Rotschlamm

Rotschlammkatastophe: Ein Jahr danach

  • Stefanie Pfefferli
  • -

Ein Jahr nach der Rotschlammkatastrophe in Ungarn hat sich nur wenig getan um Katastrophen dieser Art zukünftig zu verhindern, warnt die Umweltorganisation WWF. „Ungarn hat die EU-Präsidentschaft ungenützt verstreichen lassen, um tickende Zeitbomben in Osteuropa zu entschärfen“, kritisiert Gábor Figeczky, Geschäftsführer des WWF Ungarn. Am 4. Oktober 2010 flossen mehr als eine Million Kubikmeter Rotschlamm aus dem gebrochenen Damm einer Aluminiumfabrik nahe der Ortschaft Kolontár. Die stark alkalischen und giftigen Fluten zerstörten mehrere Dörfer und verseuchten Zuflüsse der Donau. Zehn Menschen starben, 150 Menschen wurden verletzt. Boden, Flüsse und Pflanzen sind auf ein Jahr danach noch mit Schwermetallen kontaminiert. Auf aktuellen Luftbildern des WWF sind die Folgen der Katastrophe noch heute deutlich zu erkennen. Die Umweltschützer flogen Ende September über das damalige Katastrophengebiet und dokumentierten den derzeitigen Zustand.

Der WWF weist besonders darauf hin, dass bis heute kein verpflichtendes Versicherungssystem für ähnliche Giftmülldeponien aus dem Bergbau eingeführt wurde. Auch fehlt bis heute ein ausreichendes Kontrollsystem ähnlicher Dämme und Anlagen in ganz Osteuropa. „Ein Jahr nach der Katastrophe in Ungarn und zehn Jahre nach dem Unfällen in den rumänischen Orten Baia Mare und Baia Borsa wissen wir heute noch immer nicht lückenlos, wie viele giftige Zeitbomben in Osteuropa noch ticken“, warnt Beckmann. Ein Teil der kürzlich Mitte September 2011 von der ungarischen Regierung gegenüber dem ungarischen Aluminiumwerk MAL verhängten Strafe in Höhe von 470 Millionen Euro sollte neben der Beseitigung der Schäden und der Kompensation der Bevölkerung des Rotschlamms auch für die Erfassung dieser weiteren Zeitbomben in Ungarn investiert werden. Die Regierung versprach zwar eine entsprechende Untersuchung durchzuführen, aber es ist völlig unklar, wann die Studie veröffentlicht wird. „Die ungarische Bevölkerung hat ein Recht darauf zu wissen, mit welchen Risiken sie aus dem Bergbau und seinen Altlasten weiterhin zu rechnen haben“, so Figeczky.

Der WWF schlägt einen Aktionsplan vor, der die Risikoplätze nicht nur in Ungarn und den restlichen EU-Mitgliedstaaten in Osteuropa unter die Lupe nimmt sondern auch in den Nachbarländern wie Kroatien, Serbien, Moldawien und der Ukraine. Der Plan soll die Risiken für Menschen und Umwelt von allen Bergbau-Lagerstätten genau untersuchen und verbindliche Empfehlungen aussprechen und mit den Regierungen vereinbaren, wie die Risiken beseitigt werden können. Dabei sollen Giftstoffe, Schwermetalle und alle gefährlichen Substanzen lückenlos erfasst werden. Auch sollen die aktuell gültigen nationalen Gesetzgebungen nach eventuellen Lücken überprüft werden. Ein eindeutiger Rechtsrahmen muss für die Umsetzung der EU Bergbau-Richtlinie geschaffen werden und vor allem muss klar sein, wer bei Unfällen und Katastrophen die Verantwortung übernimmt. Die EU hat dafür ebenfalls bereits vor Jahren eindeutige rechtliche Vorgaben gemacht.

Weitere Informationen

Bild: taz.de

Beitrag kommentieren