Pferd

Qualproduktion von Pferdefleisch

  • Corinna von Kürthy
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“Auch die Schweiz steckt tief im Sumpf des internationalen Pferdefleischskandals“, so das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung des Tierschutzbundes Zürich. Dem Bericht zufolge werden rund 5.000 Tonnen Pferdefleisch jährlich von Migros, Coop, Aldi, Denner, Lidl, Volg, Spar und anderen über Zwischenhändler auf zum Teil undurchsichtigen Wegen in die Schweiz importiert.

Der Tierschutzbund Zürich hat die Pferdefleischanbieter gefragt, wo das Fleisch produziert wird, wie die Lebens-, Transport- und Schlachtbedingungen in den Herkunftsländern sind. „Die Antworten waren plakativ positiv, so dass wir der Sache auf den Grund gegangen sind“, erklärt York Ditfurth, Vorstand Tierschutzbund Zürich. „Das Ergebnis der TSB-Recherche in den USA, Kanada, Mexiko und Argentinien zeigt eindeutig, dass das Pferdefleisch aus Qualproduktionen stammt.“

Zwischen März und Oktober 2012 waren Einsatzteams des Tierschutzbundes Zürich in den USA, Kanada, Mexiko und Argentinien. Sie haben dort recherchiert, wo für die Schweizer Anbieter Migros, Coop, Aldi, Denner, Lidl, Volg, Spar, Braunwalder AG, Carna Center, Metzgerei Eigenmann und deren Lieferanten das Pferdefleisch produziert wird. „Es gibt keinen Ort, wo wir nicht tierquälerische Verhältnisse vorgefunden haben“, so Sabrina Gurtner, Einsatzleiterin Tierschutzbund Zürich.

Weder Haltung, Transport und Umgang mit Pferden noch deren Schlachtung entsprechen den EU-Standards und noch weniger den Schweizer Standards. „So werden sterbende, kranke und verletzte Pferde sich selbst überlassen, ungeeignete Transportfahrzeuge eingesetzt, Pferde von ungeschultem Personal gequält, Transporter versiegelt, was jede Hilfe im Notfall ausschliesst, oder Hunde bei der Verladung eingesetzt, welche die Pferde angreifen“, berichtet Sabrina Gurtner.

In einer internen Mail von TopCC/Spar gibt das Unternehmen zu, dass die Schweizer Pferdefleischvermarkter im Gegensatz zu ihren Aussagen keinen Einfluss auf die Produktionsbedingungen haben: „Für den internationalen Pferdefleischmarkt sind die CH-Mengen ein Tropfen auf den heissen Stein. Somit wird nichts geändert an einer Ethik, sowohl beim Transport wie auch bei der Zucht bzw. Schlachtung für die CH“.

Weitere Informationen

Tierschutzbund Zürich

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