Tomaten aus dem beheizten Gewächshaus erzeugen besonders viele CO2-Emissionen.  | © beau.unruh [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Tomaten aus dem beheizten Gewächshaus erzeugen besonders viele CO2-Emissionen. | © beau.unruh [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Regional ist nicht gleich klimafreundlich

  • Mélanie Guillebeau
  • 5

Beim Kauf von Gemüse und Früchten mangelt es für den Konsumenten an der klaren Deklaration hinsichtlich Transportmittel und Produktionsart. Dabei haben diese Faktoren einen grossen Einfluss auf die Klimabilanz von erworbenen Gemüsen und Früchten.

In Zeiten der Globalisierung und moderner Technik kommen wir in Supermärkten, ob Winter oder Sommer, stets in den Genuss einer riesigen Palette an Gemüsen und Früchten: eingeflogener Spargel aus Peru, per Schiff transportierte Avocados aus Mexiko oder Tomaten aus Schweizer Gewächshäusern. Der Transport verursacht die Emissionen von Treibhausgasen und verschlechtert damit die Klimabilanz des Lebensmittels. Hat man also die Wahl zwischen Schweizer Gewächshaus-Tomaten und von weither transportieren spanischen Tomaten, sollte der ökologisch bewusste Konsument stets auf Ersteres zurückgreifen. Richtig; oder etwa doch nicht?!

Eine neue Studie der ETH Zürich, in Auftrag gegeben vom WWF, ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Im Rahmen der Studie wurde die Klimabilanz von 25 Gemüse- und Früchtesorten aus den wichtigsten Importländern der Schweiz berechnet. Zu den Faktoren, die entscheidend zur Klimabilanz beitragen und für die Studie untersucht wurden gehören unter anderem: Gewächshausbeheizung, Lagerung, Düngung, Bewässerung, produktionsbezogene Infrastruktur, Luftbelastung, Transport inklusive Kühlung.

Produktionsart und Transportmittel machen’s aus

Erstaunlicherweise spielen die Jahreszeit und Regionalität von Gemüse und Früchten eine zweitrangige Rolle. Entscheidenden Einfluss auf die Klimabilanz haben Produktionsart und Transportmittel. Mit besonders viel CO2-Emissionen schlagen dabei der Transport per Flugzeug sowie mit Gas oder Erdöl beheizte Gewächshäuser zu Buche. Dies hat zur Folge, dass Gemüse und Früchte, welches zwar importiert, aber aus einer mit erneuerbarer Energie beheizten Anlagen und unter minimalem Einsatz von Wasser, Dünger und Pestiziden stammt, klimatechnisch besser abschneidet. Wie das Beispiel der Tomate zeigt: Im Winter verursacht ein Kilo sonnengereifter Tomaten aus Spanien rund 0,5 Kilo CO2, jene aus dem fossil beheizten Schweizer Gewächshaus im Mai 10 Mal mehr.

Ähnliches kommt zum Vorschein beim Vergleich der Klimabilanzen von Schweizer und paraguayischem Zucker. Gemäss Climatop erzeugen Anbau und Verarbeitung von Schweizer Zuckerrüben mehr CO2 als die Produktion und der Transport von Bio-Zucker aus Paraguay. Grund dafür ist nebst anderem der Einsatz von energieintensiven Maschinen in der Schweiz, welche in Paraguay grösstenteils durch Handarbeit ersetzt werden.

Im besten Fall sollten Gemüse und Früchte während der Saison gekauft werden sollten, wenn deren regionale Produktion im Freiland oder ohne Beheizung gewährleistet werden kann. Für Tomaten entspricht dies einer Erntezeit zwischen Juli und September. Eine Übersicht über Gemüse, welches aktuell Saison hat, finden Sie im Saisonkalender von gemuese.ch. Eine „grüne“ Alternative bei nicht-saisonalem Gemüse und Früchten sind Produkte aus Gewächshäusern, die mit Abwärme aus der Industrie beheizt werden.

