Container- Schiff

Reformstau auf dem Seeweg

  • Stefanie Pfefferli
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Der WWF fordert die schnellere Umsetzung und wirksamere Kontrolle von Umweltauflagen in der Schifffahrt. „Die Internationale Meeresbürokratie ist langsam und ineffizient. Die einzelnen Staaten haben ein leichtes Spiel, um die Beschlüsse der Internationalen Schifffahrtsorganisation auszuhebeln“, kritisiert Uwe Johannsen, Meeresschutzexperte des WWF. „Mit dieser Blockadehaltung lassen sich die Umweltprobleme der Schifffahrt nicht lösen“. Insbesondere die EU Staaten seien aufgefordert, Umweltbeschlüsse der IMO zügiger umzusetzen.

Nach sieben Jahren noch immer nicht in Kraft

Die Einfuhr und Ansiedlung fremder Arten stellt eine grosse Gefahr für marine Ökosysteme dar. Ein wesentlicher Einfuhrpfad ist das Ballastwasser der weltweit verwendeten Frachtschiffe. Blinde Passagiere wie Larven von Muscheln, Krebsen, Quallen und Würmern und giftige Algen werden so von einem Meeresgebiet zum anderen verschleppt. Bereits 2004 wurden nach zähen Verhandlungen in der IMO internationale Vorschriften zum Austausch und zur Behandlung von Ballastwasser erlassen, um das Einschleppen fremder Arten zu verhindern. Bis heute ist dieses Abkommen nicht in Kraft getreten, weil es noch nicht von der erforderlichen Mindestzahl von 30 Staaten ratifiziert worden ist. Gleichzeitig müssen diese Staaten auch 35 Prozent der Welttonnage repräsentieren. Dadurch können Billigflaggenstaaten, die einen Grossteil der weltweiten Schiffstonnage stellen, unliebsame Umweltauflagen aushebeln. Aber nicht nur Billigflaggenstaaten verschleppen den Umweltschutz. „Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland und andere EU-Staaten es neben Billigflaggen wie Bahamas, Panama und Russland es in sieben Jahren nicht schaffen, das Ballastwasserabkommen zu ratifizieren“, so WWF Experte Johannsen.

Schiffsabgase: An Land schon längst verboten

Die Abgase der Fracht- und Passagierschiffe auf den Weltmeeren enthalten fünfundvierzigtausend Mal mehr Schwefel, Russ und Stickoxide als an Land für LKW erlaubt ist. Noch immer wird auf See billiges und hochgiftiges Schweröl als Treibstoff verbrannt und die Abgase ungereinigt ausgestossen. “Das ist Sondermüllverbrennung auf See“, so Johannsen. “Dabei würde der Verzicht auf Schweröl als Schiffstreibstoff die Meere auch von der chronischen Ölverschmutzung entlasten“. Es sei noch gängige Praxis, dass hochgiftige Reststoffe in Grenzen legal – aber meist illegal – auf See entsorgt würden. Die IMO hat nun immerhin einen Fahrplan zur Reduzierung des Schwefelgehalts für Schiffstreibstoff vorgelegt. In Sondergebieten wie der Ostsee, Nordsee und Irischen See kann dies laut WWF in den nächsten Jahren eine Erleichterung bringen. Gegen die bereits von der EU erlassenen Abgasvorschriften formiert sich jedoch im Brüssel Widerstand aus einem Teil der Seeverkehrswirtschaft. “Die Abgasvorschriften sind längst überfällig“, kommentiert WWF Experte Johannsen. „Die Chance der europäischen maritimen Wirtschaft liegt darin, jetzt umweltfreundlichere Technologien zu entwickeln“.

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Foto: Stefanie Pfefferli

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