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Pflanzenvielfalt im freien Fall

  • Eliane Küpfer
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Die Arbeit der 350 Florawächtern der Schweiz ist oft ernüchternd. Seit drei Jahren suchen sie systematisch frühere Fundorte von sel- tenen und bedrohten Pflanzenarten auf. Doch die ehrenamtlichen Feldbotaniker finden oft nicht das vor, was sie erwartet haben. Wurde an der falschen Stelle gesucht? „Die meisten Fundorte sind gut lokalisierbar“, erklärt Andreas Gygax vom Nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora (Info Flora). „Man kann kaum daran vorbeilaufen. Fehlt eine Zielart, müssen wir mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sie am gesuchten Fundort ausgestorben oder zumindest sehr selten geworden ist.“

Die Florawächter sind dabei, die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen aus dem Jahr 2002 zu revidieren. Eine erste Daten- analyse zeigt, dass mehr als ein Drittel der Fundorte, auf denen vor 10 bis 30 Jahren seltene oder bedrohte Arten nachge- wiesen worden waren, verwaist sind. Und je stärker eine Art in der Roten Liste 2002 als gefährdet galt, desto grösser sind die nun festgestellten Verluste: Arten der obersten Gefährdungskategorie (CR) fehlen beispielsweise an der Hälfte der früher bekannten Fundorte. „Die Daten dokumentieren einen massiven Verlust an Biodiversität in der Schweiz in den letzten drei Jahrzehnten.“ Die Ursachen sind bekannt: Die Qualität der Lebensräume sinkt laufend. Die im Frühjahr 2013 erschienene revidierte Rote Liste der Schmetterlinge bestätigt den Befund bei den Pflanzen: Der Artenverlust hält an, vor allem in trockenen und in feuchten Lebensräumen. Angesichts der Lebensraumverluste erstaunt dies wenig: Seit 1900 sind in der Schweiz 95 Prozent der Trockenwiesen und -weiden sowie 82 Prozent der Moore zerstört worden.

Bei den Pflanzen hatte man gehofft, die Anstrengungen der letzten 30 Jahre würden allmählich etwas fruchten. „Dass dem nicht so ist, heisst nichts anderes, als dass dringend zusätzliche Massnahmen zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen benötigt werden“, meint Stefan Eggenberg, Direktor von Info Flora. Alle Ebenen und Sektoren müssten ihre Verantwortung gegenüber unserer Mitwelt wahrnehmen.

Grosse Hoffnungen setzt Stefan Eggenberg auf den Aktionsplan zur Strategie Biodiversität Schweiz. Gelingt es, die Anliegen der Biodiversität bei allen Aktivitäten des Menschen zu stärken, kann der Biodiversitätsverlust gestoppt oder gar eine Trendwende eingeleitet werden.

Bild © Beat Bäumler, Verwaiste Fundorte von Pflanzenarten verschiedener Gefährdungskategorien

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1 Kommentar

  • Johner Martin

    Sehr geehrter Herr Eggenberg
    Ich habe keinen Kommentar, sondern viel eher eine Frage.
    In der letzten Nummer „Hotspot“ sehe ich, dass in Bern eine grössere Anzahl Florawächter zu Hause sind und ich gehe davon aus, dass der eine oder andere vielleicht auch das Grosse Moos besucht.
    Seit 1996 bemüht sich unsere Organisation, der Biotopverbund, die Biodiversität in diesem interessanten, aber anspruchsvollen Raum zu fördern. Bislang haben wir aber nie eine Rückmeldung über Veränderungen von seiten der Florawächter erhalten. Es würde uns sehr interessieren, ob Beobachtungsresultate vorliegen, denn wir sind selber nicht in der Lage, die Wirkungskontrolle vorzunehmen. Wir konzentrieren uns mit unserem Bemühungen, das Lebensraumangebot zu erweitern, dass sich Resultate einstellen ist für den Bereich der Fauna ersichtlich, was die Flora betrifft, tappen wir im Dunkeln. Wir wären sehr dankbar, wenn wie über Beobachtungen und Resultate auf dem Laufenden gehalten werden könnten. Mit bestem Dank und freundlichen Grüssen Martin Johner, stv. Projektleiter Biotoverbund Grosses Moos

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