Auch Schildkröten aus Trockengebieten müssen stets sauberes Wasser zur Verfügung haben. Viele Schildkröten werden falsch gehalten oder ins Tierheim abgegeben.
© Claudia Mertens, Zürcher Tierschutz
Auch Schildkröten aus Trockengebieten müssen stets sauberes Wasser zur Verfügung haben. Viele Schildkröten werden falsch gehalten oder ins Tierheim abgegeben. © Claudia Mertens, Zürcher Tierschutz

Schildkröten: Bitte adoptieren, nicht kaufen!

  • Selina Fehr
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Die Not ist gross, die Auffangstationen sind überfüllt: Schweizweit suchen Hunderte von Schildkröten ein Zuhause. Die Tragödie beginnt meist mit dem Kauf von herzigen Mini-Schildkrötli und endet mit der Abgabe im Tierheim oder dem Aussetzen. Der Zürcher Tierschutz ruft dazu auf, keine Schildkröten zu kaufen – sondern höchstens Tiere aus Auffangstationen zu adoptieren.

Geschäftemacherei auf Kosten der Tiere

Schildkröten sind Wildtiere und weltweit geschützt. Seit Wildfänge verboten wurden, boomt der Handel mit künstlich ausgebrüteten Schildkröten, wie der Zürcher Tierschutz in einer Mitteilung berichtet. Jungtiere werden massenhaft via Internet, Reptilienbörsen oder verantwortungslose Tierhandlungen zu Spottpreisen verhökert.

Putzige Hingucker – hohe Anforderungen

Junge Schildkröten sind niedlich und werden daher oft unüberlegt angeschafft. Eine tiergerechte Haltung ist anspruchsvoll. Es braucht ein grosszügiges Freigehege mit reicher Strukturierung sowie artgerechte Fütterung und Überwinterung. Da Schildröten bei guter Haltung über 100 Jahre alt werden, ist eine jahrzehntelange Betreuung sicherzustellen.

Gruppenhaltung mit Tücken

Aus gutem Willen werden oft mehrere Schildkröten gemeinsam gehalten. Doch in der Natur sind Schildkröten allein unterwegs und treffen sich nur zur Paarungszeit oder an reichhaltigen Futterstellen zusammen. Gruppenhaltung kann daher zu Dauerstress führen, meist bedingt durch mehrere Männchen, die Weibchen permanent bedrängen und auch untereinander aggressiv sind. Im Notfall kann ein einzelner Störenfried kastriert werden. Eine Standardlösung ist dies aber nicht, denn der minimal-invasive Eingriff ist anspruchsvoll und kostspielig.

Der Überdruss und seine Folgen

Die anfängliche Euphorie nach einem Schildkrötenkauf verpufft meist schnell. Haltungs- und Fütterungsfehler führen zu Panzerverformungen und schleichenden Krankheiten – viele Tiere sterben still und langsam. Oft werden Schildkröten aus Überdruss in Tierheimen oder Auffangstationen abgegeben oder gar ausgesetzt, was sie vielfach nicht überleben.

Finger weg von Jungtieren – Adoption statt Kauf!

Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz erachtet Schildkröten als ungeeignete Heimtiere und empfiehlt, auf eine Anschaffung zu verzichten. «Keinesfalls sollen Schildkröten aus dem Ausland als Souvenir mitgebracht, übers Internet oder an Reptilienbörsen gekauft werden. Wer hingegen viel Freude an Schildkröten hat und den Tieren über Jahre ein sicheres Zuhause bieten kann, sollte ältere Tiere aus Auffangstationen adoptieren», so Brodmann.

Weitere Informationen:

Vernachlässigte Heimtiere: Den gefährdeten wildlebenden Schildkröten steht ein Überangebot an künstlich ausgebrüteten Tieren gegenüber. Diese aus Profitgier massenhaft für den Heimtiermarkt «produzierten» Schildkröten erwartet ein trauriges Schicksal: Viele werden vernachlässigt, abgeschoben oder ausgesetzt. Allein in der grössten Schweizer Auffangstation von Chavornay werden jährlich ca. 350 Schildkröten abgegeben.
Lebende Saurier: Schildkröten bevölkern die Erde seit rund 220 Millionen Jahren. Sie sind wie ihre nächsten Verwandten, die Krokodile, quasi «lebende Dinosaurier». Schildkröten sind wechselwarm, legen Eier und ernähren sich je nach Art von Pflanzen oder Fleisch. Die weltweit über 300 Arten werden in Land-, Sumpf-, Wasser- und Meeresschildkröten unterteilt. Alle Arten sind geschützt, da sie durch Lebensraumzerstörung oder Wilderei bedroht sind.

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