Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr

  • Dominique Haiden
  • -

s-bahnDie vom Verband öffentlicher Verkehr VöV vorgestellten Preisentwicklungsszenarien gehen von einem jährlichen Tarifaufschlag von 2,6-3,1 Prozent bis im Jahr 2018 aus. Dadurch wird die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr übermässig verteuert, was zu einer Abwanderung der Passagiere auf die Strasse führt. Der VCS ruft den Bund und die Verkehrsunternehmen dazu auf, die Höhe der Aufschläge deutlich zu reduzieren. Er begrüsst hingegen die Forderungen des VöV, auch den Autoverkehr im Gleichschritt zu verteuern.

Im vorgeschlagenen Szenarium will der VöV die Tarife im öffentlichen Verkehr im Mittel um jährlich 2,6- 3,1 Prozent erhöhen. Das entspricht bis 2018 einem Aufschlag von insgesamt 20 Prozent und liegt merklich über der angenommenen allgemeinen Teuerung. Nachdem die Preise schon in den letzten beiden Jahren deutlich erhöht wurden, müssten die Passagiere von Bahn, Tram, Postauto und Bus mit einem weiteren Preisschub rechnen. Der VöV schlägt damit immerhin deutlich tiefere Preiserhöhungen vor, als dies mit der bundesrätlichen Idee zur Finanzierung der Bahninfrastruktur (FABI) der Fall wäre.

Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz begrüsst, dass mit den Szenarien nun eine klare Grundlage für die mittelfristige Tarifentwicklung geschaffen wurde. Im Interesse der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs wehrt er sich aber entschieden gegen die daraus abgeleiteten Tariferhöhungen. Sie werden dazu führen, dass der öffentliche Verkehr für viele Reisende an Attraktivität verliert, was den Zielen der bisherigen Schweizer Verkehrspolitik klar zuwider läuft. Es ist zu befürchten, dass sich das Verkehrswachstum verstärkt auf die Strasse verlagern wird. Dadurch verlieren Bahn und Bus gleich wieder einen Teil der angepeilten Mehreinnahmen. Ausserdem unterminiert die Massnahme das Ziel, die Umwelt und das Klima zu schonen und die Strassen zu entlasten.

Nachdem der öffentliche Verkehr in den letzten Jahren ein erfreuliches Wachstum an Passagieren ver- zeichnete und seinen Marktanteil gegenüber dem Autoverkehr erhöhen konnte, wird das jetzt wieder in Frage gestellt. Für eine nachhaltige Verkehrspolitik muss der öffentliche Verkehr seinen Marktanteil auch in Zukunft erhöhen, und zwar erheblich. Dazu braucht es einen raschen Ausbau der Kapazitäten und eine moderate Preispolitik im Einklang mit der Teuerungsentwicklung. Tariferhöhungen im öffentli- chen Verkehr müssen zwingend verbunden sein mit Preiserhöhungen im motorisierten Privatverkehr, damit der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr nicht abnimmt. So fordert es auch der VöV in seinem Bericht. Die Debatte um den gerechtfertigten Preis der Mobilität sollte in aller Breite, und ohne vorgezogene Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr, geführt werden.

Weitere Informationen

VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Beitrag kommentieren