Preiserhöhungen nicht auf Kundschaft überwälzen

  • Stefanie Pfefferli
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Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz zeigt sich erfreut über das gute Halbjahresergebnis der SBB. Ein deutliches Zeichen, dass der öffentliche Verkehr in der Schweiz eine Erfolgsgeschichte ist. Der VCS appelliert an die SBB, die vom Bundesrat jüngst beschlossenen Trassenpreiserhöhungen nicht direkt auf die Kundschaft zu überwälzen.

Eine Woche ist es her, seit der Bundesrat entschieden hat, die Trassenpreise im Schienenverkehr weiter zu erhöhen. Diese Massnahme ist Teil des Pakets „Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur“ (FABI), das der Bundesrat als Gegenvorschlag zur VCS-Initiative „Für den öffentlichen Verkehr“ vorgelegt hat. Es gilt deshalb, einen Preisschock im öffentlichen Verkehr zu vermeiden. Der VCS appelliert an die Transportunternehmen, die Erhöhung der Trassenpreise nicht vollumfänglich auf die Kundschaft zu überwälzen. Handlungsspielraum besteht für die SBB beispielsweise im Fernverkehr, wo sie seit Jahren stolze Gewinne erwirtschaftet. Es widerspricht sowohl der langjährigen und bewährten Verkehrspolitik der Schweiz als auch den langfristigen Interessen der  Transportunternehmen, die in den letzten Jahren gewonnene Kundschaft zu vergraulen und zu verlieren.

Einseitige Verteuerung

Wenn die SBB die entstehenden Mehrkosten vollumfänglich auf die Kundschaft überwälzt, wird das Bahn fahren in den nächsten zwei Jahren um 9 Prozent teurer. Und darin sind die geplanten Preiserhöhungen für neues Rollmaterial nicht einmal eingerechnet. Zählt man diese hinzu, steigen die Billetpreise bis 2013 im Fernverkehr um mindestens 11 Prozent. Umweltverträgliche Bahnfahrten werden so einseitig verteuert, ohne gleichzeitig lenkende Massnahmen beim Strassenverkehr in die Wege zu leiten. Bundesrat und SBB nehmen in Kauf, dass künftig wieder mehr Bahnreisende aufs Auto umsteigen. Umweltpolitisch ist dies ein völlig falsches Zeichen, denn 40 Prozent der CO2-Emissionen in der Schweiz stammen heute aus dem Strassenverkehr. Die Notwendigkeit, mehr Menschen mit Bahn und Bus anstatt mit dem Auto zu befördern, ist nach wie vor gross.

Damit die Preise im öffentlichen Verkehr angehoben werden können, muss zuerst die Weichenstellung mit der politischen Diskussion über die Volksinitiative „Für den öffentlichen Verkehr“abgewartet werden. Diese zeigt auf, wie die benötigten Infrastrukturen für Bahn und Bus zukünftig finanziert werden können – und zwar ohne neue Steuern und ohne überrissene Preiserhöhungen.

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