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Ozeanversauerung ändert Lebensgemeinschaft

  • Eliane Küpfer
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Durch die Klimaerwärmung versauern die Ozeane zunehmend. In einem bislang einmaligen Langzeitexperiment untersuchten 69 Wissenschaftler unter der Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, wie sich die Planktongemeinschaft und Fischlarven im saureren Wasser entwickeln. Die Arbeiten fanden im Rahmen des deutschen Forschungsprojekts zur Ozeanversauerung BIOACID (Biological Impacts of Ocean ACIDification) statt.

Mitte Januar hatte sich das Team des GEOMAR mit dem deutschen Forschungsschiff ALKOR auf den Weg nach Schweden gemacht und bei Temperaturen um minus 10 Grad die Mesokosmen im Gullmarfjord verankert. Das Wasser in fünf der zehn Riesen-Reagenzgläser wurde mit Kohlendioxid angereichert, bis es einen Säuregrad erreichte, den Experten für das Jahr 2100 prognostizieren. Bei jedem Wetter sammelten die Wissenschaftler jeden zweiten Tag Proben. Sie nahmen Messungen vor und setzen Spezialkameras ein. So entstand ein umfassendes Bild des Lebens in den Mesokosmen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Studie bringt das deutsche Forschungsschiff ALKOR jetzt die zehn KOSMOS Mesokosmen und umfangreiches Probenmaterial zurück nach Kiel.

„Der frühe Start war wirklich eine Herausforderung. Aber wir wollten von der ersten Produktivität im Spätwinter bis in den Sommer hinein verfolgen, wie sich das Plankton-Ökosystem auf natürliche Weise verändert, wie sich die unterschiedlichen Artengemeinschaften ablösen und sich Effekte durch Ozeanversauerung von Generation zu Generation übertragen“, erklärt Riebesell. In den Tanks wurden zudem Heringseier ausgesetzt, um den Einfluss der Ozeanversauerung auf deren Ei- und Larvenentwicklung zu studieren. Erfreulicherweise zeigten sich in allen Mesokosmen ähnliche Muster, wie z.B. parallele Entwicklungskurven. „Das bedeutet, dass ein Experiment über einen so langen Zeitraum technisch funktioniert und wir belastbare Daten erhalten haben – ein echter Erfolg.“

Erste Analysen zeigen, dass die Versauerung Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaft hat. Während einige Planktongruppen von der Ozeanversauerung profitieren, haben andere das Nachsehen. Insbesondere kalkbildende Organismen, darunter auch die Larven von Seeigeln, entwickeln sich langsamer und weisen höhere Sterberaten auf. Durch den Verlust einiger Arten und das Aufblühen anderer ändert sich die Zusammensetzung an der Basis der Nahrungskette, mit möglichen Folgen für das gesamte Nahrungsnetz bis hin zu den Fischen. „Die ersten Ergebnisse bestätigen einmal mehr, dass sich die komplexen Wechselwirkungen im Ökosystem nicht aus Laboruntersuchungen mit einzelnen Arten ableiten lassen“, so Riebesells erste Bilanz. Für eine bessere Abschätzung der Langzeiteffekte von Ozeanwandel auf die marinen Ökosysteme, Nahrungsnetze und Stoffkreisläufe verspricht der hier erstmals erfolgreich praktizierte Ansatz daher wichtige neue Erkenntnisse.

Bild: Nick Hobgood [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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