Preis für Ressource Natur?

  • Gavino Strebel
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biodiversitaetDie rote Liste der bedrohten Tierarten wird immer länger, die Meere werden leergefischt und die Fläche der Tropenwälder geht zurück. Hauptgrund dafür: Der Zugang zu den meisten Ressourcen der Natur, d.h. auch zur Artenvielfalt, ist kostenlos. Um das zu ändern, braucht es neue Ansätze. Für den WWF ist ein besserer Schutz der Biodiversität möglich, wenn die Natur einen Preis bekommt: Der Zugang zu den natürlichen Ressourcen muss, ganz im Sinne des Verursacherprinzips, kostenpflichtig werden.
Jeden Tag verbraucht der Mensch natürliche Ressourcen, um sich zu ernähren, sich zu kleiden, sich zu pflegen und sich fortzubewegen. Dieser Konsum scheint so selbstverständlich, dass man vergisst, dass diese Ressourcen nicht unbeschränkt zur Verfügung stehen. Unser Planet kann uns heute 60% weniger Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stellen als noch vor 50 Jahren. Gelingt es nicht, diese Entwicklung zu korrigieren, werden sich die Ökosysteme nicht mehr erholen können.
„Wir müssen darum dringend Lösungen finden, um die Biodiversität nachhaltig zu schützen“, sagt WWF-Experte Walter Vetterli. Der WWF Schweiz hat in einer Studie untersuchen lassen, wie diese Lösungen aussehen könnten. Das Ergebnis: Die Ressourcen der Natur müssen einen Preis haben. Wer die Ressourcen nutzt, muss diesen Preis bezahlen.
Unter den in der Studie untersuchten neuen Instrumenten ist zum Beispiel eine ökologische Finanzreform, die Energie oder umweltschädliches Verhalten mit Abgaben belegt. „Das würde zu einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen führen, was wiederum positive Auswirkungen auf die Biodiversität hätte“, betont Walter Vetterli. Eine weitere Massnahme ist die Gründung eines Schweizer Fonds für Biodiversität nach dem Vorbild des Fonds für Landschaft. Aus diesem Fonds liessen sich Projekte und Massnahmen zum Schutz der Biodiversität oder sogar der Ankauf von Flächen finanzieren, die für Biodiversität von hoher Bedeutung sind. Ein solcher Fonds könnte aus den kantonalen Lotterie-Fonds gespiesen werden.
Bei den bestehenden Instrumenten empfiehlt die Studie eine Weiterentwicklung der finanziellen Hilfen, z.B. der Direktzahlungen an die Landwirtschaft für zusätzliche ökologische Leistungen, der Lenkungsabgaben wie der CO2-Abgabe oder der zielgerichteten Verwendung bestimmter Steuern zugunsten der Biodiversität und des Naturschutzes. Als Beispiel kann der Kanton Solothurn dienen, wo ein Teil der Steuer auf Motorboote für den Schutz gegen Hochwasser und zur Verbesserung der Wasserqualität verwendet wird.

WWF Schweiz

Studie „Der Natur mehr Wert geben“ – Reformideen für marktwirtschaftliche Massnahmen zur Förderung der Biodiversität

WWF-Dossier Biodiversität

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