Klimastreik
In Zürich streiken die SchülerInnen gegen die Klimapolitik. © Stefanie Wermelinger.

«Politiker, macht endlich etwas gegen den Klimawandel»

  • Stefanie Wermelinger
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Schüler und Studenten trotzen schweizweit der Kälte und gehen auf die Strasse, um gegen die derzeitige Klimapolitik zu demonstrieren. Ein Stimmungsbericht von der Streikfront in Zürich.

Die Streikenden treffen sich auf der Polyterrasse, von wo aus durch die Stadt marschiert wird. Die Menge setzt sich zu einem grossen Teil aus Schülern und Studenten zusammen. Aber auch Eltern mit Kindern und andere Leute schliessen sich dem Demonstrationszug an. Sprechchöre wie «Wem sini Zuekunft – eusi Zuekunft. Wem sis Klima – euses Klima» schallen bei dem Marsch durch Zürich aus gut 1000 Menschenkehlen. Auch viele Transparente und Schilder verdeutlichen die Anliegen der Streikenden.

sdr
„Wenn du denkst, wir können die Welt nicht ändern, bedeutet es nur, dass du nicht zu denjenigen gehörst, die es tun werden.“ @ Stefanie Wermelinger.

Weniger reden, mehr handeln

Naturschutz.ch hat bei den Teilnehmern nachgefragt, was die persönlichen Gründe für den Streik sind. Eine klare Botschaft kam dabei immer wieder rüber: „Die Politiker sollen nicht immer nur reden, sondern auch einmal etwas machen“. Die Versprechen, welche im Pariser Klimaabkommen getroffen wurden, sollen eingehalten und idealerweise auch noch etwas verschärft werden. Auch konkrete Themen, wie beispielsweise die Autoindustrie, wurden angesprochen. Die Autos müssen sauberer werden und vor allem soll man mehr in die öffentlichen Verkehrsmittel investieren. Auch der Ausruf des Klimanotstandes wird gefordert: Die Erderwärmung soll als Krise anerkannt und dementsprechend gehandelt werden.

Plakat Klimanotstand
Der Klimanotstand wird gefordert. © Stefanie Wermelinger.

Die Schüler sind auch bereit Eingeständnisse zu machen. Einige gaben an, dass sie der Umwelt zuliebe bewusst auf Fleisch verzichten, teilweise auch vegan essen, oder versuchen Abfall zu reduzieren. Auch vor dem Thema Fliegen wurde nicht haltgemacht. Viele sprachen darüber, dass sie weniger Fliegen wollen und öfters mit den ÖV oder dem Auto in die Ferien fahren.

Schulen drohen mit Konsequenzen

Teilweise gehen die Schüler mit der Teilnahme an diesem Streik ein Risiko ein. Denn nicht alle Schulen tolerieren, dass die Schüler den Freitag „schwänzen“ und stattdessen auf die Strasse gehen. «Der Rektor hat uns das Mitmachen verboten, aber es ist ja unsere Zukunft und nicht seine», meinte eine Schülerin einer Zürcher Kantonsschule zu dem Verbot. Viele Teilnehmer riskieren eine unentschuldigte Absenz. Allerdings gibt es auch einige Lehrer und Rektoren, welche die Aktion wohl befürworten. So erzählt ein Schüler der Kantonsschule Rämibühl, dass die Teilnehmer des letzten Klimastreiks als „Strafe“ an einem freien Nachmittag mit der Schulleitung über den Klimawandel diskutieren mussten. „Das war eine coole Aktion und hat uns auch etwas gebracht!“ sagte der Schüler dazu.

Klimastreik
Zahlreiche SchülerInnen nehmen am Klimastreik teil. © Stefanie Wermelinger.

Lehrplan in der Kritik

Es fiel auf, dass die meisten der befragten Schüler angaben, das Thema Klimawandel schon in der Schule angeschnitten zu haben. Allerdings erst recht spät und nur marginal. Eine Mehrheit der Befragten fanden, dass das Thema schon früher auf dem Lehrplan stehen sollte. Auch wäre es von Vorteil, wenn nicht nur über die Ursachen gesprochen wird. Wichtiger sei zu lernen, was gegen den Klimawandel gemacht werden kann.

Schweizweite Streiks

Die Demonstranten machen einen abgeklärten Eindruck. Sie wissen, von was sie sprechen und sehen als einzige Chance von den Politikern gehört zu werden den Streik. Und dass nicht nur in Zürich. Insgesamt wurde an diesem Freitag in insgesamt 16 Schweizer Städten für mehr Klimaschutz protestiert. Ganz nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg, die monatelang am Freitag nicht zur Schule gegangen ist, um stattdessen gegen den Klimawandel zu protestieren.

Greta Thunberg ist eine 15jährige Schwedin, welche die inzwischen weltweite Bewegung «Climate Strike» in Bewegung gesetzt hat. Seit letztem Sommer geht sie Freitags nicht zur Schule, sondern setzt sich vor das Parlament, um die Politiker aufzufordern, mehr für den Klimaschutz zu tun. Mit dieser Aktion inspiriert sie SchülerInnen auf der ganzen Welt. Das Video ihrer geradliniger und mutiger Rede bei der Uno-Klimakonferenz in Katowice ging viral und hat die Klimastreiks weiter angefacht. Die Rede von Greta bei der Uno-Klimakonferenz:
Festival der Natur

1 Kommentar

  • Ferdi Projer

    Absolut richtig dass die Schüler selbst die Initiative ergreifen, es ist auch ihre Umwelt die für weitere Generationen lebenswert sein soll.
    Schulleitungen und Lehrer sollten ihre Verantwortung und einen sinnvollen Lehrplan mit Umwelt und Klimawandel unterrichten. Von Politikern weiss man unterdessen dass die sich nur bewegen wenn Profit angesagt ist, an die verursachten Kosten zum Klimaschutz zu denken ist zuviel verlangt.

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