Im Test sind alle konventionell angebauten Grüntees mit Glyphosat belastet. | © maximillian_schaffhausen [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Im Test sind alle konventionell angebauten Grüntees mit Glyphosat belastet. | © maximillian_schaffhausen [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Nur Bio-Grüntee ist frei von schädlichem Glyphosat

  • Mélanie Guillebeau
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15 Grüntee-Marken wurden bezüglich ungewollter Pestizid-Rückstände genauer unter die Lupe genommen. Die Untersuchung zeigt, dass alle konventionellen Produkte Rückstände, allen voran Glyphosat, enthalten. Lediglich Bio-Grüntees sind frei von Pestiziden und garantieren damit den Schutz der Umwelt, Bauer und ferner des Konsumenten. 

Dem Grüntee werden zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen: Er wirkt beruhigend auf den Verdauungstrakt, ist antibakteriell und soll dank der enthaltenen Flavonoide, eine Gruppe natürlicher Antioxodantien, die Risiken der Krebsentstehung senken. Dies hat dazu beigetragen, dass sich der grüne Aufguss, welcher übrigens vom selben Strauch wie Schwarztee gepflückt wird, immer grösserer Beliebtheit erfreut.

Nicht so grüner Grüntee?

So gesund der Genuss des Grüntees sein mag, so schädlich ist dessen konventionelle Produktion für die Anbauer. Um die über 300 bekannten Schädlinge von den Sträuchern fernzuhalten, kommen Pestizide in grossem Ausmass zum Einsatz. Das Einatmen mancher Pestizide, wie es bei der Handhabung vorkommen kann, ist für die Arbeiterinnen lebensgefährlich. Auch die Pflückerinnen kommen mit Rückstanden der bedenklichen „Pflanzenschutzmittel“ in Kontakt. Dass Pestizide zudem für die Umwelt und tierischen Anwohner der Plantagen schädlich sind, kann mittlerweile als Fakt angesehen werden. Doch sind die verwendeten Pestizide gar im Endprodukt in Konzentrationen nachweisbar, die negative Auswirkungen auf den Konsumenten zur Folge haben können?

Auch die Gesundheit der Pflücker ist aufgrund von Pestizid-Rückständen gefährdet. (Symbolbild) | © A'Melody Lee / World Bank [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Auch die Gesundheit der Pflücker ist aufgrund von Pestizid-Rückständen gefährdet. (Symbolbild) | © A’Melody Lee / World Bank [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Bis zu 15 Pestizide in einem Tee

Dieser Frage ist GLOBAL 2000, eine österreichische Umweltorganisation, auf den Grund gegangen und hat den Test von 15 Grüntees in Auftrag gegeben. Alle Tees, wovon neun aus konventioneller Produktion stammen und sechs aus Bio-Produktion, wurden auf Rückstände von 500 Pestiziden untersucht. Und die Ergebnisse lassen das „grüne“ Image des Tees ein wenig bröckeln: Nicht weniger als vier verschiedene Pestizide konnten in allen konventionellen Tees nachgewiesen werden. Unrühmlicher Spitzenreiter war der getestete Grüntee von Dallmayr, welcher mit einem Pestizidcocktail von 15 Wirkstoffen belastet war – davon sind sechs in der EU noch nicht mal zugelassen.

In einer Stellungsnahme verweist Dallmayr darauf, dass das „Fertigerzeugnis alle gesetzlichen Bestimmungen einhält und damit einwandfrei verkehrsfähig ist.“ Es ist tatsächlich so, dass importierte Produkte von den EU-Verboten ausgeschlossen sind und lediglich vorgegebene Schwellenwerte eingehalten werden müssen. Diese sind beim Grüntee jedoch bis zu 300 Mal höher als bei ähnlichen Produkten wie Kaffee, Kakao oder Kräutertee.

„Die halbwegs gute Nachricht: Die Mengen an Rückständen sind für KonsumentInnen nicht besorgniserregend. Für die ArbeiterInnen auf den Teeplantagen allerdings schon“, umschreibt GLOBAL 2000 ihre Testergebnisse.

Wie das Portal Oekonews berichtet, sind die nachgewiesenen Wirkstoffe im Grüntee generell für den Verbraucher nicht gesundheitsgefährdend. Zum einen aufgrund der tieferen Belastung im Vergleich zu Gemüse und zum anderen wegen der üblicherweise, geringen Konsumationsmenge. Nichtsdestotrotz werden den meisten der gemessenen Pestizide hormonelle Aktivitäten nachgesprochen. In diesem Fall könnten bereits marginale Konzentrationen den Hormonhaushalt des Körpers beeinflussen.

Hohe Rückstände von Glyphosat

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat war in allen neun konventionellen Grüntees, nicht aber in den sechs Biotees, enthalten und stellte gar das Pestizid mit den höchsten gemessenen Rückstandsmengen dar. Die WHO hat Glyphosat als „wahrscheinlich beim Menschen krebserregend“ eingestuft. In der EU wurde der Wirkstoff noch nicht verboten. Wahrscheinlich aufgrund der manipulierten „wissenschaftlichen“ Studien von Monsanto, die kürzlich die Schlagzeilen dominiert haben. So wird dem US-amerikanischen Grosshersteller von Glyphosat vorgeworfen, Studien zur Gesundheitsgefährdung des Spritzmittels verfälscht zu haben, um damit dessen Risiken zu verschleiern.

Bereits in Grundnahrungsmitteln wie Mehl und Brot wurde Glyphosat nachgewiesen. | © tiegeltuf [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Bereits in Grundnahrungsmitteln wie Mehl und Brot wurde Glyphosat nachgewiesen. | © tiegeltuf [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Vorhergehende Analysen konnten bereits Rückstände von Glyphosat in Mehl, Brot und Bier messen. Der erneute Nachweis in Grüntee weist auf einen beachtlichen Einsatz von Glyphosat beim Anbau hin. Schliesslich beinhaltet die Tee-Produktion mehrere Verarbeitungsschritte, unter anderem Trocknen und Fermentieren, wodurch weitaus geringere Rückstände von Glyphosat im Endprodukt zu erwarten wären.

Bio-Grüntees sind rundum grün

Zwar wurden auch in Bio-Grüntees Pestizide nachgewiesen, jedoch nur in Spuren. Dies kann passieren, wenn beim Besprayen naheliegender konventioneller Anbauflächen Pestizide verweht werden. Das Fazit des Tests ist also dennoch: Wer auf Nummer sicher gehen will und sich sowie die Arbeiterinnen und Umwelt in den Anbaugebieten schonen möchte, sollte Bio-Grüntee kaufen.

Den kompletten Bericht des Grüntee-Tests wird auf der Website von GLOBAL 2000 zum Download bereitgestellt. 

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