ist ungenügend. Die Schweizer Bevölkerung bekommt von der Landwirtschaft im Bereiclh Umwelt nicht geliefert, was sie per Verfassung bestellt hat und wofür sie jährlich einen guten Teil der drei Milliarden Franken via Bundeskasse bereitstellt. Pro Natura fordert eine Anpassung des Instruments, damit es in den nächsten 20 Jahren die gewünschte Wirkung erzielt.

3 Kommentare

  • wg

    Schön wen man einen Sündenbock findet. Für skifahren auf Pisten Nitrat gebraucht wirt sogar auf Bioboden oder für Rasen ( Fußball oder privat ) da geht alles und ist kein Reglement wie viel.

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    • M. Steinmann

      Es müssen ALLE „Nitrat-Sünder“ zur Rechenschaft gezogen werden.
      Aber das Fehlverhalten anderer darf nicht das eigene Fehlverhalten entschuldigen.

    • K. Schneeberger

      In jeder Aussage steckt ein bisschen Wahrheit…
      Es ist unschwer zu erkennen, dass Sie ein Landwirt sind oder der Landwirtschaft in irgendeiner Weise nahe stehen…
      Plausible, nachvollziehbare Erklärungen haben die Bauern noch nie geliefert. Alle „bäuerlichen“ Reaktionen auf erwiesene Tatsachen und Missstände in der Landwirtschaft haben einen trotzigen, maulenden oder emotionalen Charakter verbunden mit einem Fingerzeig auf „Die Andern…“


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