© Martin Abegglen [CC-BY-SA-3.0], via flickr
© Martin Abegglen [CC-BY-SA-3.0], via flickr

Raumplanungsgesetz: zurück an den Absender!

  • Kathrin Ruprecht
  • 2

Sage und schreibe 24 Prozent aller Gebäude in der Schweiz stehen mittlerweile ausserhalb der Bauzone! Daran wird auch die vorgeschlagene Revision des Raumplanungsgesetzes nichts ändern: Sie huldigt einer Anbauschlacht-Rhetorik und begnügt sich mit formellen Änderungen, statt Kulturland wirksam zu schützen.

In der Schweiz wächst die Siedlungsfläche weiterhin rasant und unkoordiniert auf Kosten des offenen Kulturlandes, berichtet der WWF Schweiz. Das schädigt unsere Natur und Umwelt unwiderruflich. Trotz Trennung des Bau- und Nichtbaugebiets vor fast 40 Jahren: Ausserhalb der Bauzone wird heute viel zu viel gebaut, besonders auch von den Landwirten. Eine WWF Analyse zeigt: Jahr für Jahr verschwindet die Fläche von gegen 300 Fussballfeldern für Ställe, Masthallen und andere landwirtschaftlichen Gebäude, obwohl die Zahl der Bauernbetriebe laufend sinkt. Im Berggebiet sind diese landwirtschaftlichen Bauten der wichtigste Treiber für die Zubetonierung von Landwirtschaftsland, in Talgebieten der zweitwichtigste – fast gleichauf mit den Strassen. Die Folge der laschen Bestimmungen und der immer zahlreicheren Ausnahmeregelungen: 24 Prozent aller Gebäude in der Schweiz (in absoluten Zahlen: 595‘000) befinden sich heute ausserhalb der Bauzone!

Für den WWF ist deshalb klar: Ein revidiertes Raumplanungsgesetz muss auch die Landwirtschaft zu einem effizienteren Umgang mit dem Kulturland anhalten. „Statt Laissez-faire brauchen wir endlich klare Bestimmungen, die den Bauboom ausserhalb der Bauzonen bremsen“, sagt Thomas Wirth, Experte für Raumplanung beim WWF Schweiz. Die landwirtschaftlichen Neubauten zerstören nicht nur Kulturland, sie gehen auch mit intensiver Tierhaltung einher. Letztere ist für die Überdüngung unserer Moore und der Versauerung unserer Waldböden verantwortlich. Der vorliegende Gesetzesvorschlag bietet hier keine Lösungen an.

Problematisch ist auch die vorgeschlagene Unterscheidung zwischen streng geschützten Fruchtfolgeflächen (ackerfähige Flächen) und dem ungeschützten übrigen Kulturland. Der Fokus auf Fruchtfolgeflächen ist ein veraltetes Konzept, das wichtige Funktionen des übrigen Kulturlands ausblendet. Für Artenvielfalt, Luft- und Wasserqualität, Erholung und Landschaftsbild sind die Nicht-Fruchtfolgeflächen entscheidend – eine zeitgemässe Raumplanung muss deshalb einen umfassenden Kulturlandschutz gewährleisten.

Am kommenden Freitag endet die Vernehmlassung zum neuen Raumplanungsgesetz. Für den WWF ist der Handlungsbedarf gross, der vorliegende Vorschlag aber untauglich. Wirth: „Wir wollen keine Alibi-Revision. Nur mit einem von Grund auf neuen Vorschlag kann die Revision ein Erfolg werden.“

2 Kommentare

  • Martin Geiger

    Sehr geehrte Frau Ruprecht
    Ich finde Ihre Ablehnung der 2. Raumplanungsrevision richtig. Das 40-jährige Gejammer über die Nichttrennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet ist hingegen fruchtlos. Die Raumplanung besteht aus zwei Teilen: Einerseits aus einem dynamischen Teil (der laufenden Maximierung des Nutzens des Raumes für die Gesellschaft) und andererseits aus einem statischen Teil (der Festlegung der absolut einzuhaltenden Restriktionen). Spöttereien wie ‚Rode den Wald in Bern, der Nachwuchs am Napf ist nicht fern!‘ sollte Sie doch hellhörig machen, dass Sie Ihren Teil der Raumplanung noch nicht gefestigt haben. Wer, wenn nicht Sie selbst, sollte sich denn darum kümmern?

    Antworten
  • Christine Güttinger

    Mir kommt, wenn ich durch unser Land fahre, immer wieder die Geschichte von den Ameisen in den Sinn: Da sind Ameisen, die in einer Flasche wohnen. Sie verdoppeln ihre Anzahl alle 4 Jahre. Als der Flaschenboden besiedelt ist, machen sich einige Ameisen sorgen, der Raum könnte Ihnen ausgehen. Aber die andern lachen nur. Es ist ja so viel Platz da.
    Als die Flasche 1/4 voll ist erkennen die meisten das Problem und beginnen zu überlegen, was sie tun können. Als die Flasche hauvoll ist schicken sie eine Delegation aus, um ausserhalb der Flasche nach Lösungen zu suchen. Nach vier Jahren kommen die zurück und triumphieren. Sie haben 3 weitere Flaschen gefunden, die sie besiedeln können. Gerade noch rechtzeitig gerettet?
    Wie lange geht es aber, bis die drei neuen Flaschen voll sind?

    Antworten

Beitrag kommentieren