Tunnel, Strassentunnel, Verbotsschild

Rotes Licht für zweite Gotthard-Röhre

  • Nora Kieselbach
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Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz ist bereit, das Referendum gegen den Bau einer zweiten Gotthard-Röhre zu ergreifen. Die Geschäftsleitung erhielt dafür am Samstag in Bern von den Sektionen grünes Licht. Ende Juni hatte Verkehrsministerin Doris Leuthard bekanntgegeben, der Bundesrat wolle eine zweite Röhre am Gotthard bauen, um während der Sanierung des alten Strassentunnels als Ersatz zu dienen und später einspurig weiter betrieben zu werden.

Der VCS ist entschieden gegen das bundesrätliche Ansinnen und teilte deshalb schon im Juni mit, ein Referendum gegen den Bau einer zweiten Röhre zu prüfen (naturschutz.ch berichtete). Nun haben die Sektionen der VCS-Geschäftsleitung einstimmig grünes Licht für ein allfälliges Referendum – zusammen mit den anderen Umweltorganisationen – erteilt, sollte das Parlament sich hinter die Pläne des Bundesrats stellen.

Für den VCS macht der Bau einer zweiten Strassenröhre am Gotthard weder ökologisch noch ökonomisch Sinn. Zwar sollen nach dem Willen des Bundesrates nach der Sanierung des alten Tunnels nie mehr als zwei Spuren gleichzeitig für den Verkehr freigegeben werden dürfen; es wäre jedoch naiv zu glauben, die Auto- und Strassenverbände würden sich damit begnügen. Bald würde der Ruf laut, die Gesetzgebung anzupassen und alle vier Spuren zu öffnen, ist der VCS überzeugt.

Die CO2-Emissionen, die Belastung mit Luftschadstoffen und der Lärm würden infolgedessen weiter steigen und die Verlagerungspolitik buchstäblich untergraben. Eine zweite Röhre würde zudem – wie schon heute der alte Tunnel – jährlich für Lüftung, Beleuchtung und Hilfsbetriebe so viel Strom verbrauchen wie mehrere tausend Haushalte. Ganz zu schweigen von den enormen Mengen an grauer Energie, die für den Tunnelbau benötigt würden.

Auch finanziell wäre eine zweite Röhre Unsinn. Alleine der Tunnelbau dürfte laut Schätzungen des Bundesrats auf rund 2,8 Milliarden Franken zu stehen kommen. Die Betriebs- und Unterhaltskosten für beide Röhren würden weitere 2 bis 3 Milliarden verschlingen, die Sanierung der alten Röhre zusätzliche 650 bis 890 Millionen. Profitieren würde vom Bau einer zweiten Strassenröhre einzig das Baugewerbe.

Die Verkehrssicherheit würde durch eine zweite Röhre ebenfalls nur unwesentlich verbessert. Nach dem tragischen Lastwagenbrand im Jahr 2001 sind umfassende Verbesserungen am alten Tunnel vorgenommen wurden, woraufhin die Unfallzahlen auf einen Fünftel der früheren Werte sanken.

Der VCS schlägt während den Sanierungsarbeiten vielmehr eine „Rollende Landstrasse“ – für LKW im Gotthard-Basistunnel, für Autos im Scheiteltunnel – vor. Diese Lösung wäre nicht nur umweltschonender, sondern auch billiger: Laut dem Bundesamt für Strassen ASTRA würde diese Variante „nur“ 1,2 bis 1,9 Milliarden Franken kosten – die Sanierung des alten Tunnels mit inbegriffen. Nach der Sanierung könnte die Rollende Landstrasse zudem weiter betrieben werden, um die Güterverlagerung voran zu bringen.

Weitere Informationen

VCS Verkehrs-Club der Schweiz
Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK
Bundesamt für Strassen ASTRA

Bild:  Ministry of Interior of the Slovak Republic [Public domain] via Wikimedia Commons

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