© youkeys,  [CC-BY-SA-3.0], via Flickr
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Schlechte Bilanz für Schweizer Biodiversität und Wasserqualität

  • Julia Hatzl
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Im heute veröffentlichten 3. Umweltprüfbericht der OECD wird aufgezeigt, dass trotz Fortschritten die Umweltbelastung in der Schweiz immer noch sehr hoch ist. Insbesondere beim Schutz der Biodiversität und der Wasserqualität gibt es hohe Defizite.

Zum dritten Mal seit 1998 hat die OECD die Umweltleistungen der Schweiz untersucht. Der Bericht fokussiert auf Biodiversität, Wasser und ressourcenschonendes Wachstum und enthält 42 Empfehlungen an die Adresse der Schweiz.

Gute Noten erhält die Schweiz für den im OECD-Vergleich niedrigen Energieverbrauch der Wirtschaft und für die Verbesserung der Ressourceneffizienz im Inland. Auch das Engagement der Schweiz in zahlreichen internationalen Umweltgremien und Initiativen sowie für eine nachhaltigere Finanzwelt wird positiv beurteilt.

Konsumverhalten ist grosse Bedrohung

Deutlich weist die OECD in ihrem Bericht aber auch auf fortbestehende Umweltbelastungen hin und ortet Lücken in der schweizerischen Umweltpolitik. Der Schweiz ist die absolute Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Gesamtumweltbelas­tun­gen bisher nicht gelungen. So belasten die Konsum­gewohnheiten der Bevölkerung die globale Umwelt, und die Schweiz produziert mit 742 kg pro Kopf und Jahr fast am meisten Siedlungsabfall in Europa. Um die Schweiz als Vorreiter von Öko-Innovationen neu zu positionieren, braucht es gemäss der OECD zusätzlichen Schub. Zudem sind die Gewässer durch die intensive Wasserkraftnutzung, durch Pestizide aus der Landwirtschaft und Mikroverun­reinigungen aus Haushalten und Industrie teilweise hohen Belastungen ausgesetzt.

Biodiversität unter Druck

Die Schweiz hinkt bei der Erhaltung der Biodiversität anderen OECD-Ländern hinterher. Grösse, Qualität und Vernetzung der Schutzgebiete sind im internationalen Vergleich mangelhaft. Der Druck auf die Biodiversität bleibt hoch, beispielsweise durch die Zersiedelung der Landschaft und ihre Zerschneidung durch Infrastrukturen oder durch die hohe Ammoniak- und Pestizidbelastung aus der Landwirtschaft. So sind ein Drittel der Arten in der Schweiz und die Hälfte der wichtigsten Lebensräume gefährdet. Die Anstrengungen der Schweiz, um die Biodiversität in verschiedenen Politikbereichen zu verankern, werden von der OECD anerkannt. Sie hält fest, dass der Aktionsplan Biodiversität unverzüglich umgesetzt und mit ausreichend Mitteln ausgestattet werden muss. Möglicherweise würden die vorgesehenen Massnahmen noch nicht ausreichen, um die Biodiversität zu erhalten.

Folgerungen des BAFU

«Wir werden die Resultate und Empfehlungen analysieren und mit den Kantonen und weiteren Interessengruppen als Grundlage nutzen, um die Belastung der Umwelt zu reduzieren», sagte BAFU-Direktor Marc Chardonnens.

Die OECD-Empfehlungen zur Reduktion der Nährstoff- und Pestizidbelastung aus der Landwirtschaft sollen im Rahmen der Agrarpolitik 2022 und des vom Bundesrat beschlossenen Aktionsplans Pflanzenschutzmittel umgesetzt werden. Die bereits angelaufene Umsetzung des Aktionsplans Biodiversität will die Qualität und Vernetzung der Schutzgebiete verbessern, aber auch die Biodiversität in anderen Politikbereichen stärken und Fehlanreize in der öffentlichen Finanzierung eliminieren. Auf dem Weg zu einer ressourcenscho­nen­den Wirtschaft setzt das BAFU auf die Massnahmen aus dem Bericht «Grüne Wirtschaft – Massnahmen des Bundes für eine ressourcenschonende, zukunftsfähige Schweiz» von 2016 und erarbeitet eine Abfallvermeidungsstrategie. Umweltbeobachtung und Information sollen verbessert werden, damit die Bevölkerung ein realistisches Bild vom Zustand der Umwelt gewinnen kann.

2 Kommentare

  • Susanne Hagen

    Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel geht viel zu wenig weit, so dass das Artensterben an Land und im Wasser weitergehen werden. So sehen es auch viele besorgte oder verärgerte Menschen, die fair-fish Fotos und Botschaften für Herrn Ritter, Präsident des Bauernverbands, zugesandt haben. Zu bewundern sind einige der Fotos auf https://www.facebook.com/fair.fish/ oder fair-fish.ch

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  • mk

    Ich finde es gut und wichtig, dass Daten zur Umweltleistung der Schweiz regelmässig erhoben und auch veröffentlicht werden. Den ohne eine direkte Konfrontation werden viele Menschen sich auch in Zukunft keinen Kopf zu Themen der Umwelt machen. Und auch die sie sich Gedanken zum Thema machen, werden nicht gleich aktiv etwas verändern, dies ist noch ein weiterer Schritt. Man muss den Mensch als Verursacher, Betroffener und Bewältigter präsentieren. Er muss sich persönlich betroffen fühlen um seine gewohnten und somit einfachen Lebensweisen zu verändern (Weg des geringsten Wiederstands). Fast niemand macht etwas Anstrengendes oder Mühsames ohne persönlichen Anreiz, diesen muss man bieten und/oder provozieren. Gerade beim Thema Konsumverhalten, kann jede Person einzeln einen Unterschied machen, da zählt die Ausrede „als Einzelperson kann ich nichts ausrichten“ nicht. Es hat mich schockiert zu lesen, dass die Schweiz pro Kopf 742 kg Siedlungsabfall pro Jahr produziert. Mein Ziel ist es meinen persönlichen Abfall zu reduzieren und würde sich diesen Vorsatz nur jede 5. Person nehmen, könnten wir einen deutlichen Unterschied machen.

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