Rote Liste für 2009

  • Gavino Strebel
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Für mehr als einen Drittel der Arten dieser Erde sieht die Zukunft düster aus, wie die aktuellste Rote Liste der internationalen Naturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature) zeigt.

Dennoch gibt es auch Lichtblicke – nicht zuletzt dank dem Einsatz der Umweltver­bände. Die Gewinner hat der WWF auch in diesem Jahr in einer Liste den Verlierern gegenübergestellt. Zu den Glücklichen gehören diesmal Bienenfresser und Tintenfische, während der Tiger und der hiesige Skabiosen-Scheckenfalter dringend Hilfe brauchen.

Von 47’677 untersuchten Arten sind gemäss aktueller IUCN-Liste 17’291 vom Aussterben bedroht. 1996 lag die Zahl noch bei rund 10’000. Besonders hart trifft es diesmal die Amphibien, bei denen jede dritte Art stark gefährdet ist.

Doch es gibt auch Erfolgsmeldungen: In der Schweiz und weltweit gibt es eine Reihe von Arten, die seit 2009 unter besonderem Schutz stehen oder bei denen bereits etablierte Schutzmassnahmen positive Wirkung zeigen. Doch nicht immer sind die Gewinner für den Menschen willkommen – wie das Beispiel Borkenkäfer zeigt (siehe Liste).

WWF-Gewinner- und Verliererliste 2009

Verlierer 2009

Tiger

Der Tiger hat in den letzten zehn Jahren etwa 40 Prozent seines Lebensraums eingebüsst. Schuld sind Wilderei, Verlust und Zerstückelung seines Lebensraums. Nach Schätzungen des WWF leben noch etwa 4000 Exemplare in der Wildnis. Das ist eine Abnahme von 95 Prozent in den letzten hundert Jahren. Besonders dramatisch sieht es beim südchinesischen Tiger aus: Mit nur noch 20 bis 30 Individuen steht er kurz vor dem Aussterben. Für den Erhalt der Wildkatze hat der WWF Reservate in verschiedenen Regionen eingerichtet, zum Beispiel in Indien und Kambodscha.

Der Skabiosen-Scheckenfalter

Der heimische Falter liebt nährstoffarmes Grünland. Doch seine Heimat – Trockenwiesen, Moore und Feuchtwiesen – sind durch intensivierte Landwirtschaft, Verbuschung oder Trockenlegungen von Feuchtgebieten gefährdet. In rund 40 Prozent des untersuchten Verbreitungsgebietes ist er bereits verschwunden. In sechs Kantonen sieht man ihn nicht mehr. Deshalb kämpfen die Umweltverbände mit einer Petition für einen besseren Schutz der artenreichen Trockenwiesen – und damit des Skabiosen-Scheckenfalters.

Kalifornischer Schweinswal

Kleinwale haben es schwer gegenüber ihren grossen Verwandten: Während Grosswale durch internationale Abkommen halbwegs geschützt werden, geht die Jagd auf die Kleinen ungebremst weiter. Oder sie verenden als Beifang in Fischernetzen – so wie der kalifornische Schweinswal, der kurz vor dem Aussterben steht. Die IUCN geht noch von rund 500 Exemplaren in seiner Heimat, dem Golf von Kalifornien, aus.

Korallen

Steigende Wassertemperaturen und höhere Sonneneinstrahlung durch den Klimawandel machen Korallen krankheitsanfällig. Die Übersäuerung der Meere durch die erhöhte CO2-Konzentration hemmen den Aufbau der Kalk-Skelette. Überfischung, Erntemethoden mit Sprengstoff und Verschmutzung tun ein Übriges. Insgesamt sind rund 60 Prozent der Korallen weltweit bedroht. Das ist besonders dramatisch, weil die Riffe Heimat für zahlreiche Arten sind und damit wichtige Existenzgrundlage für die Anwohner – allein im südostasiatischen Korallendreieck für 100 Millionen Menschen.

