Am 24. September stimmt die Schweiz über den Gegenvorschlag zur Volksinitiative für Ernährungssicherheit ab. | © GLOBAL 2000 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Am 24. September stimmt die Schweiz über den Gegenvorschlag zur Volksinitiative für Ernährungssicherheit ab. | © GLOBAL 2000 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Pestizide in der Landwirtschaft: „Weniger“, lautet der Tenor

  • Mélanie Guillebeau
  • 1

Beinahe zwei Drittel der Schweizer und Schweizerinnen verlangen, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft verringert wird  – wie eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts gfs-zürich zeigt.

Pestizide in Flüssen und Nahrungsmitteln

Rund 2’100 Tonnen Pestizide werden in der Schweiz jährlich über unsere Äcker, Reben und Obstbäume gesprüht – eine weit grössere Menge im Vergleich zu unseren Nachbarländern. Die Folgen des massiven Pestizideinsatzes sind mannigfaltig: Pestizide werden in Flüsse ausgespült, was in tödlichen Giftcocktails für deren Bewohner resultiert (naturschutz.ch berichtete); ganze Bienenvölker fallen den Spritzmitteln zum Opfer; und ein Grossteil unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Erdbeeren, Äpfel oder Wein sind stark mit Pestiziden belastet, die wir als Konsument aufnehmen. Doch wie es scheint, möchte die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung, dies nicht weiter hinnehmen.

65 Prozent für Pestizidreduktion

Die grössten Schweizer Umweltverbände WWF Schweiz, Greenpeace, BirdLife Schweiz und Pro Natura haben eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, die der Haltung der Schweizer gegenüber dem landwirtschaftlichen Pestizideinsatz auf den Zahn fühlen sollte. Wie der WWF Schweiz im Namen der Umweltverbände berichtet, sprechen sich knapp zwei Drittel der Befragten für weniger Pestizide in der Landwirtschaft aus. Demzufolge soll der Bund dafür sorgen, dass der Einsatz von Pestiziden verringert wird.

Fast die Hälfte würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und nur Betriebe, die pestizidfrei produzieren, subventionieren. Und in einem ist sich die klare Mehrheit der Befragten – nämlich 74 Prozent – sicher: Trinkwasser sollte keine Pestizidrückstände enthalten.

Pestizid-Reduktionsplan lässt auf sich warten

Als eines der letzten Länder Europas hat die Schweiz letztes Jahr einen Pestizid-Reduktionsplan entworfen. Bisher wurden dessen Umsetzung – trotz grosser Dringlichkeit und offensichtlichem öffentlichen Interesse – jedoch zu wenig Zeit und Ressourcen gewidmet. Bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht wie beim Aktionsplan Biodiversität während fünf Jahren vergeblich auf Aktion warten.

„Es braucht endlich einen ambitionierten Pestizid-Reduktionsplan und mehr Personal sowie finanzielle Mittel für dessen Durchsetzung“, fordert Daniela Hoffmann, Landwirtschaftsexpertin beim WWF Schweiz.

100 Millionen Franken Subventionen für Pestizide

Aus dem Schweizer Pestizid-Reduktionsplan geht hervor, dass kurzfristige Verringerungen um 40 bis 50 Prozent machbar sind – gleichzeitig könnte das Produktionsniveau gehalten und die Umsetzung gar kostenneutral realisiert werden. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass der Einsatz von Pestiziden gegenwärtig stark direkt und indirekt subventioniert wird: Nach konservativen Schätzungen blättern die Schweizer Steuerzahler jährlich 100 Millionen Franken hin. Dabei wird besonders viel Geld für die Trinkwasseraufbereitung, sprich das Entfernen von Pestizidrückständen, in die Hand genommen.

Den gesamten „Pestizid-Reduktionsplan“ finden Sie auf der Website des SVGW.

1 Kommentar

  • Erica Willi-Castelberg

    Mit den 100 Mio würde besser der Bio-Landbau gefördert. Bio-Bauern zeigen ja schon seit Jahrzehnten, dass es mit wenig und die Umwelt kaum belastenden Mitteln funktioniert!

    Antworten

Beitrag kommentieren