Wassermelone, viereckige Wassermelone, Gentechnik

Schads nüt, nützts nüt

  • Nora Kieselbach
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Wie der Tagesanzeiger heute berichtet, geht von gentechnisch veränderten Pflanzen keine Gefahr aus – weder für die menschliche Gesundheit noch die Umwelt. Doch die Konsumentinnen und Konsumenten bleiben kritisch, kommt ein Nationales Forschungsprogramm zur Gentechnik zum Schluss.

Fünf Jahre lang befassten sich im Rahmen eines Nationalen Forschungsprogramms (NFP59) Gentechnik-Experten mit dem Nutzen, aber auch den Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen. Heute hat der Schweizerische Nationalfonds (SNF) nun die Resultate präsentiert – zur Medienmitteilung.

Demnach konnten die Forscher keine negativen Auswirkungen der gentechnisch veränderten Pflanzen auf nützliche Insekten, Mikroorganismen oder die Bodenfruchtbarkeit feststellen. Auch die Literaturstudie von über tausend wissenschaftlichen Publikationen ergab keine Hinweise auf derartige Schäden. Wo im Anbau von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen unerwünschte Effekte aufträten, seien diese nicht eine Folge der Gentechnik selbst, sondern vielmehr auf mangelhafte landwirtschaftliche Praktiken wie zum Beispiel Monokulturen zurückzuführen, schreibt der SNF.

Trotzdem ist der Einsatz von Gentechnik in der Schweizer Nahrungsmittelproduktion umstritten. Studien des NFP59 zeigten, dass nur rund ein Viertel der Konsumentinnen und Konsumenten bereit wäre, Lebensmittel zu kaufen, die mithilfe der Gentechnik hergestellt wurden; über 80 Prozent sprachen sich hingegen für die Wahlfreiheit zwischen Produkten mit und ohne Gentechnik aus.

Darum sieht der Schweizerische Bauernverband SBV in einer Stellungnahme auch keinerlei Nutzen darin, das Anbaumoratorium für gentechnisch modifizierte Pflanzen (GVO) zu lockern und damit die „gentechfreie“ Schweiz als Marketingvorteil aufs Spiel zu setzen.

Ebenfalls ein verlängertes GVO-Moratorium bis 2017 fordert deren Initiantin, die Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG). Die Dachorganisation von 26 Verbänden aus den Bereichen Umwelt, Naturschutz, Tierschutz, Medizin, Entwicklungszusammenarbeit, biologischer Landbau und Konsumentenschutz kritisierte das NFP 59 als tendenziös – zur Medienmitteilung.

Der Schweizer Bauer berichtet von heftigen Reaktionen der Pro- und Contra-Gentech-Lager auf die SBV-Forderung nach einer Verlängerung des Moratoriums – zum Artikel.

Greenpeace bemängelt in einem Kommentar, dass das NFP59 es verpasst habe, sich einer der wichtigsten offenen Fragen vertieft anzunehmen: Welches Gesundheitsrisiko gehen Mensch und Tier beim Konsum von Gentech-Produkten ein?

Auch im nahen Ausland schlägt das NFP59 einige Wellen. So kommentiert die Gruppe Gentechnikfreie Regionen in Deutschland, dass das Fazit der Studien „Risiken gering, Potential nicht genutzt“ nicht verwundere, da die der „umfangreichen Literaturstudien“ zugrunde liegenden Angaben vor allem von der Gentechnikindustrie, oder von mit ihr verbundenen Einrichtungen, stammten – zum Onlineartikel.

Weitere Informationen

Schweizerischer Nationalfonds SNF
Schweizerischer Bauernverband SBV
Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie SAG
Greenpeace Schweiz

Bild: Cat [CC-BY-2.0] via Wikimedia Commons

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