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Reise in den Süden: Die heikle Mission der Störche

  • Judith Schärer
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Der Sommer neigt sich dem Ende zu und alle Jahre wieder können wir dasselbe Spektakel bewundern: Die Störche sammeln sich in grossen Scharen für ihre Reise in den Süden. Doch der Flug bedeutet auch ein grosses Risiko.

Im August beginnen die ersten Vögel, welche in der Schweiz gebrütet haben, sich auf die herannahenden kälteren Jahreszeiten vorzubereiten. Gewisse Arten stellen ihren Speiseplan um und treffen Vorkehrungen, um den Winter unbeschadet bei uns zu überstehen.  Andere fressen sich enorme Energiereserven an und begeben sich auf den Weg nach Süden. Dazu gehören auch die Störche, welche man momentan bei ihren Zusammenkünften beobachten kann.

Der Storch ist auf den langen Weg in den Süden spezialisiert. Er ist ein so genannter Gleitvogel und nützt die Winde so geschickt aus, dass er mehrere Kilometer ohne einen einzigen Flügelschlag zurücklegen kann. Sein inneres GPS ermöglicht ihm eine exakte Routenplanung. Trotz diesen optimalen Voraussetzungen lauern heutzutage auf dem Weg ins Winterquartier immer mehr Gefahren und Hindernisse, welchen vor allem die Jungstörche in Massen zum Opfer fallen.

Stromleitungen als Hauptgefahr

Eine Hauptursache für den Tod vieler ziehender Störche stellen Stromleitungen dar. Wie der Naturschutzbund Deutschland berichtet, können pro Leitungskilometer mehrere hundert Vögel im Jahr durch Kollisionen mit den Leitungen ums Leben kommen. Oftmals sind die Störche nicht imstande, die Entfernung zu den Leitungen nicht richtig einzuschätzen oder nehmen sie zu spät wahr. Auch ihr Körperbau stellt ein Problem dar, weil sie durch ihre stattliche Grösse nicht schnell und wendig genug sind, um auszuweichen. In den vergangenen Jahren verendeten Tausende Grossvögel nach Kollisionen mit Stromleitungen, darunter unzählige Störche.

Neben den gefährlichen Stromstössen gibt es viele weitere Faktoren, welche die grossen Vögel in Bedrängnis bringen können. Durch Pestizide und Dünger, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, erleiden viele Störche unterwegs Vergiftungen und erliegen diesen. Die immer intensivere Nutzung der Landflächen führt zu einem Verlust der Rastplätze, auf welche die Tiere während ihrer anstrengenden Reise unbedingt angewiesene sind. Auch Kollisionen mit diversen Gegenständen, oftmals menschliche Bauwerke, können zum Tode führen. Die Jagd auf Störche, welche vor allem in Spanien, Italien und Afrika gehäuft vorkommt, fordert ebenfalls immer wieder viele Opfer.

Gefährlicher Fast Food

Seit einigen Jahren wird immer mehr das Phänomen beobachtet, dass die Störche ihre ursprünglichen Reiseziele in Afrika aufgeben und lediglich bis nach Spanien ziehen. Dort finden sie einen reich gedeckten Tisch auf den riesigen Mülldeponien des Landes, wo sie sich gütlich tun können. Diese neue Strategie der Tiere birgt jedoch grosse Risiken. Die Vögel nehmen auf den Deponien einen Grossteil Plastik und andere anorganische Stoffe zu sich, welche nicht für ihren Magen gedacht sind. Zudem ist die Gefahr, dass sie sich mit Krankheitserregern wie zum Beispiel Salmonellen anstecken, enorm gross. Auf das Jahr 2016 sollen die Deponien grundlegend saniert werden, was möglicherweise einen erheblichen Einfluss auf die Störche haben wird. Die Sanierung bedeutet den Verlust einer wichtigen Nahrungsquelle und wird allenfalls Konsequenzen haben, welche auch Experten noch nicht abschätzen können.

Unterstützung für den Storch

In der Schweiz gibt es viele aktive Helfer, welche den Storch unterstützen und die Gefahrenquellen für den Grossvogel vermindern wollen. Im Projekt „SOS Storch“ der Gesellschaft Storch Schweiz wird im Detail die Problematik der Überwinterung auf Mülldeponien und die Auswirkungen davon untersucht. Allgemein setzt sich die Organisation für ein grösseres Verständnis und eine Verbesserung des Lebensraumes der Störche ein. Zudem ist ein Ziel, die lauernden Gefahren – auch auf den Zugrouten – immer mehr einzudämmen. Mit diesen haben hauptsächlich die jungen Störche zu kämpfen, am höchsten sind die Verluste bei Störchen im ersten Lebensjahr. Wünschen wir den Neulingen also alles Gute auf ihrem ersten Flug in den Süden!

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