Viel Plastikmüll landet in der Umwelt, statt im Recycling. Plastikfressende Bakterien könnten eine Hilfe sein beim Abbau des globalen Plastikbergs. © flockine [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Viel Plastikmüll landet in der Umwelt, statt im Recycling. Plastikfressende Bakterien könnten eine Hilfe sein beim Abbau des globalen Plastikbergs. © flockine [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Plastikfressende Bakterien: Vielfältig und langsam

  • Selina Fehr
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2016 entdeckten Wissenschaftler erstmals ein Bakterium, das Kunststoff angreift und zersetzt. Jetzt zeigt sich: Es gibt mehr und vielfältigere plastikfressende Bakterien, als bisher angenommen. Der Abbau geht aber langsam vor sich. Bei Kunststoffen wie PET, die zum Grossteil in die Umwelt gelangen, dauert es rund 450 Jahre, bis sie sich aufgelöst haben.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Wolfgang Streit vom Biozentrum Klein Flottbek der Universität Hamburg haben laut einer Mitteilung herausgefunden, dass es weitaus mehr und vielfältigere plastikfressende Bakterien gibt, als bisher angenommen. Das Forschungsteam hat seine Ergebnisse vor Kurzem in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Applied and Environmental Microbiology» veröffentlicht.

Neuartige Enzyme zum Abbau von PET

Die Mikrobiologinnen und Mikrobiologen analysierten mithilfe von globalen Datenbanken das Erbgut von Bakterien aus verschiedenen Lebensräumen zu Land und im Wasser. Dabei fanden sie heraus, dass viele Bakterien mitverantwortlich für den Abbau von PET sein können und dass die beteiligten Bakterien von ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung vielfältiger sind, als bisher angenommen. Das Forschungsteam untersuchte die Abbauprodukte, die in den Bakterien beim Abbau des Kunststoffs entstehen und die daran beteiligten Enzyme. Dabei konnten sie mehrere hundert neuartige Enzyme finden, die so genannten PET-Hydrolasen.

«Wir waren überrascht, dass die beteiligten Bakterienarten viel diverser sind, als bisher angenommen. Unsere Charakterisierung von vier ausgewählten PET-Hydrolasen erweitert nun das Verständnis von den Abbaumechanismen. Es bestätigte sich jedoch, dass der Abbau von PET durch die Bakterien prinzipiell sehr langsam ist», so Prof. Streit.

Nach wie vor am besten für die Umwelt ist es, den Plastikverbrauch so weit wie möglich zu reduzieren und den übrigen Plastik zu recyceln.

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