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Olympiade 2012 – wie grün ist London?

  • Nora Kieselbach
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London will die ersten wirklich nachhaltigen Olympischen Spiele veranstalten, wie der WWF Schweiz berichtet. Die britische Hauptstadt richtet seit letztem Freitag das bedeutendste Sportereignis der Welt aus. Nachhaltigkeit war bei der erfolgreichen Bewerbung ein zentraler Punkt. Die grünsten Spiele der Geschichte – das ist das Ziel. Ein Zwischenfazit fällt jedoch zwiespältig aus.

Wie grün diese Sommerspiele tatsächlich sind, interessierte auch Achim Steiner, den Chef des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP). Er besichtigte daher bereits im April 2012 den olympischen Park in London. Sein Eindruck: das Nachhaltigkeitsteam hat für London 2012 genau durchdacht, was es erreichen möchte. Unmittelbar vor den Spielen hat nun auch der WWF gemeinsam mit „BioRegional“ untersucht, wie die ehrgeizigen Ziele umgesetzt wurden. Das Fazit der gemeinsamen Studie fällt geteilt aus: Vieles wurde versucht, die Umsetzung ist allerdings nicht immer gelungen.

Positiv zu vermerken ist beispielsweise das Olympiastadion aus besonders leichten und hauptsächlich wiederverwendbaren Materialen. Nach den Wettkämpfen soll die Zuschauerkapazität ausserdem von 80’000 auf 60’000 Plätze gesenkt werden. Wirklich innovativ ist auch das Basketballstadion vom Wilkinson Square: Nach den Spielen wird es sogar komplett zurückgebaut. Die Spielstätte könnte dabei bei den nächsten Spielen in Rio 2016 wiederverwendet werden.

Die Studie des WWF zeigt aber auch, dass nicht alle neu errichteten Gebäude ihr mögliches Einsparpotenzial ausnutzen. Besonders deutlich wird dies bei der neuen Schwimmhalle. Der Bau weist eine katastrophale Klimabilanz auf, allein in der Dachkonstruktion wurden 3000 Tonnen Stahlträger verarbeitet. Um die selbst gesteckten CO2-Einsparziele nicht zu gefährden, planen die Veranstalter daher, während der Wettkämpfe die Klimaanlage zu drosseln, da der Energieverbrauch schon jetzt unerwartet hoch ist.

Der ohnehin notorisch überlastete Nahverkehr wurde ausgebaut und einige U-Bahn-Linien verlängert. Um den Verkehr zusätzlich zu entlasten, wurden zudem mehr als 425 Fahrrad- und 150 Fusswege errichtet, die zu den einzelnen Sportstätten führen. Im besten Falle, so hoffen die Veranstalter, radeln und spazieren die Besucher von Wettkampf zu Wettkampf.

Kritisieren muss der WWF jedoch das Versäumnis, eine langfristig angelegte Infrastruktur zu schaffen, die über Erneuerbare Energien gespeist wird. Auch die Müllverwertung ist nicht optimal in Kreisläufen organisiert. Deshalb wird der ursprüngliche Plan nicht erreicht, durch Abfallvermeidung und Recycling praktisch keinen Müll zu produzieren.

Weiter kritisieren die Umweltschützer, dass natürliches Marschland für den Bau des Olympiaparks genutzt wurde und ein Nebenfluss der Themse heute stärker verschmutzt sei als vor dem Bau. Als Grosssponsoren wurden unter anderem der Chemiekonzern Dow Chemical, das Erdölunternehmen BP und die Bergbaugesellschaft Rio Tinto gewonnen, allesamt Firmen, die in der Vergangenheit eher durch Umweltzerstörung als durch Nachhaltigkeit glänzten.

Eine ausführliche Auswertung will der WWF im Anschluss der olympischen Spiele durchführen. Dann soll vor allem untersucht werden, inwiefern London 2012 Massstäbe gesetzt hat und wie nachhaltig die Nachhaltigkeitsstrategie wirklich war.

Einen weiteren Aspekt von „grün“ und „nachhaltig“ hat ausserdem die Erklärung von Bern EvB untersucht. Im Rahmen der PLAY FAIR-Kampagne 2012 wurden Firmen unter die Lupe genommen, welche Produkte rund um die olympischen Spiele 2012 hergestellt haben. Offenbar gelten die Fairplay-Werte jedoch nicht für alle Beteiligten…

Weitere Informationen
Nachhaltigkeits-Studie (pdf)

WWF Schweiz
Erklärung von Bern EvB

Bild: Dave Catchpole [CC-BY-2.0] via Wikimedia Commons

1 Kommentar

  • Adon

    Ein gelungener Beitrag wie ich finde. Es fällt leicht Fehler zu finden und zu kritisieren, trotzdem sehe ich grundsätzlich positiv, dass sich das Bewusstsein ändert und sich eine Grundeinstellung zu Festen dieser Größe entwickelt, an die Nachfolgende Ausrichter sich orientieren „müssen“.
    Verbesserungsvorschläge sollten konstruktiv umgesetzt werden und wirkungsvolle Prozesse oder Ideen aufgegriffen.

    Ein gelungenes Projekt ist die Basketball-Arena. Nach Beendigung der Olympischen Spiele wird es abgerissen und etwa zwei Drittel des verbauten Materials recycelt oder erneut verwendet. Die Konstruktion besteht unter anderem aus 20.000 Quadratmetern recyclebares PVC, die als Außenverkleidung der Arena verbaut wurden.
    Die Stahlträger für das Olympia-Stadion etwa sind aus alten Gas- und Wasserleitungsrohren gemacht.

    hier gelesen: http://www.recyclingnews.info/zahl.php?zid=47

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