© Laura Colomé [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Qualitätsstandards für naturnahe Waldbewirtschaftung

  • Roman Vonwil
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Der Schweizer Wald wird von Gesetzes wegen nachhaltig und naturnah bewirtschaftet. Was das in der Praxis bedeutet, hat Waldwirtschaft Schweiz (WVS) nun in einem Positionspapier dargelegt. Sonderleistungen möchten die wirtschaftlich bedrängten Waldeigentümer künftig gegen Bezahlung anbieten.

Die Schweizer Wälder sind seit Jahrhunderten keine sich selbst überlassenen Urwälder, sie werden genutzt und gepflegt, sodass sie alle Funktionen jederzeit optimal erfüllen können. Die Schweizer Waldgesetzgebung regelt den sorgfältigen Umgang mit dem Wald und ist weltweit eine der strengsten. Sie garantiert eine «nachhaltige» und «naturnahe» Waldbewirtschaftung.

Die Umsetzung der Vorgaben in der Praxis ist in den gesetzlichen Grundlagen der Waldbewirtschaftung nicht im Detail geklärt und bleibt dem Ermessen von Förstern_innen und Waldeigentümern_innen überlassen. Und weil diesbezüglich die Vorstellungen von verschiedenen Interessengruppen weit auseinandergehen, hat nun Waldwirtschaft Schweiz (WVS), der Dachverband der Waldeigentümer_innen, erstmals konkrete Qualitätsstandards für die naturnahe Waldbewirtschaftung erarbeitet, welche er seinen Mitgliedern_inne zur Umsetzung empfiehlt.

Die Empfehlungen halten zum Beispiel fest, dass zwischen den «Rückegassen», auf denen das Holz zur Waldstrasse bewegt wird, Abstände von mindestens 20 Metern eingehalten werden. Ein anderer Richtwert betrifft die Verjüngung des Waldes, sie soll zu mindestens 60 % durch von selbst aufkommende Naturverjüngung erfolgen und nicht mit Pflanzungen. Sollten pro Hektare ein ökologisch wertvoller Biotopbaum und 10 Kubikmeter Totholz ungenutzt der natürlichen Dynamik überlassen werden.

Die vorgeschlagenen Standards erbringen die Waldeigentümer_innen grundsätzlich freiwillig und unentgeltlich. In vielen Wäldern werden die Richtwerte bereits seit langem übertroffen und manche Forstbetriebe sind gerne bereit, zusätzliche Leistungen für den Lebensraum und die Biodiversität zu erbringen. Künftig wollen die Waldeigentümer_innen des WVS jedoch zusätzliche Aufwände oder Nutzungseinbussen, welche die empfohlenen Standards übersteigen, nur noch gegen entsprechende Bezahlung erbringen.

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