Eine neue Studie untersuchte die Frage, ob es umweltverträglicher ist, wenn man ein Gerät repariert oder wenn man sich ein neues kauft. © Janaya Dasiuk, via unsplash.
Eine neue Studie untersuchte die Frage, ob es umweltverträglicher ist, wenn man ein Gerät repariert oder wenn man sich ein neues kauft. © Janaya Dasiuk, via unsplash.

Reparieren oder neu kaufen? Zahlen und Fakten für langlebige Haushaltsgeräte

  • Stefanie Wermelinger
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Den kaputten Staubsauger reparieren oder einen Neuen kaufen? Die Waschmaschine nach zehn Jahren gegen eine Effiziente austauschen? Den defekten Kühlschrank auf den Recyclinghof oder zur Reparatur bringen? Eine neue Studie hat Grundsatzfragen zur Langlebigkeit und Reparatur von elektrischen Haushaltsgeräten untersucht.

Wichtigste Empfehlung: Aus ökologischer Sicht lohnt es mit wenigen Ausnahmen immer, defekte Haushaltsgeräte reparieren zu lassen und sie so lange wie möglich zu nutzen. Das spart Energie und Ressourcen, die für die aufwändige Herstellung neuer Produkte nötig sind. Ob sich eine Reparatur aus finanziellen Gesichtspunkten lohnt, hängt vom konkreten Gerät, der Höhe der Reparaturkosten und seinem Alter ab. Bei einem Neukauf sollten Verbraucherinnen und Verbraucher stets qualitativ hochwertige Produkte bevorzugen – sie haben in der Regel eine lange Lebensdauer und sind damit aus Umweltsicht und in vielen Fällen auch finanziell vorteilhafter.

In hochwertige und langlebige Geräte investieren und defekte Geräte reparieren

«Die Energieeffizienz von zahlreichen Geräten hat sich, vor allem aufgrund der europäischen Richtlinien zum Energielabel und zum Ökodesign, in den letzten Jahren deutlich verbessert», sagt Siddharth Prakash, Experte für nachhaltigen Konsum am Öko-Institut. «Da zukünftig keine großen Energieeffizienzsteigerungen zu erwarten sind, können KonsumentInnen nur dann zum Klima- und Ressourcenschutz beitragen, wenn Sie in hochwertige und langlebige Geräte investieren und defekte Geräte reparieren lassen.»

Auf der linken Seite der Graphik ist zu sehen, welche Geräte man der Umwelt zuliebe so lang wie möglich nutzten sollte. Auf der rechten Seite stehen die Geräte, bei welchen sich ein Austausch mit einem Neugerät einer hohen Energieeffizienzklasse lohnen kann. © Oeko-Institut, via flickr.
Auf der linken Seite der Grafik ist zu sehen, welche Geräte man der Umwelt zuliebe so lang wie möglich nutzten sollte. Auf der rechten Seite stehen die Geräte, bei welchen sich ein Austausch mit einem Neugerät einer hohen Energieeffizienzklasse lohnen kann. © Oeko-Institut, via flickr.

Studie zeigt konkrete Rechenbeispiele für fünf Produktkategorien

Um Sie bei der Entscheidung „reparieren oder doch lieber ein neues Gerät zulegen“ zu unterstützen, haben die ExpertInnen des Öko-Institut konkrete Empfehlungen für Waschmaschinen, Kühl- und Gefriergeräte, Spülmaschinen, Wäschetrockner und Staubsauger zusammengestellt. So sollten beispielsweise effiziente Waschmaschinen, und Wärmepumpenwäschetrockner möglichst lang genutzt werden, gegebenenfalls mithilfe von Reparaturen. In den folgenden Abschnitten gibt es eine kurze Übersicht über die Resultate der Studie.

