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Pelz ist nicht okay!

  • Sophie Ryser
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Der Winter naht, und Pelz ist wieder im Trend. Die Modeindustrie setzt auf kleine Bordüren an Mänteln oder Stiefeln, auch an Accessoires bewirkt etwas Pelz einen Hauch von Luxus. Labels sollen dabei das Gewissen beruhigen, da sie behaupten, der Pelz stamme aus artgerechter Haltung.

Jedes Jahr werden etwa 65 Millionen Pelztiere getötet, der Grossteil davon stammt aus Pelzfarmen. Dort ist eine artgerechte Haltung nicht möglich. Die pelzproduzierenden Arten wie zum Beispiel Nerz, Fuchs oder Marderhund sind Wildtiere, welche Auslauf und Beschäftigung brauchen. Viele sind zudem Einzelgänger, werden aber zu Dutzenden in kleine Drahtkäfige gepfercht. Dort vegetieren sie in ihrem eigenen Dreck dahin, bis sie auf qualvolle Art getötet werden.

Obwohl die meisten Menschen um diesen Zustand wissen, wird doch immer noch Pelz getragen. Wieso? Labels wie „Origin Assured“ sollen bei dem Konsumenten Vertrauen schaffen, dass das Tier nicht leiden musste. Es besagt aber nur, dass das Tier aus einem Land stammt, in welchem nationale oder regionale Verordnungen oder Standards bei der Pelzproduktion in Kraft sind. Wie strikt diese sind, und ob sie auch eingehalten werden, geht daraus nicht hervor. Eine Recherche in Schweden zum Beispiel ergab, dass in mehr als 80 Prozent der Farmen die minimalen Tierschutzvorschriften nicht eingehalten wurden. Ein Drittel der Farmer besass nicht einmal eine Bewilligung für die Farm!

Immerhin gibt es in der Schweiz seit März 2013 eine Deklarationspflicht für Pelz. Bei jedem Produkt muss angegeben werden, von welcher Art das Fell stammt, sowie die Herkunft und die Gewinnung. Dabei soll auch angegeben werden, ob das Tier beim Wildfang mit oder ohne Fallen gefangen wurde oder wie es während der Produktion gehalten wurde. Wenn keine eindeutige Angabe gemacht werden kann, muss der Pelz wie folgt gekennzeichnet werden: „Kann aus Fallenjagd oder Jagd ohne Fallen oder aus jeder möglichen Haltungsart, insbesondere auch aus der Käfighaltung, stammen“. Doch auch wenn alle Angaben gemacht sind, muss man bedenken, dass in der Schweiz Pelztierhaltung nicht rentabel ist, da strenge Tierschutzgesetze gelten. Das heisst, dass der Pelz logischerweise aus Ländern stammt, in welchen  die Gesetze nicht so streng sein können.

Verschiedene Labels sollen die Käufer dies aber vergessen lassen und beruhigen. Doch weltweit hat sich an der Situation der Pelztiere kaum etwas geändert. Gerade in grossen Farmen zum Beispiel in China, wo es einzig auf die Produktionsmenge ankommt, werden die Tiere nur als Fellproduzenten betrachtet, ihr Wohlergehen ist vollkommen egal. Obwohl die Haltung und Tötung der Tiere in der Schweiz als Tierquälerei gelten würde, haben diese hier keine Rechte. So gibt es in EU-Ländern für viele Tierarten nur Empfehlungen, keine Gesetze. Eine Empfehlung für Chinchillas zum Beispiel lautet, dass die Tiere vor dem Häuten getötet werden sollten. Deshalb gilt: Nur pelzfrei ist wirklich artgerecht!

Weitere Informationen

Liste mit Geschäften, welche auf Pelz verzichten

Origin assured?

Bild: Kuerschner [Public domain], via Wikimedia Commons

2 Kommentare

  • Franziska

    Bei diesem Artikel stelle ich mir einen Pelzmantel vor, der einen Deklarationsschein angeheftet hat, das für Fuchspelze von 30 Füchsen, bei Nerzpelzen von 200 Nerzen, wie soll dies funktionieren. Den Verarbeitern, den Kürschnern, ist der Zustand des Pelzes wichtig, nicht die Herkunft.

    Wer Pelze tragen will, der soll es tun, jeder weiß selbst, Pelze werden aus Tieren hergestellt, wie auch die Bockwurst, die wir essen.

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  • Christine Dobler Gross

    Die Geschäfte bieten Jahr für Jahr mit demselben Argument pelzbesetzte Jacken usw. an: Die Kunden verlangen es. Die Kunden verlangen angeblich echte Pelze, sagen die Einkäufer und die Chefs. Ist das so? Und selbst wenn: ist das ein Argument? Man bietet dem Kunden ja auch nicht geröstete Heuschrecken an – nur weil er es verlangt. Ich befürchte, dass auch die im März 2013 eingeführte Deklarationspflicht kaum etwas ändert, weil kaum jemand hinschauen wird, was da auf den Deklarationsscheinen draufsteht. Man muss also den Kunden vor sich selber schützen, weil er gerne unbedacht zugreift, der andere tuts ja auch. Darum braucht es ein Importverbot, zusammen mit den umliegenden Ländern. Produkte aus in der Schweiz verbotener Tierhaltung können doch logischerweise auch nicht importiert werden.
    Unsere Generation hat schon vor 40 Jahren gegen echte Pelze gekämpft, mit Erfolg. Offenbar muss jede Generation wieder für dieselben Einsichten kämpfen. Ich hoffe, dass die Vorbilder der jungen Leute es tun.

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