In der unteren Stratosphäre, wo die Ozonschicht am dichtesten ist, schwindet das vor UV-Strahlen schützende Ozon noch immer – trotz wirksamem FCKW-Verbot durch das Montrealer Protokoll. © Mr_Murdoch [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
In der unteren Stratosphäre, wo die Ozonschicht am dichtesten ist, schwindet das vor UV-Strahlen schützende Ozon noch immer – trotz wirksamem FCKW-Verbot durch das Montrealer Protokoll. © Mr_Murdoch [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Ozonschicht wird wieder dünner

  • Selina Fehr
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Die Rettung der Ozonschicht über den Polen dank FCKW-Bann war ein Erfolg für den internationalen Umweltschutz. Aufatmen können wir aber noch nicht: Schweizer Forschende haben herausgefunden, dass sich die lebenswichtige Schicht nun über den dichtbesiedelten mittleren Breitengraden ausdünnt. Forscher sind beunruhigt.

«Seit 1998 nimmt Ozon in der oberen Stratosphäre, also oberhalb etwa 30 km, wieder zu», berichtet die ETH Zürich in einer Mitteilung. Auch über den Polregionen erhole sich die Stratosphäre. Grund dafür ist das Montrealer Protokoll. In diesem wurde 1989 ein Verbot auf ozonzerstörende chlor- und bromhaltige Kohlenwasserstoffe (z.B. FCKW) verhängt. Die langlebigen Substanzen gelangten zuvor in grossen Mengen in die Atmosphäre und schädigten die Ozonschicht, die das Leben auf der Erde vor energiereicher Strahlung schützt.

Gefahr noch nicht vorbei

Um die Jahrtausendwende schien der Abbau des stratosphärischen Ozons gestoppt. Die Fachwelt ging bisher davon aus, dass sich die Ozonschicht bis Mitte Jahrhundert vollständig erholen wird.

Nun stellt ein internationales Team unter Leitung von Forschenden der ETH Zürich und des Physikalisch-Meteorologischen Observatorium Davos Unerfreuliches fest: Trotz FCKW-Banns geht die Konzentration von Ozon im unteren Teil der Stratosphäre (15 bis 24 km), zwischen Breiten von 60° S und 60° N weiter zurück. Ihre Funktion als UV-Filter ist somit gefährdet in den stark bevölkerten mittleren Breiten und in den Tropen.

Klimawandel und kurzlebige Chemikalien in Verdacht

Die Gründe für den anhaltenden Rückgang sind noch unklar. Als mögliche Ursache kommen vor allem zwei in Frage. Zum einen verändert der Klimawandel die Muster der atmosphärische Zirkulation ein und bewirkt, dass weniger Ozon gebildet wird.

Zum anderen nehmen sehr kurzlebige, chlor- und bromhaltige Chemikalien zu und könnten vermehrt in die untere Stratosphäre gelangen, etwa durch intensivere Gewitterstürme. Diese Stoffe schädigen die Ozonschicht weniger als FCKW, sind aber nicht neutral. Bislang ist ihr Ausstoss nicht verboten worden.

Weitere Untersuchungen nötig

Die neuen Erkenntnisse sind laut den Wissenschaftlern «besorgniserregend, aber nicht alarmierend». Der Rückgang sei weit weniger stark als in den 80er Jahren. Gleichwohl bedinge es, dass Forschende die Entwicklung der Ozonschicht weiter beobachten und seine Schutzfunktion überwachen.

Die Studie erscheint aktuell im Fachblatt «Atmospheric Chemistry and Physics».

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