Bei Waschmaschinen lohnt sich aus ökologischen Gesichtspunkten eine Reparatur

Bei einer defekten Waschmaschine ist eine Reparatur ökologisch sinnvoll. Denn bei der Herstellung von modernen Waschmaschinen wird die Umwelt stark belastet. Dies vor allem wegen der eingebauten Elektronik. Kauft man sich eine neue Waschmaschine, dann lohnt es sich also, ein langlebiges und aufwändiger hergestelltes Produkt zu wählen. Dementsprechend zahlt sich – ökologisch betrachtet – auch der vorzeitige Ersatz einer funktionierenden Waschmaschine nicht aus.

Bei Kühlschränken kann ein vorzeitiger Ersatz energieeffizienter sein

«Bei anderen Geräten wie Kühlschränken hängt die Frage „Reparieren oder Austauschen“ von den Energieeffizienzklassen des alten und des neuen Modells bzw. von ihrem Alter ab» erklärt Ina Rüdenauer. «Aus Umweltsicht lohnt sich bei Geräten, die bis zum Jahr 2000 gekauft wurden oder Energieeffizienzklasse B oder schlechter aufweisen, sogar ein vorzeitiger Ersatz, wenn sie durch ein neues Gerät der Energieeffizienzklasse A++ oder besser ersetzt werden. Bei Kühlschränken der Effizienzklasse A++ und A+++ lohnt sich der Ersatz derzeit ökologisch nicht. Bei einem Defekt sollten sie repariert werden, um die Nutzungsdauer zu verlängern».

Auch bei einer Spülmaschine aus den Jahren vor der Jahrtausendwende lohnt sich ein neues Gerät

Bei der Spülmaschine ist es ähnlich, wie bei den Kühl- und Gefrierschränken. Ob sich eine Reparatur oder ein vorzeitiger Ersatz lohnt, hängt zum einen vom Alter und zum anderen von der Energieeffizienzklasse des alten und des neuen Gerätes ab. Die Studie zeigt: Wenn das Gerät vor dem Jahr 2000 gekauft wurde oder die Energieeffizienzklasse A oder schlechter hat, dann lohnt es sich aus ökologischer Sichtweise, wenn ein Produkt der Klasse A+++ besorgt wird. Bei Geräten ab der Klasse A+ bringt ein neues energieffizienteres Gerät wenig für die Umwelt. Deshalb kann sich hier eine Reparatur durchaus lohnen.

Die Nutzungsdauer bei neuen und effizienten Wäschetrocknern möglichst verlängern

Beim Wäschetrockner lohnt sich ein vorzeitiger Ersatz nur, wenn das Gerät vor dem Jahr 2000 gekauft wurde und das Gerät keine Wärmepumpe hat. Bei neuen und auch energieffizienten Geräten lohnt es sich aus Umweltgesichtspunkten, wenn das Gerät bei allfälligem Defekt repariert wird.

Beim Staubsauger ist eine Reparatur oft ökologischer

Ein defekter Staubsauger ist ökologisch dann sinnvoll zu ersetzten (durch ein Gerät der höchsten Energieklasse), wenn das Modell eine Energieeffizienzklasse C oder schlechter hat. In den anderen Fällen ist die Reparatur die bessere Entscheidung. Bereits 2013 zeigten Untersuchungen des Öko-Instituts, dass etwa ein Drittel der totalen Umweltbelastung eines Staubsauger bei der Herstellung verursacht wird.

Es braucht bessere Rahmenbedingungen für Reperaturen, Mindestanforderungen an Qualität etc.

Laut Öko-Institut muss die europäische Politik und Gesetzgebung deutlich mehr Anstrengungen unternehmen, um die Rechte und Interessen der VerbraucherInnen zu stärken, damit sie aktiv zur Förderung von langlebigen und reparaturfreundlichen Produkten beitragen können. Dazu gehört unter anderem, bessere Rahmenbedingungen für Reparaturen zu schaffen, Mindestanforderungen an die Haltbarkeit und Qualität von Produkten zu formulieren und die rechtlichen Instrumente, wie Gewährleistung und Garantien zu verbessern, um Obsoleszenz entgegen zu wirken.

Die Studie mit weiteren Informationen und ökologischen und ökonomischen Tipps zu den untersuchten Geräten sind hier zu finden.

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