Rosen sind zwar ein beliebtes Muttertagsgeschenk, während deren Produktion werden aber erherbliche Mengen an Pestiziden eingesetzt. | © Nicki Dugan Pogue [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Rosen sind zwar ein beliebtes Muttertagsgeschenk, während deren Produktion werden aber erherbliche Mengen an Pestiziden eingesetzt. | © Nicki Dugan Pogue [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Rosenstrauss – Ein Bouquet gefährlicher Pestizide

  • Mélanie Guillebeau
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Rosen gehören am Muttertag zu den Verkaufsschlagern. Nach neusten Untersuchungen von ÖKO-TEST sind in einem Strauss Rosen aber bis zu 20 verschiedene Pestizide enthalten – nicht unbedingt, das, was man seiner Mutter als Zeichen der Anerkennung schenken möchte. 

Über Blumen zum Muttertag freuen sich nicht nur die Mütter, sondern auch die Blumenverkäufer, für welche der jährlich wiederkehrende Anlass ein florierendes Geschäft ist: Gemäss der deutschen Agrarmarkt-Informationsgesellschaft ist die Muttertagswoche doppelt so umsatzstark wie eine „reguläre“ Verkaufswoche.

Während dieser Zeit werden auch zahlreiche Rosen verkauft. Diese stammen mehrheitlich aus kenianischen Gewächshäusern, wo sie oft in Monokulturen und daher unter enormem Pestizideinsatz heranwachsen. Diese Produktionsumstände lassen sich auch am fertigen Strauss, der im Supermarkt oder Blumenladen angeboten wird, messen. In seinen neusten Untersuchungen hat ÖKO-TEST aufgedeckt, was alles in den wohlriechenden und bunten Zierpflanzen steckt. Zu diesem Zweck wurden 14 Rosen beziehungsweise Rosensträusse verschiedener Anbieter auf Pestizidrückstände untersucht.

20 Pestizide in einem Strauss

Das Urteil ist vernichtend. Von den 14 untersuchten Sträussen ist nur einer moderat mit Pestiziden belastet. Unrühmlicher Gewinner unter den Pestizid-Sträussen ist jener von Aldi Nord mit zwanzig nachgewiesenen Pestiziden. Brisant ist dabei, dass rund jedes dritte der detektierten Pestizide als „besonders bedenklich“ eingestuft wird und laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hohe Risiken für akute oder chronische Beeinträchtigungen der Gesundheit oder Umwelt birgt. In Europa sind zwar manche dieser Pestizide verboten, in Ostafrika – dem Hauptanbaugebiet für Rosen – herrschen jedoch andere Bestimmungen.

Gefahr für Umwelt und Gesundheit

Fairtrade-Rosen unterliegen mit 207 verbotenen Pestiziden strengen Richtlinien. Doch der Nachweis von 12 Pestiziden bei Fairtrade-Rosen ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass weit über 200 Pestizide bekannt und in Gebrauch sind. Die Inhaber der Rosenplantagen rechtfertigen die Verwendung dieser unglaublich vielen verschiedenen Pestizide mit der ausgeprägten Spezifität der Mittel. Demnach wird heutzutage gezielt, je nach Art des Schädlings, ein anderes Spritzmittel eingesetzt.

„Viele Pump-Operators und Sprayer klagen über Husten und Atembeschwerden. Sie wissen häufig gar nicht, was sie da eigentlich versprühen“, betont Jonathan Happ, Kulturgeograf, Filmemacher und Journalist

Die Verwendung eines solchen Pestizidcocktails kann schlimme – bisher zwar noch nicht wissenschaftlich ergründete – Folgen, vor allem für die Sprayer in den Gewächshäusern, haben. Hinzu kommt, dass für den Pestizideinsatz bei Schnittblumen bisher keine gesetzlichen Grenzwerte festgelegt wurden. Dies scheint jedoch dringend nötig wie Schätzungen von PAN Germany und der WHO demonstrieren, wonach jährlich rund 40’000 Menschen aufgrund von Pestiziden sterben.

Biologische Nützlinge gegen Schädlinge

Die besorgniserregenden Ergebnisse des ÖKO-TESTs sind keine Neuigkeiten: Bereits 2011 wurden in einem ähnlichen Test in 22 Sträussen 56 verschiedene Pestizide, darunter ebenfalls „wahrscheinlich krebserregende“ Substanzen, nachgewiesen. Dass es auch umwelt- und gesundheitsfreundlicher geht, beweisen Rosenfarmen, die auf biologische Mittel zur Schädlingsbekämpfung setzen. Sie bekämpfen Schädlinge mit „Nützlingen“ und setzen entsprechend diesem Grundsatz zum Beispiel Raubmilben zur Vernichtung von Spinnmilben ein. Grenzen werden der biologischen Bekämpfung jedoch bei Pilzkrankheiten gesetzt, wo stattdessen auf Pflanzenstärkungsmittel mit Bakterien zurückgegriffen wird. Die Verwendung biologischer Mittel wird an den zum Verkauf stehenden Rosen jedoch nicht vermerkt, weshalb sich der Konsument leider nicht bewusst dafür entscheiden kann.

Raubmilben ernähren sich von unerwünschten Pflanzenschädlinge und können daher als biologische Mittel gegen die Schädlinge eingesetzt werden. | © International Institute of Tropical Agriculture [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Raubmilben ernähren sich von unerwünschten Pflanzenschädlingen und können daher als biologisches Mittel gegen die Schädlinge eingesetzt werden. | © International Institute of Tropical Agriculture [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Weitere nützliche Tipps zum Blumenkauf finden Sie zudem in unserem Beitrag „Augen auf beim Schnittblumenkauf“.

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