Agroscope hat untersucht, wie Feuchtäcker umweltfreundlich genutzt werden können. Eine Idee ist der Reisanbau. Hier das Reisfeld in Schwadernau. © Kathrin Hartmann.
Agroscope hat untersucht, wie Feuchtäcker umweltfreundlich genutzt werden können. Eine Idee ist der Reisanbau. Hier das Reisfeld in Schwadernau. © Kathrin Hartmann.

Reisanbau in der Nordschweiz – Fiktion oder Zukunft?

  • Stefanie Wermelinger
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Viele zeitweise überflutete Flächen wurden mittels Bodenaufschüttungen sowie Entwässerungs-Anlagen «aufgewertet». Viele dieser Anlagen sind heute sanierungsbedürftig und neue Lösungen sind gesucht. Eine umweltfreundliche Möglichkeit das Wasser in den Feuchtäckern zu nutzen, könnte der Reisanbau sein.

Vor einer Erneuerung von Be- und Entwässerungs-Systemen und Bodenverbesserungs-Massnahmen sollten Alternativen in Betracht gezogen werden. Die Wertschätzung für zeitweise überflutete Böden dürfte sich markant erhöhen, wenn in den nächsten Jahren die Reisproduktion auf solchen Flächen Fuss fasst, informiert das Agroscope. Zudem würde der Anbau von Reis auf temporär gefluteten Flächen zu neuen Feuchtgebieten führen. Die in solchen Gebieten vorkommenden Tier- und Pflanzenarten sind heute wegen fehlender Lebensräume besonders stark gefährdet. Der Reisanbau könnte einerseits diese Arten fördern und andererseits neue, wettbewerbsfähige Schweizer Produkte auf den Markt bringen.

Der Reis als hochwertiges Hauptnahrungsmittel

Denn Reis ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Erde und dient für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung als Hauptnahrungsmittel. Der grösste Teil wird in Asien konsumiert und angebaut, ein Grossteil im klassischen Wasseranbau, wie das Tagblatt informiert. Viel Kohlenhydrate und in der Hülse enthaltene Proteine und Vitamine machen den Reis zu einem hochwertigen Lebensmittel.

Reis in der Grenchner Witi entwickelte sich gut

Agroscope-Fachleute führten Pilotversuche auf Feuchtackerflächen durch: In der Grenchner Witi wurde 2017 Reis auf einer temporär gefluteten Fläche in verschiedenen Verfahren angebaut. Nach der Bodenbearbeitung wurde die Parzelle mit Drainagewasser überflutet, damit der Reis (Sorte Loto) Anfang Mai als Setzlinge gepflanzt werden konnte. Die Setzlinge entwickelten sich erfreulich, die reifen Körner konnten Ende August geerntet werden.

Reifer Reis Grenchner Witi. © Katja Jacot.
Reifer Reis Grenchner Witi. © Katja Jacot.

Guter Reisertrag ohne Einsatz von Pflanzenschutzmittel

Langjährige Erfahrungen aus dem Tessin mit Trockenreisanbau zeigen: Die Nachfrage nach inländischem Risottoreis ist sehr hoch. Das aktuelle Ertragspotenzial im Tessin beträgt vier bis sieben Tonnen pro Hektare. Diese Werte erreichte man im diesjährigen Agroscope-Pilotversuch mit Reis auf temporär gefluteter Fläche, bei welchem zudem keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden. Bei einem Direktverkaufswert von fünf bis sechs Franken pro Kilogramm für die verwendete Reissorte besteht somit ein beachtliches Wertschöpfungspotenzial.

Reisanbau kann auch in der Nordschweiz wirtschaftlich sein

Das Fazit der Agroscope-Studie: Der Anbau von Reis als Nischenprodukt auf temporär gefluteten Flächen kann wirtschaftlich sein. Gleichzeitig kann die Natur profitieren, da sich stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten ansiedeln können, die auf solche Lebensräume angewiesen sind. Im Reisfeld wurden u.a. Laubfrosch, Kreuzkröte und verschiedene Libellenarten beobachtet.

Laubfrosch. © Kathrin Hartmann.
Laubfrosch. © Kathrin Hartmann.
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