Wasserfresser Bananen und Zitrusfrüchte

Nebst denn verursachten Treibhausgas-Emissionen wurde zudem der Verbrauch von Wasser und Land im Anbaugebiet untersucht. Dabei fallen Schweizer Produkte kaum ins Gewicht. Hingegen wird für den Anbau von Bananen und Zitrusfrüchten eine grosse Menge an Land und Wasser benötigt. Im Ursprungsland wirkt sich dies in der Regel negativ auf die regionale Biodiversität aus.

Deklaration fehlt

So besteht folglich erhebliches Einsparpotenzial bei der Wahl des Transportmittels: Per Schiff transportierte Gemüse und Früchte sollten stets bevorzugt werden. Aber wie können wir diese im Supermarkt ausmachen? Darin liegt laut WWF das Problem: Nur selten deklarieren Detailhändler bei Gemüse oder Obst das verwendete Transportmittel oder die Art der Beheizung im Falle von Gewächshaus-Produkten. „Noch einfacher“, so Damian Oettli vom WWF Schweiz, „wäre allerdings, wenn die Grossverteiler diese Früchte und Gemüse gleich ganz aus dem Sortiment nehmen und durch umweltverträgliche Alternativen ersetzen würden“.

5 Kommentare

  • Marlies Wächter

    Das versteh ich jetzt nicht. Zuerst heisst es: „Erstaunlicherweise spielen die Jahreszeit und Regionalität von Gemüse und Früchten eine zweitrangige Rolle.“
    Dann werden zu nicht Saison-Zeiten (im Mai) Tomaten verglichen. Nicht erstaunlicherweise ist die Erkenntnis daraus: „Im besten Fall sollten Gemüse und Früchte während der Saison gekauft werden sollten, wenn deren regionale Produktion im Freiland oder ohne Beheizung gewährleistet werden kann. Für Tomaten entspricht dies einer Erntezeit zwischen Juli und September.“
    Widersprüchlich. Zweiteres ist keine neue Erkenntnis. Was soll ich denn aus einem solchen Artikel lernen?

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  • Marc

    Die Abgrenzung bei solchen Studien finde ich relevant. Die Aussage, dass Zucker aus Paraguay weniger CO2 produziert finde ich interessant. Für mich spielen jedoch ethische Fragen eine genauso relevante Rolle. Wie warden die „Handarbeiter“ bei der Zuckerernte in Paraguay behandelt? Handelt es sich sogar um Kinderarbeit? Bio ist nicht gleich Fair. Unter gewissen Umständen fände ich es gerechtfertigt z.T. eine höhere CO2-Bilanz in Kauf zu nehmen, dafür aber unethische Machenschaften nicht zu untestützen.

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    • Mélanie Guillebeau

      Da hast du natürlich Recht. Soziale Aspekte sind in dieser durchgeführten Studie nicht direkt vertreten. Aber so müssen z.B. für die Vergabe der BIO-Knospe auch soziale Rahmenbedingungen erfüllt werden.

  • Uwe Scheibler

    Solche pseudo-wissenschaftlichen Untersuchungen verwirren nur die Konsumentinnen und die Laien. Hier wird Unterschiedliches miteinander verglichen und das macht nur Sinn unter der Prämisse, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt unbedingt ein Produkt haben muss. In einem Kontext von Nachhaltigkeit kann das aber genau nicht der Rahmen für eine Untersuchung sein.
    Vielleicht sollten der WWF und die fleissigen ETH-Angestellten sich vor einer nächsten Untersuchung den Beitrag von Cornelia Stettler zu Gemüte führen oder einfach mal selber über Nachhaltigkeit nachdenken!

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  • Cornelia Stettler

    Warum konzentrieren wir uns nicht zuerst einmal auf die Frage was bei uns Saison hat und lokal mit vernünftigem Aufwand produziert werden kann? Dann fällt schon einmal ein Grossteil all dieser Diskussionen weg.

    Beim Rest, auf welchen wir nicht verzichten mögen kann man sich dann immer noch den Kopf zerbrechen, was ideal ist. Am besten den gesunden Menschenverstand dazu einsetzen.

    Für mich ist der erwähnte Zucker aus Paraguay auch nur begrenzt eine Alternative. Wenn dort die Nachfrage steigt, wird bestimmt nicht mehr lange von Hand angebaut. Dann sieht auch die Bilanz nicht mehr so interessant aus.

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