Vielen ist wohl nicht bewusst, welche brisante Rolle die Schweiz im internationalen Geschäft mit Rohstoffen spielt: Unser Land ist nichts weniger als die wohl grösste globale Drehscheibe für den Handel mit Öl, Metallen, Erzen, Gold, Diamanten und teilweise auch Rohstoffen aus der Landwirtschaft. Unter den 12 umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz befinden sich 5 Rohstofffirmen, darunter Glencore und Xstrata. Viele der Rohstoffgiganten der Welt operieren von Genf oder Zug aus. Das wäre nicht weiter problematisch, wenn das Rohstoffgeschäft ein normales Geschäft wie jedes andere wäre. Das Gegenteil ist der Fall, wie die Erklärung von Bern (EvB) in diesem Buch vor Augen führt: Die Branche ist extrem verschwiegen und operiert häufig in einer legalen Grauzone, wenn nötig auch illegal. Drittweltländer werden ohne Rücksicht ausgebeutet, Minen unter der Führung von Schweizer Firmen halten sich weder an soziale noch an Umweltstandards, Steuern werden “optimiert”, sprich hinterzogen. So schaffen es die Konzerne, jährliche Milliardengewinne einzufahren, ohne dass die Länder, in denen sich die Minen befinden, etwas davon hätten: Das Geld fliesst ab in die Schweiz, die Minenarbeiter und die Länder bleiben so arm wie sie immer waren. Die EvB deckt dieses verantwortunglose Handeln im Dienst des schnellen Gewinns anhand von vielen Fallbeispielen auf. Besonders genau nimmt sie Glencore unter die Lupe, einer der allergrössten Konzerne, der einst von Marc Rich gegründet wurde. Daneben werden auch die Geschäftspraktiken von Riesen wie Xstrata, Trafigura, Vitol, Mercuria, Gunvor und vielen anderen durchleuchtet.
Einiges ist schon bekannt, anderes liest man das erste Mal, immer aber staunt man ob der kriminellen Energie, die diese Rohstoffgiganten anzutreiben scheint. Mit undurchsichtigen Firmenkonglomeraten, hinterhältigen Steuertricks und Verflechtungen mit den Banken schaffen es die Händler, die Dritte Welt maximal auszubeuten. Möglich ist das nur, weil die Schweiz diese Geschäftspraktiken nicht nur toleriert, sondern immer wieder fördert. Es ist zu hoffen, dass dieses wichtige und lesenswerte Buch ein erster Schritt ist zu einer etwas gerechteren Welt, in der auch die Reichsten wenigstens die elementarsten Regeln des gemeinsamen Wirtschaftens und der Menschenrechte wieder einhalten.
Erklärung von Bern (Hrsg.): Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz. 2011, Salis Verlag, 440 Seiten, Fr. 34.80
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