Rettung der letzten Trockenwiesen

  • Gavino Strebel
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trockenwieseDer Bundesrat macht endlich ernst mit dem gesetzlichen Schutz der letzten Trockenwiesen. Er hat heute die seit dem Jahr 2004 angekündigte Verordnung und das dazugehörige Inventar der schützenswerten Trockenwiesen und -weiden (TWW) in Kraft gesetzt. Trockenwiesen und -weiden verdanken ihre Entstehung weitgehend der Landwirtschaft: Sie sind das Ergebnis einer jahrhundertelangen extensiven Bewirtschaftung und einer traditionellen, regionenspezifischen Nutzung. Die Palette der Trockenwiesen und -weiden reicht von ungedüngten Bergwiesen über Allmend- und Wald- beziehungsweise Wytweiden bis hin zu Wildheuflächen. Alle diese Trockenstandorte sind wichtige Elemente des historischen und kulturellen Erbes der Schweiz

Im November hatte Pro Natura mit dem Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz eine Petition für den Schutz der besonders artenreichen Trockenwiesen mit mehr als 38’000 Unterschriften übergeben. Ein Engagement, das sich nun auszahlt. Dennoch werden die Organisationen weiterhin den Finger auf das Dossier halten. Denn nun muss der Bund mit den Kantonen klare Vereinbarungen treffen, um die Rettung der Trockenwiesen vom Papier in die Praxis zu überführen. In den vergangenen 60 Jahren sind geschätzte 90% aller Trockenwiesen und -weiden (TWW) verschwunden, weil die Flächen im Tal intensiv bewirtschaftet werden oder in höheren Lagen verbuschen. Der Bundesrat hatte sich lange geziert, den dringend nötigen Schutz des wertvollen und typischen Lebensraumes gesetzlich festzuschreiben. Mit der heute in Kraft gesetzten Verordnung und dem Inventar ist dieser gesetzliche Schutz der Trockenwiesen endlich gegeben. «Wir sind erleichtert, dass der Bundesrat unser Anliegen nun ernst nimmt und diese wertvollen Lebensräume und Landschaften gesetzlich schützt», sagt Mirjam Ballmer, bei Pro Natura zuständig für die Naturschutzpolitik. Offenbar brauchte es den Druck durch die Petition von Pro Natura und des SVS/BirdLife Schweiz, die von mehr als 38’000 Menschen unterschrieben und im November 2009 der Bundeskanzlei übergeben wurde.

Das Beispiel der Moore und Moorlandschaften zeigt indes: Verfassungs- und gesetzmässiger Lebensraum-Schutz heisst noch nicht, dass die Lebensräume langfristig erhalten werden. Daher müssen der Bund und die Kantone bald den nächsten Schritt unternehmen. In den kommenden Verhandlungen zu den Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen muss der Schutz und dessen Finanzierung klar geregelt werden. «Nur wenn klar ist, welche Massnahmen ergriffen werden und wer diese bezahlt, werden die letzten Trockenwiesen und -weiden in Zukunft tatsächlich gerettet werden», ist Ballmer überzeugt. Rund 40 Prozent aller Pflanzenarten und 50 Prozent aller Tierarten der Schweiz leben in Trockenwiesen und -weiden, darunter zahlreiche Rote-Liste-Arten. Das macht diese Blumenwiesen zu Hotspots der Biodiversität. Im weiteren tragen sie zur Bodenstabiliserung bei und haben eine Bedeutung für die Futterproduktion. Damit erbringen Trockenwiesen ein breites Spektrum von Dienstleistungen für die Gesellschaft. Da sich die traditionelle Bewirtschaftung von Trockenwiesen und -weiden heute nicht mehr lohnt, sind immer mehr dieser Lebensräume durch Nutzungsaufgaben oder durch die Intensivierung der Landwirtschaft bedroht.

Pro Natura

BAFU

Inventar der TWW

TWW-Projekt WSL

Faktenblatt TWW Pro Natura / SVS

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