Public Eye Awards 2010

  • Gavino Strebel
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public eyeAm 27.1.10, dem Eröffnungstag des World Economic Forum (WEF) vergeben die Erklärung von Bern (EvB) und Greenpeace in Davos die «Public Eye Awards 2010». An der Davoser Gegen-Gala zum 40. WEF erhalten die umwelt- und menschenverachtendsten Unternehmen wieder einen der berühmt-berüchtigten Anti-Oscars. Die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch, bekannt aus «Die fetten Jahre sind vorbei», «Sophie Scholl» und aktuell «Tannöd», führt durch die Preisverleihung, welche die EvB gemeinsam mit Greenpeace organisiert. Im Jahr drei der Weltwirtschaftskrise fordern die Veranstalter nachdrücklicher denn je rechtlich bindende Regeln für transnationale Konzerne. Und zwar mit prominenter Unterstützung: US-Starökonom und UNO-Berater Joseph E. Stiglitz, der dieser Tage seinen neuen Bestseller «Freefall» publiziert, wird die spezielle Verantwortung globaler Finanzinstitute skizzieren und der Berliner «Atomausstiegsminister» Jürgen Trittin den Kopenhagener Scherbenhaufen analysieren. Für satirische und musikalische Einlagen sorgen Carlos Leal, Greis und Patrick Frey.

Aus den über 40 eingegangenen Nominationen von Nichtregierungsorganisationen hat eine Fachjury je die drei skandalösesten für die diesjährigen Shortlists ausgewählt. Für den «Global Award» sind Fälle von drei Kontinenten nominiert. Der indische Stahlgigant Arcelor Mittal betreibt das grösste und zugleich dreckigste Stahlwerk Südafrikas. Die Royal Bank of Canada ist grösster Financier des ökologisch wie sozial fatalen Ölsand-Abbaus in der kanadischen Provinz Alberta. Und GDF Suez schliesslich ist treibende Kraft hinter einem Grosskraftwerk am brasilianischen Madeira-Fluss, das gigantische Umweltzerstörungen und Massenvertreibungen der indigenen Bevölkerung zur Folge hat.

Die Anwärter für den «Swiss Award» heissen heuer Farner PR (wegen ihrer Bespitzelung der GSoA), Roche (für Transplantationsstudien in China, wo 90% aller Organe von Gefangenen stammen) und International Olympic Comittee. Das IOC mit Sitz in Lausanne hat die für indianische Ureinwohner katastrophalen Winterspiele in Vancouver zu verantworten. Die im Urteil der Internet-Gemeinde übelste Firma dieser beiden Kategorien gewinnt den «People’s Award». Die Online-Abstimmung für diesen Publikumspreis startet heute und dauert bis 26. Januar.

Erstmals verliehen wird dieses Jahr zudem ein «Greenwash Award». Als Mutter aller Schönfärberei wäre das WEF heisser Aspirant auf diesen Sonderpreis. Auf der Shortlist für die fragwürdigste Öko- oder Sozialauszeichnung stehen aber der von WWF und Coop mitinitiierte «Runde Tisch für verantwortliches Soja», die halbstaatliche «Gesundheitsförderung Schweiz» und das im Rahmen des Global Compact anno 2007 lancierte, äusserst wässrige «UNO-Wassermandat», ein Greenwash-Projekt von Nestlé-Chef Peter Brabeck.

Public Eye on Davos 2010

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