Phosphor - ein elementares Element für jegliche Tier- und Pflanzenarten. Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, Phosphor bis 2026 selber zu recyceln anstatt aus fernen Abbaustätten zu importieren.  | © fdecomite [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Phosphor - ein elementares Element für jegliche Tier- und Pflanzenarten. Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, Phosphor bis 2026 selber zu recyceln anstatt aus fernen Abbaustätten zu importieren. | © fdecomite [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Phosphor: essenziell, endlich und bei uns bald recycelbar?

  • Mélanie Guillebeau
  • 2

Phosphor ist unverzichtbar für alle Tiere und Pflanzen und nur in endlichen natürlichen Lagerstätten vorhanden. Dennoch wird er bisher kaum wiederverwertet. Die Schweiz will dies ändern und als Pionierin vorangehen: Das Bundesamt für Umwelt plant die Umsetzung des Phosphor-Recyclings aus Abwasser und Tiermehl, das den gesamten Phosphorbedarf unseres Landes decken könnte.

Phosphor ist einerseits ein Baustein des genetischen Erbgutes, andererseits sozusagen der Energieträger tierischer und pflanzlicher Zellen – kurzum Phosphor ist elementar für alle Lebewesen und kann zudem durch keinen alternativen Stoff ersetzt werden. Wir Menschen nehmen die essenzielle Substanz über unsere Nahrung auf, der wir wiederum den Phosphor in Form von Dünger oder Futtermitteln „verabreichen“.

 

90 Prozent für die Landwirtschaft

Aus diesem Grund bauen wir das kostbare Gut in Lagerstätten, die phosphatreiche Mineralien enthalten, ab: Wie das Bundesamt für Umwelt BAFU in ihrer Medienmitteilung informiert, sind es jährlich 100 Millionen Tonnen, wovon 90 Millionen Tonnen für die Düngerherstellung im Agrarbereich genutzt werden. Doch auch die natürlichen Phosphor-Vorkommnisse sind nicht unerschöpflich. Schätzungen zufolge dürften die gut abbaubaren, minder mit Schadstoff belasteten Lagerstätten in wenigen Jahrzehnten erschöpft sein. Abgesehen davon hat der Phosphorabbau weitreichende negative Auswirkungen für die Umwelt und Arbeiter in den Abbaugebieten (sehen Sie dazu unseren Buch-Tipp zu „Industrial Scars„).

Schweiz importiert 100 Prozent des Phosphor-Düngers

Auch in der Schweizer Landwirtschaft wird unter anderem Phosphor-Dünger verwendet, der zu 100 Prozent aus dem Ausland bezogen wird. Zusammen mit den 6’000 Tonnen importieren Düngeprodukten gelangen jedoch gleichzeitig Schadstoffe wie Kadmium und Uran in unser Land und unsere Böden: In einer Untersuchung des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW im Jahr 2015 waren knapp die Hälfte der Dünger mit Schadstoffen über den Grenzwerten belastet.

Phosphordünger ist häufig mit Schwermetallen, wie zum Beispiel Uran, befallen. Dieses gelangt unweigerlich in unsere Böden, wo sie Organismen womöglich Schaden zufügen. | © abejorro34 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Phosphordünger ist häufig mit Schwermetallen, wie zum Beispiel Uran, befallen. Diese gelangen unweigerlich in unsere Böden, wo sie Organismen womöglich Schaden zufügen. | © abejorro34 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Abwasser als Phosphorquelle bis 2026 erschliessen

Angesichts dieser Tatsachen wäre es sinnvoll – oder bald unabdingbar -, den verwendeten Phosphor zurückzugewinnen und den Kreislauf zu schliessen:

„Die Schweiz könnte ihren Bedarf an Phosphor selber decken, indem sie den Stoffkreislauf schliesst“, heisst es in der Medienmitteilung des Bundesamtes für Umwelt BAFU vom 28. August 2017.

Doch um den Kreislauf vollenden zu können, muss man wissen, wo sich die momentanen Sackgassen oder „Phosphorsenken“ befinden. Nun, rund zwei Drittel des Phosphors finden im Klärschlamm der Abwasserreinigungsanlagen sowie in Tier- und Knochenmehl ihr Ende. Im Kehricht landet ein weiteres Fünftel. Auf diesen Zahlen basierend hat die Schweiz veranlasst, dass bis 2026 der Phosphor aus dem Abwasser wiederverwertet werden muss.

Klärschlamm entsteht bei der Abwasserreinigung und ist reich an Phosphor, das mit neuen Verfahren zurückgewonnen werden kann. | © Silke Gebel [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Klärschlamm entsteht bei der Abwasserreinigung und ist reich an Phosphor, das mit neuen Verfahren zurückgewonnen werden kann. | © Silke Gebel [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Mögliche Verfahren werden geprüft

Für die Rückgewinnung aus dem Abwasser benötigt es spezieller technischer Verfahren, die das BAFU in einer Studie auf ihre Ausbeute, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit untersucht hat. Die 30 geprüften Techniken wurden bereits in verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, Österreich, Kanada und Japan, umgesetzt und scheinen sich, gemäss der Studie, in manchen Fällen bewährt zu haben. Als Nächstes plant das BAFU zusammen mit dem BLW die nötigen Massnahmen umzusetzen, die es dem recyclierten Phosphordünger erlauben, mit bestehenden Düngeprodukten zu konkurrieren.

Weitere Informationen können Sie der Medienmitteilung sowie der Studie „Rückgewinnung von Phosphor aus der Abwasserreinigung“ des BAFU entnehmen.

2 Kommentare

  • Thomas Loeffler

    „Schweiz importiert 100 Prozent des Düngers
    Natürlich benötigt auch die Schweizer Landwirtschaft Phosphor in Form von Düngemitteln, die sie zu 100 Prozent aus dem Ausland bezieht.“
    Diese Formulierung stösst meines Erachtens die VertreterInnen der organischen Landwirtschaft vor den Kopf!
    Dort wird bereits in Kreisläufen gedacht und gearbeitet und auch mit Boden-Verlebendigung, damit sich die Bodenorganismen und Pflanzen die benötigten Mineralien selbst besorgen können.

    Antworten
    • Mélanie Guillebeau

      Ich danke Ihnen für Ihre Anmerkung. Die 100 Prozent haben sich natürlich lediglich auf die Phosphor-Dünger bezogen. Natürlich gibt es auch andere Wege zur Düngung. Der Abschnitt ist nun leicht umformuliert und hoffentlich weniger irreführend.


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