Orang Utan

Abholzung, der Anbau von Palmölplantagen, Wilderei und Brände haben die Orang Utan-Population im vergangenen Jahrhundert um 90 Prozent schrumpfen lassen. Laut „Centre for Orangutan Protection“ werden jährlich bis zu 3000 der Menschenaffen getötet. Während die IUCN den Borneo-Orang Utan als „gefährdet“ einstuft, ist sein Artgenosse auf Sumatra bereits vom Aussterben bedroht. Der WWF kämpft deshalb für die Erhaltung von möglichst grossen Schutzgebieten.

Gewinner 2009

Afrikanischer Elefant

In einigen Regionen sind die Bestände des afrikanischen Elefanten wieder am Steigen. Deshalb hat es der Elefant von der IUCN-Kategorie „gefährdet“ auf „gering gefährdet“ geschafft – das ist eine Besserstellung gegenüber 2004. Vor allem im Süden des Kontinents verzeichnen sie seit Anfang des 20. Jahrhundert stetigen Zuwachs. Auch im Osten erholen sich die Bestände nach ihrem Rückgang seit den 80er-Jahren. Weil der Schutz dennoch notwendig bleibt, setzt sich der WWF gegen illegalen Handel mit Elefantenprodukten und Konflikte mit Einwohnern ein.

Borkenkäfer

Mit dem Klimawandel brechen goldene Zeiten für den Borkenkäfer in unseren Nadelwäldern an. Denn bei höheren Temperaturen vermehren sie sich pro Jahr öfter. Durch zunehmende Unwetter finden sie ausserdem mehr Brutplätze in umgestürzten Bäumen. Wenn zudem mehr Individuen in den milden Wintern überleben, kann die Population im folgenden Sommer so stark ansteigen, dass die Käfer sogar gesunde Bäume befallen. Keine guten Aussichten für die Schweizer Wälder.

Der Bienenfresser

Sein buntes Gefieder lässt eher auf einen tropischen Papageien als auf einen europäischen Brutvogel schliessen. Heimisch ist er vor allem im Mittelmeerraum. Doch seit einigen Jahren fühlt er sich auch in warmen Gegenden der Schweiz wohl. Waren es 1991 erst zwei Brutpaare, hat sich dieser Bestand inzwischen verzehnfacht.

Tintenfische

Kraken profitieren von unseren Umweltsünden: Die Überfischung der Meere beseitigt zunehmend ihre natürlichen Feinde und bietet ihnen genügend Futter. Zugute kommt ihnen, dass sie bis zum Tod grösser, aber nicht fett werden. Ausserdem wachsen die Jungtiere durch die höheren Wassertemperaturen im Zuge des Klimawandels schneller. Australische Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass die Kopffüssler die insgesamt 6,8 Milliarden Menschen in punkto Biomasse bereits überholt haben.

Schwarzfussiltis

In den 70er Jahren waren Schwarzfussiltisse nahezu verschwunden – unter anderem weil ihre Beute, die Präriehunde, als Landwirtschaftsschädlinge verfolgt wurden. Nur ein amerikanisches Wiederansiedlungsprogramm mit 18 übrig gebliebenen Tieren rettete sie vor dem Aussterben. Inzwischen gibt es in ihrer Heimat, den USA und Mexiko, wieder rund 500 wildlebende Exemplare.

1 Kommentar

  • Leonhard Schwaninger

    Wie das Beispiel des Skabiosenscheckenfalters zeigt, sind viele Pflanzen- und Tierarten auch in unserem Land bedroht. Häufig sind die naturnahen Lebensräume zu klein und zerstückelt.
    Bund, Kantone, Gemeinden und wir alle müssen mehr Geld einsetzen, um durch Vernetzungen diese „Inseln“ wieder zu verbinden, damit Pflanzen und Tiere wieder bessere Lebensbedingungen antreffen.

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