Atomreaktor

Rückschritt beim Atomausstieg

  • Dominique Haiden
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Die Umweltkommission des Ständerats (UREK-S) entschied die Motion von Roberto Schmidt zum Atomausstieg abzuschwächen. Statt von einem definitiven Atomausstieg, ist nur von einer Abkehr von der heutigen AKW-Generation die Rede. Die UREK-S versäumt es aber klare Kriterien für eine neue Generation aufzustellen. Der WWF und die Grünen sind enttäuscht über diesen Entscheid und befürchten, dass die Umweltkommission des Ständerates so potenzielle Schlupflöcher für neue AKW öffnet und die Energiewende damit wieder in weite Ferne rücken könnte.

Patrick Hofstetter, Leiter Klima & Energie des WWF Schweiz stellt fest: „Mit dieser Ausstiegsmotion ohne klare Kriterien will die Kommission auf Zeit spielen. Das ist unehrlich und zeigt, dass die Kommissionsmehrheit die Risiken der Atomkraft weiterhin negiert.“ Der WWF fordert vom Ständerat klare Kriterien zu einer allfälligen neuen AKW-Generation, auch um Investitionssicherheit für Erneuerbare und Energieeffizienz zu schaffen. Zu den Kriterien gehören: Ein Radioaktivitätsaustritt ist vollständig ausgeschlossen, es werden keine radioaktiven Abfälle produziert, die eine Halbwertszeit von über 10 Jahren haben und der Brennstoff kann nicht als waffenfähiges Material verwendet werden.

Die Grünen sind überzeugt, dass es für die Energiewende eine Planungssicherheit für Investitionen in dezentrale Lösungen zu Gunsten von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien braucht. Der Entscheid der Ständeratskommission bedeutet jedoch eine Konzession an die Energiekonzerne zu Gunsten von zentralen Lösungen. Denn mit dem neuen Text ist sogar der Bau eines Druckwasserreaktors, wie er derzeit in Finnland gebaut wird, möglich.

Reaktoren der neuen Generation, die grundsätzlich anders konzipiert sind als die verfügbaren Modelle, dürften laut Ständeratskommission in Zukunft gebaut werden. „Generation 4“, „Thorium“, „Small and ModularReactors“, „Kernfusion“ heissen die Modelle, die zur Diskussion stehen. Diese Reaktortypen gibt es allerdings erst auf Papier und im Versuch, die kommerzielle Nutzung ist frühestens in 40 bis 50 Jahren möglich. Die Kosten dieser neuen AKW-Generation sind noch vollkommen offen, denn die Sicherheitsanforderungen steigen zum Glück laufend. Die erneuerbaren Energieträger werden im Gegensatz dazu immer billiger. Ein Restrisiko bleibt zudem immer bestehen, da bei jeder Spaltung Radioaktivität frei wird. Zudem wird es nach wie vor radioaktiven Abfall geben.

WWF Schweiz

Grüne Partei der Schweiz

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