Rückkehr in die Deutschschweiz?

  • Stefanie Pfefferli
  • -

Vor gut 25 Jahren – Mitte der 1980er Jahre – wurde die letzte Brut des Steinkauzes (Athene noctua) in der Nordwestschweiz gefunden. Eigentlich ein trauriges Jubiläum. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass sich Naturschützer/innen seit nunmehr zwölf Jahren für den kleinen Obstgartenbewohner im Dreiländereck einsetzen: Im trinationalen Artenförderungsprogramm Steinkauz des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz und seiner Partnerorganisationen wird der Lebensraum des Steinkauzes diesseits und jenseits der Grenze aufgewertet. Jetzt hat sich ein Steinkauz-Männchen direkt an der französisch-schweizerischen Grenze nahe Basel angesiedelt. Ist damit die Rückkehr der Art in die Deutschschweiz eingeläutet?

Der SVS/BirdLife Schweiz, die Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fördern den Steinkauz seit 2000 grenzüberschreitend. Dank dieser Zusammenarbeit haben die Restpopulationen im Sundgau und im Landkreis Lörrach sich zuerst stabilisiert und dann wieder zugenommen: von 29 Brutpaaren im 2003 auf 93 Paare im 2011. Ziel ist es, dass diese wieder erstarkten Steinkauz-Populationen einen Überschuss an Jungvögeln produzieren, der die natürliche Wiederbesiedelung der im Rahmen des SVS-Projekts aufgewerteten Lebensräume in der Schweiz ermöglicht. Doch so weit ist es noch nicht ganz.

Damit ein Artenförderungsprojekt erfolgreich ist, braucht es Beharrlichkeit sowie ein grosses finanzielles und personelles Engagement, Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinaus und vor allem ein ganzes Set an Fördermassnahmen: Neben mardersicheren Niströhren sind dies beispielsweise die Pflanzung und Pflege von Hochstamm-Obstbäumen, die Neuanlage von blumenreichen Wiesen und Kleinstrukturen, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Entwicklung und Vermarktung von Hochstamm-Produkten. Insgesamt sind über 2’500 Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, 10,5 ha Blumenwiesen angesät sowie eine Vielzahl von Strukturelementen wie Gebüschgruppen oder Asthaufen angelegt worden.

Dies war nur dank dem Engagement des SVS/BirdLife Schweiz, seiner Kantonalverbände und Sektionen und der grosszügigen Unterstützung zahlreicher Stiftungen möglich. Trotzdem ist der Steinkauz bisher noch nicht als Brutvogel in die Nordwestschweiz zurückgekehrt. Das trinationale Artenförderungsprogramm Steinkauz ist Teil eines Gesamtprogramms, welches Projekte in allen verbliebenen Vorkommensgebieten des Steinkauzes in der Schweiz zusammen bringt. Dies sind Populationen in der Ajoie, in den Kantonen Genf und Tessin sowie zwei bis drei Vögel im Berner Seeland, deren Fortbestand aber nicht gesichert ist. Dieses Programm hat entscheidend dazu beigetragen, das Aussterben der Art in der Schweiz zu verhindern. Trotz dieser wichtigen Zwischenerfolge ist die Zahl der Steinkäuze noch sehr klein und es braucht kontinuierliche Massnahmen, um das langfristige Überleben der Art in der Schweiz zu sichern. Wenn der politische Wille vorhanden ist und die Anstrengungen fortgesetzt werden, dann könnte das singende Männchen im Baselbiet der Beginn der dauerhaften Wiederbesiedelung der Deutschschweiz durch den Steinkauz werden…

Weitere Informationen

Bild: Mathias Schaef

Beitrag kommentieren