Berg, Natur, Schweizer Nationalpark

Pssssssssssst – Ruhe Inseln gesucht

  • Manuela Just
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In der Schweiz fühlen sich rund zwei Drittel der Bevölkerung durch Lärm gestört. Umso wichtiger, dass wir zwischendurch eine „Ruhe-Insel“ aufsuchen können. Doch vom Lärm verschonte Erholungsräume sind immer seltener zu finden, so die Koordinationsstelle „Tag gegen Lärm“  in ihrer Medienmitteilung.

Lärm ist nicht nur lästig, er kann auch krank machen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO machen die Umweltrisiken 24% der Gesundheitsbelastung aus. Auch der Lärm trägt dazu bei. Ein Drittel der Bevölkerung in Westeuropa ist tagsüber durch Verkehrslärm belästigt, ein Fünftel ist nachts im Schlaf gestört. Studien zeigen, dass Menschen, die ununterbrochen Lärm ausgesetzt sind, ein höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen haben.

Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU wurden diese Berechnungen auf der Grundlage der Lärmdatenbank SonBase für die Schweiz ebenfalls durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass gleich wie in Europa, die Störungen des Schlafs und die Belästigung durch Strassenverkehrslärm die grössten Belastungen darstellen. In der Schweiz gehen durch Schlafstörungen aufgrund der Gesundheitsbelastung durch Verkehrslärm 26’071 Lebensjahre verloren, durch Belästigung sind es 16’216 Lebensjahre. Durch ischämische Herzkrankheiten gehen in der Schweiz 3’616 Lebensjahre verloren, durch Lernschwierigkeiten bei Kindern 1’294 Lebensjahre.

Trotz beträchtlicher Sanierungsanstrengungen von Bund und Kantonen ist immer noch jede siebte Person in der Schweiz übermässigem Verkehrslärm ausgesetzt. Grund dafür ist unter anderem die stetige Verkehrszunahme. Auf der Suche nach Ruhe treibt es die Städtler raus aus der Stadt, in die Natur. Doch auch in vermeintlich ruhigen Naturlandschaften breitet sich der Lärmteppich immer weiter aus. Optisch ist die Idylle perfekt, doch akustisch frisst sich der Lärm ins Paradies. Nicht nur in stadtnahen Naturräumen ist dies der Fall. Auch die Bergwelt ist nicht mehr nur lauschig und still. Die Freizeitindustrie hat diese Regionen längst für sich entdeckt. Paradox: Auf der Suche nach Ruhe wird zusätzlich Lärm verursacht, denn meistens werden für die Fahrt ins Grüne Auto, Motorrad oder Zug benutzt. So tragen wir den Verkehrslärm in ursprünglich ruhige Gebiete.

Am diesjährigen „Tag gegen Lärm“ wird die interaktive Ausstellung „Ruhe-Insel“ lanciert. Zwei Strandkörbe und ein Info-Zelt laden Passantinnen und Passanten ein sich auf eine akustische Sinnesreise zu begeben und den eigenen Lärm-Fussabdruck zu berechnen. Am Aktionstag vom 25. April ist die „Ruhe-Insel“ in Luzern zum ersten Mal zu sehen, danach geht sie auf Tournee durch die ganze Schweiz.

Weitere Informationen

www.laerm.ch
www.bafu.admin.ch
www.eklb.admin.ch

Bild: Hansueli Krapf (Wikimedia Commons)

1 Kommentar

  • Christine Dobler Gross

    Ich würde es begrüssen, wenn auch einmal über die gesetzlich verankerten Ruhezeiten laut nachgedacht wird.
    Im Interesse der Gewerbetreibenden schreitet die Liberalisierung voran, die gesetzlich verankerten Ruhezeiten werden immer kürzer, wir müssen bald auch um das eine Stündchen Mittagsruhe und die Sonntagsruhe bangen. Der Abend ist auch nicht mehr tabu, die Grünliberalen in Zürich wollten die Erlaubnis für laute Gartenarbeiten bis 22 Uhr ausdehnen. Neben dem Autolärm sind auch Bau-und Motorenlärm von Laubbläsern, Rasenmähern, Heckenscheren täglich allgegenwärtig, zumindest in einem Quartier mit Gärten. Den Bauern ist alles erlaubt, sie müssen sich ja nach dem Wetter richten, und darum laubbläserts während der Heuet-zeit auch am Sonntag und am Abend.
    Am ruhigsten ists in den vielen schönen Tobels rund um Zürich, weil der Rauschebach allen Lärm schluckt.

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