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Ohne Mammut-Kot leidet unsere Erde

  • Judith Schärer
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Einst beherrschten gigantische Lebewesen die Erde. Meterlange Wale und tonnenschwere Mammuts bevölkerten Meer und Land. Diese Vertreter der „Megafauna“ sind über die Zeit jedoch verschwunden. Was oft vergessen geht: Auch ihre Exkremente, welche bei diesen Körpergrössen beachtlich waren, fehlen seit ihrem Aussterben in der Nährstoffbilanz der Erde. Dies hat weitreichende Konsequenzen für den gesamten Planeten.

Wie ein Bericht in der amerikanischen Fachzeitschrift PNAS aufzeigt, hat die Abnahme von grösseren Säugetieren, Fischen und Vögeln einen erheblichen Einfluss auf den Nährstoffhaushalt der Erde. Laut den Wissenschaftlern sinkt die Produktivität der Erde ständig, da immer weniger Grosstiere vorhanden sind und somit auch ihre wichtige Recyclingfunktion von Nährstoffen ausbleibt. Durch die Aufnahme von Nahrung und das anschliessende Ausscheiden der Überreste fungiert das Tierreich wie ein gigantischer Komposthaufen. Dabei spielen die grössten Tiere auch die wichtigste Rolle, da sie mengenmässig am meisten verzehren und ausscheiden. Zudem legen sie die weitesten Distanzen zurück und tragen so massgeblich zur Verteilung der Nährstoffe bei. So auch in Urzeiten: Unmengen an Phosphor, einer der grundlegenden Nährstoffe für Pflanzenwachstum, wurde durch Giganten wie Dinosaurier oder Mammuts verwertet und transportiert.

Die fleissigen Verwerter nehmen jedoch mehr und mehr ab: Auf der Erde gab es einst 10 Mal mehr Wale als heute, 20 Mal mehr Laichfische wie beispielsweise Lachs, doppelt so viele Seevögel, und 10 Mal mehr grosse Herbivoren. Die Forscher erklären, dass Wale und Fische bei der Verteilung der Nährstoffe eine essentielle Rolle spielen. Wandernde Fischpopulationen bringen die Elemente vom Meer stromaufwärts in Frischwasserläufe ein oder Wale transportieren die Nährstoffe vom Meeresgrund an die Oberfläche. Einst führten Wale so über 300’000 Tonnen Phosphor vom Meeresgrund zur Wasseroberfläche – heute liegt die Zahl bei knapp 75’000 Tonnen. Die Walpopulation sank in den letzten 300 Jahren um 60-90% und auch andere wichtige Verwerter, welche noch verbleiben, schwinden dahin.

Diese massiven Rückgänge und Aussterbe-Ereignisse führen zu einer Beeinträchtigung des Nährstoffsystems unserer Erde. Das Potential, Nährstoffe von Hotspot-Bereichen in weniger gut versorgte Gebiete zu transportieren, liegt heute noch bei 6% des ursprünglichen Wertes. So wird heute kaum noch durch Tiere Phosphor vom Meeresgrund an die Oberfläche oder vom Meer an Land transportiert. Somit wurde das effiziente Verteilungssystem zwischen Meer und Land zu grossen Teilen ausser Kraft gesetzt. „Dieser defekte Mechanismus kann unsere Ökosysteme, Fischerei und Landwirtschaft nachhaltig schwächen“, erklärt Joe Roman, Biologe an der Universität Vermont und Mitautor der Studie.

Phosphor ist heute ein Schlüsselelement in Düngemitteln. „Einfach verfügbares Phosphat wird immer knapper und könnte in  50 Jahren vollständig aufgebraucht sein“, sagt Chris Doughty von der Universität Oxford, welcher die Studie leitete. Möglichkeiten, dies zu verhindern, bestünden allerdings: „Tierpopulationen zurück zu ihren Ursprüngen zu führen, könnte dabei helfen, Phosphor aus dem Meer zu recyclen und den Bestand von verfügbarem Phospaht auf der Erde wieder zu erhöhen“, erklärt Doughty. Der beste Weg, die Erde fruchtbar zu halten, sei deshalb, Wale und ihre Habitate zu schützen.   Zudem sei es wichtig, auch Landtiere zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Da grössere Säugetiere kaum noch wild vorkommen, sondern hauptsächlich als Weidetiere genutzt werden, sind sie in ihrem Fortbewegungsverhalten stark durch Zäune oder andere Abgrenzungen eingeschränkt. Dies führt dazu, dass keine optimale Verteilung und Verwertung der Nährstoffe mehr stattfinden kann. Deshalb soll wieder vermehrt das ursprüngliche Herden- und Wanderverhalten gefördert werden. Dies wird beispielsweise durch den geringeren Einsatz von Zäunen erreicht oder durch die Ergänzung der gehaltenen Tiere mit weiteren Spezies, zum Beispiel Bisons. „Eine Erholung des Nährstoffzustandes ist wichtig und auch möglich“, sagt Joe Roman. Es bestehe aber noch immer viel Handlungsbedarf in diesem Bereich.

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