© Jenud [CC-BY-SA-3.0], via flickr
© Jenud [CC-BY-SA-3.0], via flickr

Restwasser: 23 Jahre Verzögerungstaktik – und kein Ende in Sicht

  • Kathrin Ruprecht
  • 2

Ausreichendes Restwasser unterhalb von Wasserkraftwerken ist nötig, um die vielfältigen natürlichen Funktionen der Gewässer zu gewährleisten: Sei es als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als Landschaftselement oder zur Speisung von Grundwasser. Drei Jahre nach Ablauf der gesetzlichen Frist sind erst zwei Drittel der Fassungen von Wasserkraftwerken saniert.

Bis 2012 hatten die Kantone 20 Jahre Zeit, um Wasserfassungen, welche Bäche und Flüsse vollständig trockenlegen, soweit zu sanieren, dass den Gewässern mit ein bisschen Wasser wieder Leben eingehaucht wird, schreibt Pro Natura. Restwasser in den Bächen ist kein Wunsch, es ist eine gesetzliche Pflicht. Doch wie der aktuelle Restwasser-Bericht des Bundesamtes für Umwelt BAFU zeigt, sind auch bis heute – drei Jahre nach Ablauf der Frist – nicht alle Kantone dieser gesetzlichen Anforderung nachgekommen. Erst zwei Drittel der Wasserentnahmestellen sind saniert. Die trübe Lage ist noch beschönigt: Zahlreiche Fassungen, die als saniert ausgewiesen sind, lassen weiterhin keinen Tropfen Restwasser im Gewässer. Es sind Scheinsanierungen auf Papier.

Gesetzwidriges Goldschürfen

Besonders in den Bergkantonen wird an vielen Fassungen für Wasserkraftwerke weiterhin am Gesetz vorbei alles Wasser abgeleitet und werden Gewässer streckenweise trockengelegt. Leidtragende sind seit Jahrzehnten Fische und andere Lebewesen, die auf Wasser in den Bächen angewiesen sind. Besonders störend: Die Kantone profitieren finanziell von ihrer ungesetzlichen Verzögerungstaktik. Mit jedem Liter Wasser, der einem Gewässer entzogen wird und über Turbinen fliesst, verdienen die Kantone Geld. Sei es aus Wasserzinsen oder aus Beteiligungen an den betreffenden Energiefirmen.

2 Kommentare

  • Ferdi Projer

    guten Tag
    mein Vorschlag, machen sie von Naturschutz.ch bei den betroffenen Kantonen eine Strafanzeige an den verantwortlichen Regierungsrat.
    Die Naturschutz-Organisationen sollten sich mit den Fischern organisieren und das Problem in den Medien veröffentlichen,
    „steter Tropfen höhlt den Stein“.

    freundliche Grüsse
    Ferdi Projer

    Antworten
  • Michael Brandenberger

    Wieso lamentieren die NGOs denn nur herum ?
    Ich habe noch nie gehört, dass sie eine Busse gefordert hätten fürs Nichteinhalten der Gesetze.
    Naturschutz läuft halt übers Portemonnaie. Wenn die Kantone rückwirkend auf Ende der Übergangsfrist jährliche und ansteigende Bussen zahlen müssten für nichtsanierte Gewässer würde es plötzlich schnell gehen.

    Antworten

Beitrag kommentieren