© Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» / Béatrice Devènes
© Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» / Béatrice Devènes

Referendum gegen die zweite Gotthardröhre: Breiter Widerstand

  • Roman Vonwil
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125’573 Personen haben innerhalb von drei Monaten das Referendum gegen die zweite Strassenröhre am Gotthard unterschrieben. Die rund 50 Organisationen, welche im Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» zusammengeschlossen sind, liessen davon etwas mehr als 75’731 beglaubigen. Heute reichte der Verein die Unterschriften gemeinsam mit vielen Direktbetroffenen aus dem Tessin und aus Uri bei der Bundeskanzlei in Bern ein. Sie alle wollen ihren Lebensraum gegen die Lastwagenflut verteidigen.

Mehr als 10 Prozent der beglaubigten Unterschriften stammen aus dem Tessin. Ein deutliches Signal: Das Tessin will keine zweite Röhre. «Die Tessiner Regierung und die bürgerliche Tessiner Vertretung im Bundeshaus geben die Stimmung im Volk in keiner Weise wieder», sagt Jon Pult, Co-Präsident des Vereins «Nein zur 2. Gotthardröhre» und Präsident der Alpen-Initiative. Insbesondere im Südtessin leiden die Menschen seit Jahren unter miserabler Luftqualität und chaotischen Zuständen auf den Strassen. Laut Jon Pult zeigt das ausgezeichnete Sammelergebnis ausserdem, dass der Gedanke des Alpenschutzes in der Schweiz bestens verankert ist.

Die hohe Zahl an Unterschriften, die im Tessin gesammelt wurden, belege laut dem bürgerlichen Tessiner Komitee zur Unterstützung des Rferendums gegen die zweite Gotthardröhre, dass das Tessiner Volk – im Gegensatz zur offiziellen Politik – dieses „vergiftete Geschenk“ nicht will, das die Politiker und der Bundesrat ihnen alle zehn Jahre unterjubeln wollen und bislang immer kläglich scheiterten.

Das Komitee wirft Bundesrat und Parlament vor, die vielen negativen Auswirkungen zu ignorieren, die eine 2. Röhre auf das Tessin im Allgemeinen und das Sottoceneri im Besonderen haben würde. Sie würde die Verlagerung der Gütertransporte von der Strasse auf die Schiene sabotieren, die Verfassung verletzen, die bereits sehr schlechte Luftsituation im Sottoceneri weiter verschlimmern und darüber hinaus zum Verkehrskollaps im Raum Lugano führen.

«Die Verdoppelung der Röhren am Gotthard wird über kurz oder lang zu einer Verdoppelung der Fahrspuren und einer Verdoppelung der Lastwagen führen.» Davon ist Caroline Beglinger, Co-Präsidentin des Vereins «Nein zur 2. Gotthardröhre» und Co-Geschäftsleiterin des VCS Verkehrs-Club der Schweiz, überzeugt. Die Verdoppelung würde auch zu mehr Lärm, Abgasen, Staus und Unfällen auf der gesamten Nord-Süd-Achse führen. «Das politische Versprechen, die Beschränkung der Kapazitäten in ein Gesetz zu schreiben, ist eine nette Idee, aber keine Versicherung gegen die Lastwagenflut», sagt Caroline Beglinger weiter.

Angesichts der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im nächsten Jahr muten die Pläne für eine zweite Röhre geradezu absurd an. Dank des längsten Tunnels der Welt werden auf der Schiene genug Kapazitäten zur Verfügung stehen, um den Güterverkehr konsequent von der Strasse auf die Schiene zu verlagern und die Sanierung des bestehenden Strassentunnels ohne zweite Röhre effizient und kostengünstig zu bewältigen.

1 Kommentar

  • Voser Peter

    Grazie Ticinesi, danke Urnerinnen und Urner, wir lassen Euch nicht im Stich

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