Oberstes_Holz_Waldrand

Pro Natura verwandelt Waldränder in Lebensraum

  • Sophie Ryser
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Waldränder gibt es überall in der Schweiz. Diese können natürlich entstehen, zum Beispiel an der Waldgrenze im Gebirge, am Rande eines Moors oder auch nach Überschwemmungen oder Hangrutschen. Die meisten Waldränder entstehen aber beim Übergang zu Ackerland oder anderen vom Menschen genutzten Flächen. Und diese Übergänge sind oft sehr abrupt, das heisst auf Wald folgt direkt offene Fläche. Dabei könnten strukturreiche Waldränder für viele – auch seltene – Arten einen Gewinn bringen. Denn im Übergangsbereich zwischen zwei Lebensräumen ist die Artenvielfalt besonders hoch.

Aus diesem Grund hat Pro Natura einen Leitfaden erarbeitet, wie Waldränder ökologisch aufgewertet werden können. Dabei soll ein eben solcher Übergansbereich zwischen dem Wald und dem Ackerland geschaffen werden. Dazu müssen meist erst einige Bäume entfernt werden. Dieser Einschnitt wirkt oft etwas extrem, jedoch wächst daraus eine neue, für die Natur viel wertvollere Fläche.

An den Wald anschliessend werden nun drei Zonen angelegt. Als erstes folgt ein Waldmantel, welcher etwa 15 bis 20 Meter breit und locker aufgebaut ist. Hier können seltene Gehölze wie der Elsbeerbaum gefördert werden, welche auch Nahrung für diverse Tiere bieten. Darauf folgt ein dicht mit dem Waldmantel verzahnter Strauchgürtel, welcher 5 bis 10 Meter breit ist. Besonders wertvoll wird dieser, wenn er viele blüten-, beeren- und dornenreiche Sträucher enthält. Abschliessend wird ein Krautsaum angelegt, welcher etwa 10 Meter breit sein sollte. Er bildet eine Pufferzone zu intensiv bewirtschaftetem Kulturland und besteht aus Gräsern und Kräutern. Weiterhin sind diverse Kleinstrukturen eine Bereicherung für jeden Waldrand, dazu gehören zum Beispiel Ast- und Steinhaufen, Brombeerdickichte, Gräben, Tümpel und Weiher sowie offene Bodenstellen.

Vom Waldrand profitieren viele verschiedene Arten. Vögel und Säugetiere wie der Siebenschläfer finden Beeren und Früchte als Nahrung, Vögel brüten in Dornenbüschen und totes Holz dient als Unterschlupf für Fledermäuse, Igel oder Spechte. Insekten freuen sich über Blumen im Krautsaum und Reptilien sonnen sich auf Steinhaufen. Und ein feuchtes Unterholz bietet Schutz für Amphibien.

Wenn Sie Interesse daran haben, einen Waldrand aufzuwerten, oder wenn Sie einen dafür geeigneten Waldrand kennen, wenden Sie sich an den Revier- oder Gemeindeförster. Adressen erhält man bei der örtlichen Gemeindeverwaltung. Auch Vereine, Schulen oder der Zivildienst können als Helfer bei solchen Projekten beteiligt werden. Personen, welche selber Aufwertungsmassnahmen durchführen und an weiteren Informationen interessiert sind, können den Leitfaden bei Pro Natura bestellen.

Weitere Informationen

Bild: AxelHH [Public domain], via Wikimedia Commons

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