Süsskartoffel-Knollen | © agroscope
Süsskartoffel-Knollen | © agroscope

Reaktion auf Klimaänderung: Neue Sorten im Test

  • Judith Schärer
  • -

Die Klimaforschung prognostiziert eine Zunahme extremer Witterungsbedingungen in der Zukunft. Es ist deshalb sinnvoll, die Widerstandsfähigkeit von Kulturen gegenüber solchen Extremereignissen zu berücksichtigen. Die Süsskartoffel könnte wegen ihrer grossen Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit in der Zukunft für den Gemüseanbau interessant sein.

Die Schweizer Anbausaison 2015 war gekennzeichnet von klimatischen Extremsituationen: Auf einen kalten, sehr feuchten Frühling folgte ein sehr heisser und trockener Sommer. Im Juli erlebten wir eine Hitzeperiode, wie sie seit Beginn der Messungen vor mehr als 150 Jahren einmalig ist. Die Kulturen litten unter den aussergewöhnlich heissen und trockenen Bedingungen. In diesem besonderen Kontext führte Agroscope zum ersten Mal Versuche durch, um die Möglichkeiten des Anbaus von Süsskartoffeln in unseren Breitengraden abzuklären. Hauptziel dieser Studie war es, verschiedene Methoden für einen raschen Start dieser tropischen Kulturpflanze gegen Ende Frühling zu testen, wenn die Nachttemperaturen noch frisch sind.

Die Süsskartoffel (Ipomoea batatas L.) ist eine tropische Pflanze, die ursprünglich aus Zentralamerika stammt und heute in mehr als hundert Ländern angebaut wird, hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gebieten. Die Pflanze mit ihren länglichen Speicherknollen reagiert sehr empfindlich auf Kälte, ist aber äusserst resistent gegen Hitze. Ihr Temperaturoptimum liegt zwischen 21 und 29° C, Temperaturen unter 10° C verträgt sie nur schlecht.

Mehrere Testmethoden

Das Ziel der 2015 in Changins durchgeführten Versuche war es, verschiedene Methoden zu vergleichen, mit denen die Süsskartoffel unter den klimatischen Bedingungen des Schweizer Mittellandes angebaut werden kann. Dazu wurde der Anbau mit Setzlingen und Stecklingen geprüft. Es wurden auch zwei Methoden getestet, mit denen die Temperatur der Erdhügel erhöht werden kann: die Abdeckung der Erdhügel mit schwarzer, mikroperforierter Polyethylen-Folie und die Bedeckung der Pflanzen mit einem Polypropylen-Vlies (wie Agryl®). Der Versuch begann am 20. Mai und in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai sank die Temperatur 5 cm über dem Boden auf 3° C, was ein Absterben der Blätter aller Versuchspflanzen zur Folge hatte. Während die Setzlinge rasch neue Blätter entwickelten, überstand ein Teil der Stecklinge den Temperatursturz nicht und musste ersetzt werden. Die Absterberate war bei den Parzellen mit unbedecktem Boden hoch. Bei Parzellen, die vor Kälte geschützt waren, erholten sich dagegen zwischen 90 und 100% der Pflanzen, je nach der angewendeten Methode.

Interessante Diversifizierung

Die vegetative Entwicklung beschleunigte sich anschliessend mit dem Anstieg der Temperaturen. Die Ertragsmengen werden voraussichtlich im Monat Oktober nach der Ernte ausgewertet. Wenn die erreichten Grössen ausreichen, soll dieser Versuch im Frühling 2016 wiederholt werden. Aufgrund der Einschränkungen, mit denen der Anbau von Süsskartoffeln in unseren Breitengraden verbunden ist, bleibt das Produktionspotential in der Schweiz begrenzt. Falls sich die Ergebnisse der Agroscope-Versuche aber als vielversprechend erweisen, könnte diese Pflanze für den Gemüseanbau eine interessante Diversifizierungsmöglichkeit bieten.

Beitrag kommentieren